Das Bundeskriminalamt (BKA) betrachtet derzeit 410 Menschen als islamistische Gefährder. Das teilte ein Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit und fügte hinzu: „Diese sind dem Bereich des islamistischen Terrorismus/Extremismus zuzuordnen.“ Hinzu kämen 65 Gefährder im Bereich Rechtsextremismus und 17 Gefährder im Bereich Linksextremismus. Als Gefährder gelten Menschen, denen größere Gewalttaten wie Anschläge zugetraut werden.

Der Sprecher betonte, die Einstufung einer Person als Gefährder oder „Relevante Person“ – dabei handelt es sich um einen Unterstützer von Gefährdern – erfolge durch die jeweils zuständigen Bundesländer. Die Gründe für eine Ein- oder Ausstufung seien vielfältig und unterlägen jeweils einer Einzelfallbetrachtung. Die Anzahl der Gefährder und relevanten Personen unterliege folglich Schwankungen.

Er wies ferner darauf hin, dass die Anzahl der Gefährder und relevanten Personen als alleiniges Kriterium keinen Aufschluss über die Gefährdungslage gebe.

Auch der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout wurde von den Behörden als Gefährder geführt. Die Bluttat vom Samstag hatte eine Debatte darüber entfacht, wie bei der Beobachtung von solchen Fällen umgegangen werden sollte. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte etwa dafür plädiert, bei Doppelstaatlern auch die Staatsbürgerschaft entziehen zu können.

Hohes Niveau an Anfragen bei Radikalisierungs-Beratungsstelle

Das RND berichtet zudem, dass die „Beratungsstelle Radikalisierung zur Islamismus-Prävention“ beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in der ersten Hälfte dieses Jahres 165 Beratungsanfragen registriert hat. Ein Sprecher sagte: „Der Beratungsbedarf von Personen, die sich mit Fragen zu islamistischen Radikalisierungsformen an das bundesweite Angebot der Beratungsstelle wenden, bewegt sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau – vergleichbar mit den Werten des Jahres 2023.“ Damals habe die Zahl der Beratungsanfragen im Gesamtjahr bei 374 gelegen.

Mehr als die Hälfte der Anfragen stammte im Jahr 2025 dem Sprecher zufolge von Institutionen wie Schulen – sowie knapp 43 Prozent aus dem familiären Umfeld mutmaßlich radikalisierter Personen. „Hiervon stellten Eltern die größte Gruppe der Ratsuchenden dar.“ Dabei habe das Durchschnittsalter der mutmaßlich radikalisierten Personen 2025 bei knapp 19 Jahren gelegen.

Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stelle mit Blick auf die Anfragen einen Einschnitt dar, sagte der Sprecher. „Dies gilt insbesondere auch für das Anschlagsgeschehen in Deutschland, da die gesellschaftliche Sensibilität für Radikalisierung in direkter Folge islamistisch motivierter Gewalttaten signifikant steigt, was zu höheren Anruferzahlen führt.“

Die „Beratungsstelle Radikalisierung“ leitet dringendere Fälle an regionale Beratungsstellen weiter. Eine dieser Beratungsstellen – das Violence Prevention Network (VPN) – kümmerte sich auch um den 21-Jährigen Abdul Ballout.

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