Die spanischen Behörden haben einen deutlichen Anstieg der Zahl der von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta schwimmenden Migranten gemeldet. „In den vergangenen Tagen haben mehr als 1500 Migranten, darunter Erwachsene und Minderjährige, Ceuta über das Meer erreicht“, teilte der örtliche Regierungschef Juan Jesús Vivas am Mittwoch mit. „Die Aufnahmezentren sind zusammengebrochen und ausgelastet.“

Die Behörden der Exklave im Norden Marokkos betrachten die Zahl als ungewöhnlich. Es ist allerdings nicht neu, dass Migranten vor allem im Sommer bei gutem Wetter versuchen, das Meer nach Ceuta zu überqueren. Viele können kaum schwimmen und benutzen Schwimmreifen, um sich über Wasser zu halten.

Ein Boot mit Migranten wird von der marokkanischen Gendarmerie abgefangen

Bei vorherigen Überquerungsversuchen seien Migranten ums Leben gekommen, sagte Vivas. Im vergangenen Jahr seien 60 Leichen im Meer entdeckt worden. In den vergangenen Tagen wurden mindestens vier Todesopfer gezählt. Weshalb gerade in diesem Sommer so viele Menschen – vor allem junge Männer – nach Ceuta geschwommen sind, ist unklar.

Die spanische Guardia Civil, Seenotrettungsdienste und das Rote Kreuz haben mit Booten Menschen aus dem Meer gerettet und sie dann nach Ceuta gebracht. Allein in der Nacht auf Mittwoch wurden mehr als einhundert Personen gerettet. Hunderte Migranten schlafen dort vor einem überfüllten Aufnahmezentrum.

Minderjährige stellen Stadtverwaltung vor Probleme

Die meisten der Ankommenden sind Marokkaner und Algerier – und viele noch minderjährig, was die Stadtverwaltung von Ceuta auch vor organisatorische Probleme stellt: Aktuell befinden sich 430 unbegleitete ausländische Minderjährige unter der Obhut der Stadtverwaltung; 220 kamen allein in fünfzehn Tagen dazu. Alejandro Ramírez, Sprecher der Regionalregierung, bezeichnete die Situation als „äußerst ernst“. Er forderte eine „außergewöhnliche und sofortige Reaktion“ der Zentralregierung in Madrid, weil sich sonst eine Krise anbahne.

Die Aufnahmezentren sind ausgelastet – viele Ankommende leben auf der Straße

Regierungschef Vivas kritisierte, dass ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens vom Juli es verbiete, über den Seeweg eingetroffene Migranten sofort zurück über die Grenze zu schicken, ohne dass ihr Fall vorher in einem Verfahren geprüft wird. Auch nach EU-Recht sind solche Abweisungen an der Grenze zwar teils untersagt. Spanien berief sich bislang allerdings auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, laut dem das Land Personen, die gewaltsam den Grenzzaun überwinden, unter bestimmten Voraussetzungen unmittelbar nach Marokko zurückweisen darf. Spaniens Oberstes Gericht stellte nun jedoch fest, diese Pushbacks dürfen nicht bei Migranten angewendet werden, die schwimmend in spanisches Territorium gelangen, da sie zu keinem Zeitpunkt eine Grenzsicherung überwinden.

Ceuta an der marokkanischen Mittelmeerküste ist mit Meeres-Grenzzäunen und anderen Maßnahmen gesichert. Wer die spanische Stadt und ihre Strände Benzú und Tarajal erreichen will, muss vom marokkanischen Staatsgebiet aus unter Umgehung der Absperr-Einrichtungen im Meer fast vier Stunden schwimmen.

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