Im polnischen Luftraum ist nach Armeeangaben in der Nacht ein unbekanntes Objekt entdeckt worden, das Richtung Westen geflogen ist. Später sei die mutmaßliche Absturzstelle des Objekts in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lubl in gefunden worden, teilte das operative Kommando der polnischen Streitkräfte auf X mit. Russland hatte die Ukraine in der Nacht mit einem massiven Angriff überzogen
Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Lwiw sind nach Angaben der dortigen Behörden 15 Menschen verletzt worden. Menschen seien unter Trümmern von Gebäuden verschüttet. Lwiw liegt im Westen der Ukraine, die gleichnamige Region grenzt an den EU- und Nato-Staat Polen. Warschau ließ als Reaktion auf die Angriffe Kampfjets aufsteigen, um seinen Luftraum zu sichern. Die polnischen Streitkräfte sprachen von einer Vorsichtsmaßnahme.
Videos auf X sollen die Einschlagsstelle in Polen zeigen. Verbreitet wurden die Bilder unter anderem vom belarussischen Exilmedium „Nexta“. Bewohner der benachbarten Dörfer sollen laut polnischen Medienberichten eine laute Explosion gehört haben. „Die Fenster wären fast zersprungen“, sagte ein Anwohner gegenüber „Lublin112“.
Auch in einer Mitteilung der Polizei von Lublin war von einer „lauten Explosion“ die Rede. Polizeipatrouillen wurden an den Ort des Geschehens entsendet. Dort hätten sie einen Krater und verstreute Trümmerteile eines unidentifizierten Objekts vorgefunden. Das Innenministerium teilte mit, dass der Krater einen Durchmesser von etwa zehn Metern habe.
Die Einsatzstelle wurde gesichert. Tarnawa-Kolonia liegt etwa 95 Kilometer hinter der Grenze zur Ukraine.
Gegenüber dem polnischen Nachrichtenportal „o-net“ (gehört wie WELT zu Axel Springer) sagte ein Sprecher des Ministers für die Koordinierung der Sonderdienste, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Einzelheiten bekannt gegeben würden.
Mindestens acht Tote in der Ukraine
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nacht Ziele in der gesamten Ukraine angegriffen. Darunter seien die Städte Kiew, Lwiw und Dnipropetrowsk, teilte das Ministerium auf Telegram mit.
Städte bis im weit von der Grenze entfernten Westen des Landes seien mit Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern sowie Hunderten Drohnen attackiert worden, berichteten ukrainische Medien am Morgen. Es gebe mindestens acht Tote und mehr als ein Dutzend Verletzte.
In der Stadt Krywyj Rih wurde nach einem Bericht des „Kyiv Independent“ das Wohnhaus einer Großfamilie von einer Rakete getroffen. Allein dort habe es sechs Tote gegeben, darunter zwei Kinder im Alter von 5 und 12 Jahren, sowie acht Verletzte. Aus der Hauptstadt Kiew und dem Gebiet Poltawa wurden zwei weitere Todesopfer gemeldet. Das genaue Ausmaß der Schäden war bei Tagesanbruch noch unklar.
Ein zerstörtes Auto ist nach einem Raketeneinschlag in Kiew zu sehenRettungskräfte in LwiwIn zwei großen Wohnblöcken in Lwiw nahe der polnischen Grenze seien nach Raketentreffern Brände ausgebrochen, hieß es in den Berichten. Auch in Kiew seien mehrere Gebäude getroffen worden, allerdings wohl von herabstürzenden Trümmern. Reporter sprachen von mehreren Explosionswellen im Laufe der Nacht.
Überraschend kam die neuerliche Angriffswelle nicht: Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem unmittelbar bevorstehenden schweren Angriff Russlands aus der Luft gewarnt. Erst vor wenigen Tagen hätten die Angreifer die Ukraine attackiert, „und die Wahrscheinlichkeit ist hoch“, dass ein solcher Schlag auch heute Nacht ausgeführt werde, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. Er berief sich dabei auf einen Lagebericht des ukrainischen Luftwaffenchefs.
Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen zu können – insbesondere ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzuwehren sind. In seiner Warnung rief Selenskyj die westlichen Partner daher erneut dazu auf, der Ukraine zu helfen. Das betreffe speziell die USA und andere Länder, die über moderne Patriot-Systeme verfügten.
Ukraine greift russischen Online-Händler an
Unterdessen griff das ukrainische Militär erneut den russischen Online-Händler Wildberries. Durch Drohnenbeschuss wurde in der Nacht ein großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, nach Angaben der staatlichen Agentur Tass mitteilte. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden.
Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück. In der Nacht zu Mittwoch hatte die Ukraine in der russischen Stadt Rjasan ein großes Logistikzentrum von Wildberries und eine Raffinerie angegriffen.
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