Vergangenes Jahr war er über die Landesliste Baden-Württemberg für die AfD in den Bundestag eingezogen, schon zwei Monate später verließ er sowohl die Fraktion als auch die Partei: Sieghard Knodel hält in Berlin derzeit den Rekord für die meisten Fehlzeiten. In der aktuellen Legislaturperiode fehlte der Unternehmer bei 59 von 68 namentlichen Abstimmungen. Gegenüber dem „Spiegel“ hat sich Knodel nun erklärt.
„Ich habe als Unternehmer so viele Steuern bezahlt, da ist es nur fair, wenn der Staat mir wieder etwas zurückgibt“, sagte der Landmaschinenmechanikermeister gegenüber dem Magazin. Das Fernbleiben an vielen Tagen erklärte er mit einem „physischen Burn-out“. Dazu belasten ihn nach eigenen Angaben die Langzeitfolgen eines Autounfalls vor vielen Jahren.
Nach seinem Parteiaustritt, den er als „unvermeidlich“ bezeichnete, müsse er zudem sein „privates und geschäftliches Umfeld schützen“. Nach seinem Rückzug habe er Hilfe vom Landeskriminalamt erhalten und wochenlang sein Zuhause aus Angst vor Übergriffen von enttäuschten AfD-Anhängern gemieden.
Der Politiker beanstandete zudem Hasskommentare gegen sich. Seine frühere Partei führe eine „Schmutzkampagne“ gegen ihn. In seinen Fehlzeiten sieht der Bundestagsabgeordnete kein Problem. „Als fraktionsloser Einzelkämpfer kann ich sowieso nichts bewegen“, gab er zu Protokoll.
Mitglieder der AfD sind derweil schlecht auf ihren ehemaligen Parteikollegen zu sprechen. Als „Faulenzer“, „Totalausfall“ und „Sozialschmarotzer“ werde er von diesen geschmäht, wie das Nachrichtenmagazin zusammenträgt. „Was Knodel macht, ist Betrug am Wähler und am deutschen Steuerzahler“, sagte Maximilian Gerner, Landtagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, dem „Spiegel“. „Er muss das Mandat der AfD zurückgeben.“
Knodel hat offenbar nicht vor, den Forderungen seiner Ex-Kollegen zu folgen. Würde er sein Mandat niederlegen, würde ein AfD-Politiker nachrücken. „Ich kann stur sein“, sagte er, „so dreckig wie ich behandelt wurde, tue ich denen den Gefallen nicht.“
Zuletzt hatte er gegen einen Antrag der Grünen für die zusätzliche militärische und humanitäre Stärkung der Ukraine sowie gegen die Einführung eines allgemeinen Tempolimits gestimmt. Bislang hat Knodel noch keine Rede im Parlament gehalten. Monatelang fehlte er unentschuldigt, mittlerweile hat er ein Attest, heißt es in dem Bericht.
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