Bremens CDU-Chef Heiko Strohmann legt in seiner Kritik an Parteichef und Kanzler Friedrich Merz und dessen Umgang mit den ostdeutschen Landesverbänden nach. „Unter Friedrich Merz fühlt sich die CDU manchmal an wie eine Partei vor der Wende“, sagte Strohmann dem Magazin „Focus“. „Friedrich Merz führt die Partei mit der Brille eines Sauerländers und ist in der alten Bundesrepublik verhaftet.“ Die Union habe aber einen gesamtdeutschen Anspruch. „Für die Lebensrealität vieler ostdeutscher Mitbürger haben wir ziemlich wenig im Angebot“, stellte er fest.
Der Bremer CDU-Politiker hatte vergangene Woche mit einer Wortmeldung in der Sitzung des CDU-Bundesvorstands bundesweit Aufmerksamkeit erhalten. „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei“, warf er Merz nach eigenen Angaben an den Kopf. Strohmann stellte sich mit seiner Aussage hinter den Parteikollegen Armin Schuster aus Sachsen, der die mangelnde Vertretung Ostdeutschlands im Bundeskabinett angekreidet hatte.
Vor einer Woche hatte Strohmann im Zuge der Kabinettsumbildung dem Kanzler im „Tagesspiegel“ bereits vorgeworfen, die CDU im Osten zu vernachlässigen. „Er hört nicht auf unsere ostdeutschen Parteifreunde. Er führt die CDU rein westdeutsch, praktisch nur mit Parteifreunden aus Baden-Württemberg und NRW“, sagte Strohmann. Die CDU aber müsse den Anspruch haben, eine gesamtdeutsche Volkspartei zu sein. „Das tun wir nicht, und das hilft der AfD.“
Strohmann stammt aus Rostock und flüchtete 1989 über die Prager Botschaft
„Es ging mir nicht darum, Friedrich Merz in den Senkel zu stellen. Auch wenn er das vielleicht so verstanden hat“, sagte Strohmann nun dazu. „Mich stört, wie wir in der CDU mit den ostdeutschen Landesverbänden umgehen, die vor schwierigen Wahlen stehen und sich regelmäßig onkelhaft erklären lassen müssen, wie es besser geht“, betonte er aber.
„Wir müssen endlich anfangen, unsere eigenen Fehler im Umgang mit der Wende aufzuarbeiten. Dann habe ich die Hoffnung, dass wir perspektivisch auch wieder Wähler in Ostdeutschland zurückgewinnen können“, sagte Strohmann, der in Rostock geboren und in der DDR aufgewachsen ist und 1989 nach eigenen Angaben über die Prager Botschaft in den Westen, nach Bremen, flüchtete. Die Wiedervereinigung sei eine historische Errungenschaft, auf die die CDU stolz sein dürfe. „Aber es wurden dabei eben auch Irrtümer begangen, die wir bis heute nicht anerkannt haben.“
So sei bei der Treuhandanstalt nicht alles richtig gelaufen, sagte Strohmann. Diese war eingerichtet worden, um nach der Wiedervereinigung 40 Jahre DDR-Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft zu überführen. „Und bei der Rückgabe vergemeinschafteter Wohnungen in Ostdeutschland ist viel Vertrauen in den Staat kaputt gegangen“, bemängelte Strohmann weiter.
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