Nach dem Fund einer Drohne mit mutmaßlichem Sprengsatz auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle gehen die Sicherheitsbehörden von einem versuchten Anschlag aus. Das erfuhr WELT aus Sicherheitskreisen. Ein Foto, das WELT vorliegt, zeigt das Fluggerät mit der daran befestigten Masse. Das Bundesinnenministerium bestätigte den Fund. Der Flugbetrieb war in der Nacht zum Mittwoch zeitweise vollständig eingestellt worden.

Entdeckt wurde die Drohne nach WELT-Informationen gegen 23.42 Uhr von einem Mitarbeiter der PortGround GmbH. Sie lag am Boden, nur wenige Meter von einem ukrainischen Antonow-Frachtflugzeug entfernt. Beamte der Bundespolizei stuften den Gegenstand als mögliche unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung ein. Erste Tests deuten auf sprengfähige Nitrate hin.

Foto der Drohne vor der ukrainischen Antonow

In dem Paket befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Zünder. Die Behörden gehen davon aus, dass die Vorrichtung nur deshalb nicht explodierte, weil der Zünder abriss.

Ein Sprengstoffroboter am Flughafen Leipzig

Spezialisten des Entschärfungsdienstes untersuchten den Gegenstand, die Bundespolizei setzte dabei einen Sprengstoffroboter ein und bereitete zunächst eine kontrollierte Sprengung vor. Stattdessen soll das Paket nun in einem Spezialbehälter auf Spuren untersucht werden.

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, sagte bei WELT TV: „Wer könnte es noch sein außer Russland? Russland führt seit langem schon diesen hybriden Krieg. Und das Wort ‚hybrid’ verkleinert die Tatsache, dass Russland den Krieg nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen Europa führt.“

Er bot in dem Gespräch an, die Erfahrungen der ukrainischen Armee im Drohnen-Abwehrkampf mit Deutschland zu teilen. „Unsere Erfahrung ist hier einmalig“, sagte er weiter.

Sächsische Behörden ermitteln

Die Ermittlungen laufen jetzt allein in sächsischer Regie. „Die Bundespolizei ist inzwischen mit ihrer Arbeit durch. Jetzt sind unsere Kriminaltechniker dran“, sagte der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe. Die Ermittlungen würden von Kollegen der Polizeidirektion Leipzig und des Landeskriminalamtes Sachsen geführt.

Nach Angaben von Hoppe war kurz vor Mitternacht ein unbekanntes Flugobjekt am Flughafen gesichtet worden. Darauf habe man sofort reagiert und den Flugbetrieb einschränken müssen. Der Sprecher stellte klar, dass Unbefugte nicht einfach auf das Rollfeld gelangen können. Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt auch aus der Luft auf den Boden gelangt sei.

Auch stieß eine Frachtmaschine nach dem Start mit einem unbekannten Objekt zusammen. Hoppe zufolge kommt es am Flughafen im Norden von Leipzig immer wieder zu Sichtungen von Drohnen. Manchmal könne man sie auch nicht identifizieren.

Landung in Leipzig nicht möglich

Das betreffende Flugzeug habe wegen des Drohnenfunds nicht in Leipzig landen können und sei durchgestartet, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin vor Journalisten. Dann sei es „anscheinend mit etwas kollidiert“ und habe anschließend in Hannover landen können.

Laut „Bild“ handelte es sich um eine DHL-Frachtmaschine. Sie sei durch den Zusammenstoß im Frontbereich beschädigt worden. Die Polizei in Niedersachsen stufe den Vorfall als Staatsschutzdelikt ein und schließe Sabotage nicht aus, schrieb die Zeitung.

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