Nach einem umstrittenen Beitrag des ARD-Journalisten Georg Restle zu dem plötzlichen Massenansturm von Migranten in Ceuta ist die Empörung groß. Nachdem der Leiter des ARD-Hauptstadtbüros in Nairobi auf X die gewagte Theorie verbreitet hat, hinter dem Vorfall könnte eine gemeinsam von den USA, Israel und Marokko koordinierte Aktion stecken, sieht sich Restle auch mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert.

Forderungen nach einem Einschreiten des Rundfunkrates werden laut. Inzwischen hat mit Felix Schotland auch ein Mitglied des WDR-Rundfunkrats eine offizielle Beschwerde beim Sender eingereicht.

Schotland, der auch im Vorstand der Synagogen Gemeinde Köln sitzt, fordert eine Stellungnahme der WDR-Programmdirektion zu den öffentlichen Online-Aktivitäten des beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk beschäftigten Journalisten. Die „Jüdische Allgemeine“ hat das Schreiben an die Programmdirektion im Wortlaut dokumentiert. Schotland betont, dass er die Beschwerde unabhängig von seinen Funktionen, sondern aus persönlichem Antrieb verfasst hat. Der Beitrag von Restle habe ihn bestürzt.

Schotland kritisiert, weitreichende politische Behauptungen wie die von Restle verbreitete seien ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung problematisch. „Von ihm erwarte ich eine faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Aussagen dieser Tragweite sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen“, so Schotland.

Restle moderierte von 2012 bis 2026 das ARD-Politmagazin Monitor, das vom WDR produziert wird. Im März übernahm er die Leitung des ARD-Studios Nairobi. In seiner Beschwerde weist Schotland darauf hin, dass der Journalist von der Öffentlichkeit auch bei persönlichen Äußerungen auf sozialen Netzwerken als Repräsentant des WDR wahrgenommen werde. Er halte es deshalb für besonders irritierend, wenn ein führender WDR-Journalist eine Darstellung verbreite, die den Eindruck erwecken könne, geopolitische Entwicklungen würden durch ein konspiratives Netzwerk gesteuert.

Schotland richtet deshalb mehrere konkrete Fragen an den Sender. Unter anderem will er wissen, wie die Programmredaktion den Beitrag bewertet und ob er mit den journalistischen Standards und dem publizistischen Selbstverständnis des WDR vereinbar sei. Außerdem fragt er, welche Maßstäbe für WDR-Journalisten bei politischen Äußerungen in sozialen Medien gelten.

Schließlich verlangt das Rundfunkratsmitglied eine Antwort auf die Frage, ob eine solche Kommunikation geeignet sei, „das Vertrauen der Zuschauer und Beitragszahler in die Neutralität des WDR zu stärken“.

Der Vorgang reiht sich in eine bereits länger andauernde Debatte über Restles öffentliche Äußerungen ein. Kritiker werfen dem „Monitor“-Chef immer wieder vor, politische Bewertungen auf seinen privaten Social-Media-Kanälen nicht ausreichend von seiner journalistischen Funktion zu trennen. Restle selbst hat solche Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen und seine Beiträge als Ausdruck journalistischer beziehungsweise politischer Einordnung verteidigt.

Neben Schotland kommentierten viele weitere Nutzer auf X Restles Beitrag kritisch. Unter anderem fragte Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ob Fakten mittlerweile veraltet seien. Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Potsdam, Jan Jacobi, attestierte Restle, sollte er seinen Beitrag tatsächlich ernst meinen, „eine bedenkliche funktionelle kognitive Fehlleistung“ und fragte: „Was sagt der Rundfunkrat dazu?“

Unterstützung für Restle, Streit auf X

Auf X entwickelte sich unterdessen eine erregte Debatte. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler kommentierte Restles Beitrag mit den Worten: „Antisemitismus & Antiamerikanismus vom Feinsten. Dass sich ein Journalist des ÖRR nicht schämt, Verschwörungstheorien zu verbreiten, ist dabei der Gipfel.“

Daraufhin sprang der linke YouTuber Tilo Jung dem ARD-Journalisten zur Seite und forderte von Güler: „Das ist schamlos und niederträchtig. Entschuldige dich bei deinem WDR und insbesondere bei Georg Restle.“ Güler wiederum antworte: „Dass Du das nicht anders siehst, ist klar.“

Ob und wie die WDR-Programmdirektion auf die aktuelle Beschwerde reagiert, ist bislang offen.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.