Die Grünen geben Rekord-Summen für ihre Wahlkämpfe in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aus. Der Landtag in Magdeburg wird am 6. September, der in Schwerin am 20. September gewählt. Eine Stimme für die Partei sei eine Stimme gegen die jeweils in den Umfragen führende AfD und gegen eine Option für eine AfD-Alleinregierung, werben die Grünen.
Insbesondere in Sachsen-Anhalt könnte es AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gelingen, ausreichend Stimmen für eine Alleinregierung seiner Partei zu gewinnen. Auch Leif-Erik Holm von der AfD Mecklenburg-Vorpommern könnte dies gelingen, ein solcher Erfolg ist im Nordosten aber weniger wahrscheinlich als in Sachsen-Anhalt. Die Grünen dort werben dennoch: „Fünf Prozent Grüne im Landtag bedeutet null Prozent AfD-Regierung.“
Auch in Sachsen-Anhalt setzt die Partei auf diese taktische Überlegung. Aus der Zivilgesellschaft gebe es ein großes Bedürfnis danach, dass die Grünen sich als Kraft der AfD-Verhinderung positionieren, sagte jüngst Spitzenkandidatin Suse Sziborra-Seidlitz auf einer Wahlkampfveranstaltung in Dessau. „Darum dreht sich jetzt nun mal alles“, so die Grüne.
Ihre Partei kämpft in Sachsen-Anhalt wie in Mecklenburg-Vorpommern um den Wiedereinzug in die Landtage. Zuletzt flogen die Grünen in Brandenburg und Sachsen aus den Landesparlamenten. Umso üppiger sind nun die Wahlkampfkassen in den aktuellen Ost-Wahlkämpfen gefüllt.
In Sachsen-Anhalt verfügen die Grünen laut einem Sprecher über ein Wahlkampf-Budget von „rund 1,5 Millionen Euro“. Davon entfielen etwa 1,2 Millionen Euro auf den Landesverband und rund 300.000 Euro auf die Kreisverbände. Bei dieser Millionensumme handele es sich um „das bislang höchste Wahlkampf-Budget des Landesverbands“. Es sei mehr als doppelt so hoch wie der bisherige Höchststand. 40 Prozent davon stammten aus Spenden und diese wiederum fast ausschließlich von Privatpersonen. Das Spendenaufkommen sei deutlich höher im Vergleich zu früheren Landtagswahlkämpfen.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben Spenden die Wahlkampfkassen der Grünen gefüllt. „Ende 2025 hatten wir für den Landtagswahlkampf einen Haushalt von 350.000 Euro beschlossen. Inzwischen konnten wir ihn auf 800.000 Euro erhöhen und damit insgesamt mehr als verdoppeln“, so ein Sprecher.
Ermöglicht hätten das mehrere Faktoren, darunter „starke Spendenaufrufe unseres Bundesverbandes“ und Unterstützung durch andere Landes-, Kreis- und Ortsverbände, sagte der Sprecher. Eine Rolle habe zudem die Spendenkampagne „einpunktmehr“ eines Hamburger Unternehmers in Kooperation mit einem Baden-Württemberger Unternehmer gespielt. Sie verdoppeln Privatspenden an die Grünen. „Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September entscheidet sich eine Frage im Nachkommabereich: Schaffen die Grünen die fünf Prozent?“, heißt es auf der Kampagnenwebsite. Davon hänge ab, ob es „überhaupt eine demokratische Mehrheit ohne die AfD gibt“.
Von der AfD war am Montag nichts über deren Wahlkampf-Budgets zu erfahren. Die Generalsekretärin der CDU Mecklenburg-Vorpommern, Katy Hoffmeister, sagte WELT: „Das Budget liegt bei rund einer Million Euro. Es bewegt sich damit ungefähr in der Größenordnung des letztmaligen Budgets.“ Die CDU Sachsen-Anhalt, wo Spitzenkandidat Sven Schulze knapp 20 Prozentpunkte hinter der AfD liegt, möchte keine Auskunft geben.
Schwesig nutzt gleich hohes Budget wie 2021
Auch die SPD Sachsen-Anhalt, die in einer Umfrage bereits auf fünf Prozentpunkte abgestürzt ist, möchte keine Angaben über die „konkrete Höhe“ des Wahlkampf-Budgets machen. Ein Sprecher teilte aber mit: „Fest steht: Wir investieren in diesen Landtagswahlkampf deutlich mehr als 2021. Das ist Ausdruck der Bedeutung dieser Wahl für Sachsen-Anhalt.“ Auch bei den Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt liege das Spendenaufkommen über dem Niveau früherer Landtagswahlkämpfe.
Für die Nordost-SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dagegen teilte eine Sprecherin konkrete Zahlen mit. Dort liegt das Wahlkampf-Budget nicht über dem der vorangegangenen Landtagswahl 2021. „Das Wahlkampf-Budget liegt wie schon 2021 bei rund 1,1 Millionen Euro.“ Auch dort verzeichne man „aktuell eine höhere Spendenbereitschaft“.
Bemerkenswert: Das Wahlkampf-Budget der Partei, die in Mecklenburg-Vorpommern das Ministerpräsidentenamt besetzt, ist also geringer als das der Grünen in Sachsen-Anhalt, die dort um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen. Sachsen-Anhalt ist gemessen an der Zahl der Einwohner allerdings größer als Mecklenburg-Vorpommern.
Anders als die SPD setzen die Linkspartei wie die Grünen auf Rekord-Summen in den Ost-Landtagswahlkämpfen. Die Linke Mecklenburg-Vorpommern geht mit 600.000 Euro ins Rennen. Höher sei das Budget nie gewesen, teilte ein Sprecher mit. Auch dort heißt es: „Wir verzeichnen in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Wahlkampf ein überdurchschnittlich hohes Spendenaufkommen, diese kommen allesamt von Privatpersonen.“
Das Budget der Linken in Sachsen-Anhalt ist mit rund 562.000 Euro etwas geringer. „Im Vergleich mit den Landtagswahlkämpfen 2021 und 2016 handelt es sich um unser bislang höchstes Wahlkampf-Budget“, sagte ein Parteisprecher. Auch in Sachsen-Anhalt zeichne sich ein etwas höheres Spendenaufkommen als bei vergangenen Landtagswahlen ab. „Wir sehen darin vorsichtig auch einen Zusammenhang mit der gegenwärtig stärkeren politischen Aufmerksamkeit für Die Linke und unseren aktuellen Umfragewerten.“ Spenden machten aber nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an der Finanzierung des Wahlkampfes aus.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht in Sachsen-Anhalt – die Partei hat dort gerade erstmals in einer Umfrage die Fünf-Prozent-Hürde geknackt – äußerte sich auf WELT-Anfrage zunächst nicht. Für Mecklenburg-Vorpommern teilte ein Sprecher mit: „Der Bund stellt 480.000 Euro zur Verfügung, davon hat der Landesverband 180.000 Euro für eigene Maßnahmen.“ Es ist der erste Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern fürs BSW. Zumindest für Mecklenburg-Vorpommern erfuhr WELT: „Zusätzliche Spendeneinnahmen in relevanter Größe sind nicht zu verzeichnen.“
Jan Alexander Casper berichtet für WELT über die Grünen und gesellschaftspolitische Themen.
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