Ukrainische Drohnenpiloten haben bei einer Militärübung in Deutschland eine gepanzerte US-Brigade innerhalb kurzer Zeit kampfunfähig gemacht. Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Teilnehmer und informierte US-Regierungsvertreter berichtet, sollen die Ukrainer amerikanische Soldaten und Fahrzeuge mühelos aufgespürt haben. Das Übungsszenario habe mehrfach neu gestartet werden müssen, damit das Manöver fortgesetzt werden konnte.
An der Übung „Combined Resolve“ im April und Mai im bayerischen Hohenfels nahmen demnach rund 3500 amerikanische Soldaten teil, vor allem von der 3. Panzerbrigade der 1. Kavalleriedivision aus Fort Hood in Texas. Ihre Aufgabe habe darin bestanden, eine von Übungstruppen verteidigte Stellung anzugreifen. Diese seien von Soldaten des ukrainischen 412. Regiments für unbemannte Systeme, bekannt als „Nemesis“, unterstützt worden, berichtet „WSJ“.
Die US-Truppen rückten dem Bericht zufolge mit schweren gepanzerten Fahrzeugen vor, die große Staubwolken verursachten und dadurch für ukrainische Aufklärungsdrohnen leicht zu entdecken waren. Auf die Aufklärung folgten Drohnen, die Sprengsätze abwerfen, sowie sogenannte FPV-Drohnen, die im Krieg direkt in ihr Ziel gesteuert werden. Bei dem Manöver schwebten sie über den US-Fahrzeugen oder näherten sich ihnen so weit, dass Beobachter diese als „zerstört“ werteten. So sei eine US-Panzerbrigade von den Ukrainern ausgeschaltet worden.
Die ukrainischen Drohnenpiloten hätten die Fahrzeuge so schnell ausgeschaltet, dass die amerikanischen Einheiten nach Angaben eines US-Regierungsvertreters mehrfach erneut in das Übungsszenario geschickt werden mussten. Scharfe Munition wird bei solchen Manövern in der Regel nicht eingesetzt. Die US-Soldaten verfügten nach Angaben der Armee über die übliche Ausrüstung zur elektronischen Kampfführung und Drohnenabwehr.
US-Soldaten Ende April bei der Übung „Combined Resolve“ in HohenfelsIm Verlauf der zweiwöchigen Übung sollen sich die amerikanischen Kräfte angepasst haben. Sie verteilten und tarnten laut dem Bericht ihre Einheiten besser und setzten die elektronische Kampfführung wirksamer ein. Zur Hälfte des Manövers hätten die Ukrainer die Seite gewechselt und den US-Truppen geholfen, Drohnen selbst offensiv einzusetzen. Dabei hätten die Amerikaner deutlich bessere Ergebnisse erzielt, hieß es.
Die Defizite der US-Armee
Die Übung habe dennoch Defizite der US-Armee im modernen Drohnenkrieg offengelegt. Amerikanischen Drohnenpiloten fehle diese Erfahrung, berichtet das „Wall Street Journal“. „Es ist entscheidend, dass das US-Militär dies beherrscht, und bislang scheint das leider nicht der Fall zu sein“, sagte der Militärexperte Eliot Cohen vom Center for Strategic and International Studies der Zeitung.
Bereits bei früheren Nato-Manövern hatten ukrainische Drohnenteams westliche Verbände deutlich geschlagen. Bei der Übung „Hedgehog 2025“ im Baltikum setzte ein Team von etwa zehn Ukrainern zwei Nato-Bataillone an einem Tag außer Gefecht. Ein beobachtender Kommandeur soll angesichts der Ergebnisse gesagt haben: „Wir sind am Arsch.“ Im Frühjahr 2026 unterbrachen schwedische Streitkräfte ein Manöver dreimal, nachdem ukrainische Drohnenpiloten ihre Einheiten wiederholt überwunden hatten.
Auch auf See hatten ukrainische Drohnenexperten bereits Schwächen der Nato offengelegt. Bei der Übung „REPMUS/Dynamic Messenger 2025“ vor Portugal gewann ein von der Ukraine geführtes multinationales Team alle fünf Szenarien gegen die gegnerischen Nato-Seestreitkräfte.
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