Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen.
Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9455 Stimmen.
Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC von einer „glaubwürdigen Drohung“.
Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten.
Wie der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt.
Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“.
Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben.
Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner
Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey.
Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm.
Count Binface spricht am Wahltag zu JournalistenBritische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage.
Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten.
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