Politikwissenschaftler Peter Neumann hat nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle eine strategische Antwort Deutschlands auf Russlands hybride Kriegsführung gefordert. „Wir müssen uns bei dem Thema viel, viel systematischer aufstellen. Wir reden jetzt über Drohnenabwehr, weil gerade was mit einer Drohne passiert ist. Aber hybrider Krieg ist ja viel mehr als nur Drohnenkriegsführung“, sagte der Professor für Sicherheitsstudien am King's College London am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“.
Deutschland müsse kritische Infrastruktur besser schützen. „Wir müssen entscheiden, wer für was zuständig ist.“ BKA und Nachrichtendienste müssten „diese ganzen Finanzströme und Netzwerke aufdecken“.
Der entscheidende Satz Neumanns folgte dann: „Wir müssen uns überlegen, wie vergelten wir?“ Auf die Nachfrage Lanz’, was er damit genau meinte, antwortete Neumann: „Vergelten bedeutet, dass man Abschreckung wiederherstellt.“ Wenn eine Drohne am Leipziger Flughafen fast zur Explosion komme, „dann muss es darauf natürlich eine Antwort Deutschlands geben“.
Wie diese Antwort aussehen könne, fragte Lanz nach. Neumann dazu: Eine Antwort könne symbolischer Art sein. „Man kann sagen, wir schließen das Russische Haus oder wir weisen den Botschafter aus.“
Denkbar sei auch Substanzielleres: „Wir können sagen, wir machen jetzt verdeckte Operationen gegen Cybernetzwerke in Russland. Wir gehen aggressiver gegen die Schattenflotte vor. Wir machen Sanktionen.“ Deutschland müsse „im Prinzip zu jedem Zeitpunkt alle Optionen haben“. Zugleich mahnte er Augenmaß an: „Gar nicht zu reagieren, ist etwas, was Schwäche signalisiert.“ Direkt in eine Auseinandersetzung mit Russland einzusteigen, sei aber „wahrscheinlich zu viel“. „Also, es muss genau richtig balanciert sein.“
„Russland will Deutschland in die Knie zwingen“
Auch die jüngste Recherche des „Telegraph“ (der wie WELT zu Axel Springer gehört), wonach Russland entlang seiner Westgrenze seine Drohnenabschussrampen aufrüstet, kam in der Sendung zur Sprache. Die Deutschlandfunk-Journalistin Sabine Adler sagte, Drohneneinheiten würden gezielt an die Westgrenze Russlands und damit an die Ostgrenze der Nato verlegt. Die Botschaft laute: „Wir sind hier, wir haben euch im Blick und wir nehmen euch auch ins Visier.“
Hintergrund sei ein „Wettrüsten“, sagte Neumann. „Die Ukrainer haben dieses Jahr unglaublich viel Erfolg gehabt mit ihrem Drohnenkrieg gegen Russland.“ Moskau habe seine zunächst aus dem Iran übernommenen Shahed-Drohnen weiterentwickelt. Neuere Modelle würden von Turbojets aus chinesischer Produktion angetrieben, seien rund 3,5 Meter lang, flögen mit 450 bis 500 statt rund 200 Kilometern pro Stunde und seien für Luftabwehr und Radar schwerer zu erkennen. „Und da können Sie bis zu 90 Kilogramm Sprengstoff dranhängen. Also damit können Sie eine riesige Explosion verursachen.“
Adler ordnete das russische Vorgehen wie folgt ein: „Worum geht es Russland eigentlich? Russland geht es um die Unterstützung der Ukraine. Sie wollen Deutschland in die Knie zwingen.“
Die Verunsicherung ziele auch auf die anstehenden Landtagswahlen im Osten, betonte Adler. Auch die Attacken gegen das Baltikum und Polen sowie das Schleusen von Migranten über Belarus gehörten dazu: „Das sind ja alles Destabilisierungsversuche.“
Auf die Frage von Moderator Markus Lanz, ob die AfD Unterstützung aus Russland erfahre, sagte Adler: „Davon muss man ja ausgehen.“ Es gebe im Kreml geschriebene Konzepte für das Verhalten der Partei gegenüber Russland: „Diese Konzepte sind ja bekannt.“ Und sie warnte: „Würden wir die Ukraine nicht weiter unterstützen, dann stehen nicht nur die Drohnenabschussrampen an der Grenze, da kommt noch was ganz anderes auf uns zu.“
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