SPD-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach, hat Felix Lobrecht nach dessen scharfer Kritik zum Gespräch eingeladen. „Dann soll er gerne mal mit mir darüber reden“, sagte Krach am Freitag im Gespräch mit WELT TV. Der Comedian hatte dem 47-Jährigen zuvor vorgeworfen, die Hauptstadt „überhaupt nicht verstanden“ zu haben.
Ausgangspunkt der Debatte ist eine Äußerung Krachs zur Sicherheitslage im Berliner Nahverkehr. Im Podcast „Jung & Naiv“ mit Journalist Tilo Jung war der SPD-Spitzenkandidat nach den aus seiner Sicht gefährlichsten U-Bahn-Linien gefragt worden. Krach nannte die U7, U8 und U2. Zugleich sagte er: „Also soll ich dir mal sagen, ich spüre diese Gefahr nicht. Ich bin aber auch ein weißer Mann und heterosexuell.“
Krach verwies anschließend auf unterschiedliche Erfahrungen mit Unsicherheit im öffentlichen Nahverkehr. Frauen, queere Menschen sowie Muslime und Juden berichteten ihm, dass sie sich in bestimmten U-Bahnen nicht sicher fühlten.
Lobrecht wirft Krach fehlendes Berlin-Verständnis vor
Genau daran entzündete sich die Kritik von Felix Lobrecht. In seinem gemeinsam mit dem Comedy-Autor Tommi Schmitt betriebenen Podcast „Gemischtes Hack“ äußerte sich der Berliner Comedian ausführlich zu Krachs Auftritt bei „Jung & Naiv“. Zunächst beschrieb er Krach als „dynamischen und auf den ersten Blick nicht unsympathischen Typen“ – jedoch sei das „eben, wenn überhaupt, nur die halbe Miete“. Je länger er dem Politiker zugehört habe, desto größer sei jedoch sein Unverständnis geworden: „Ey Leute, was habt ihr euch denn bei dem schon wieder gedacht?“ Schließlich bezeichnete Lobrecht Krach als „Lappen“ und warf ihm vor, Berlin „überhaupt nicht verstanden“ zu haben.
Vor allem Krachs Aussage zur Sicherheit in der U-Bahn stieß bei Lobrecht auf Unverständnis. „Digga, also wenn du als Berliner Bürgermeister in spe wirklich glaubst, dass man als weißer heterosexueller Mann nicht auch gefährdet sein kann … wie weltfremd kann man denn sein?“, sagte er. Die Äußerung habe ihn so aufgebracht, dass er nach eigenen Angaben seinen Fernseher angeschrien habe.
Der 37-jährige Lobrecht wuchs in Neukölln auf und lebt heute in Kreuzberg. „Glaubst du, irgendwelche Arbeiter wollen hören, wie du dich als weißer Cis-Mann fühlst? Die wollen, dass die U-Bahn sicher ist – für alle!“, sagte der Comedian.
Krach verteidigt seine Aussage
Bei WELT TV wurde Krach mit Lobrechts Vorwurf konfrontiert. Krach wies zunächst die Darstellung zurück, er lebe erst seit zehn Jahren in Berlin. „Er hat ja auch gesagt, ich wohne seit zehn Jahren in Berlin. Ich wohne seit rund 25 Jahren in Berlin“, sagte der SPD-Politiker. An Lobrecht gerichtet, fügte er hinzu: „Dann soll er gerne mal mit mir darüber reden.“
Krach verteidigte seine ursprüngliche Aussage ausdrücklich. Seine persönliche Wahrnehmung der Sicherheit bedeute nicht, dass andere Berliner keiner Gefahr ausgesetzt seien. Vielmehr gebe es aus seiner Sicht unterschiedliche Gefährdungslagen, die auch benannt werden müssten.
„Aber da muss man sagen, es gibt Unterschiede“, sagte er. Als Beispiele nannte er Frauen, jüdische Menschen, Muslime und queere Menschen. „Da gibt es klare Statistiken zu“, sagte der SPD-Kandidat. Diese Unterschiede anzusprechen, hält Krach ausdrücklich für legitim.
Seine ursprüngliche Aussage sei deshalb nicht als allgemeine Entwarnung für Männer zu verstehen. Er wolle sich „um alle, die hier in Berlin sich Sorgen machen um die Sicherheit“, kümmern. Krach betonte vielmehr, dass es „eher gefährdete Menschen und weniger gefährdete Menschen“ gebe. Das müsse aus seiner Sicht auch benannt werden.
Dennoch gebe es aus seiner Sicht „klare Fakten“ zu den unterschiedlichen Gefährdungslagen, sagte Krach. „Und ich finde, solche Wahrheiten (…) sollte man dann auch ganz klar kommunizieren.“
Schwierige Ausgangslage für die SPD
Krach will für die Sozialdemokraten bei der Wahl am 20. September den amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ablösen. Der gebürtige Hannoveraner lebt nach eigenen Angaben seit rund 25 Jahren in Berlin und war bereits als Wissenschaftsstaatssekretär im Berliner Senat tätig. Seit 2021 ist er Regionspräsident der Region Hannover. Für die Berliner SPD tritt er nun als Spitzenkandidat an.
Die Ausgangslage für die SPD ist allerdings schwierig. In den Umfragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl liegt sie deutlich hinter CDU und AfD. Je nach Institut bewegen sich die Sozialdemokraten derzeit im Bereich von etwa zwölf bis 15 Prozent. Damit ist offen, ob Krach mit seiner Partei überhaupt eine realistische Chance auf die Führung einer Regierungskoalition hat.
Auch bundesweit steht die SPD unter Druck. In der jüngsten Allensbach-Erhebung kommt sie auf 13 Prozent und liegt damit gleichauf mit den Grünen. Die AfD erreicht 27,5 Prozent und liegt damit erstmals fünf Prozentpunkte vor CDU und CSU, die auf 22,5 Prozent kommen.
Bürgermeister Wegner tritt nicht mehr an. CDU-Spitzenkandidat ist Stefan Evers. Dieser hatte in einem Interview von negativen Erfahrungen als schwuler Mann in Berlin berichtet. „Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Solange das so sei, dürfe man „im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.