Der Richtungsstreit im Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) spitzt sich seit Monaten immer weiter zu. Einer der 15 Mitglieder der Thüringer BSW-Landtagsfraktion, Matthias Herzog, hat am Montag seinen Austritt aus der Wagenknecht-Partei verkündet. Zuerst berichtete die „Thüringer Allgemeine“.
Die Entscheidung sei eine „Summe von Entwicklungen“, sagt Herzog WELT. „Seit Sommer 2025 spüre ich eine wachsende Distanz zu den Strukturen der Partei: strenge Mitgliederaufnahme, schlechte Kommunikation untereinander, Ämterhäufung.“ Er empfinde eine „dauerhafte innere Zerrissenheit und Distanz“ zur Partei. Die Positionen des BSW hätten sich über die Zeit immer weiter verändert. Dies könne er nicht mehr mittragen. „Ich kann nicht glaubwürdig Mitglied einer Partei sein, wenn ich mich ständig öffentlich distanzieren muss.“
Die Partei habe sich verändert. „Ohne Sahra Wagenknecht wäre ich wahrscheinlich nie in die Politik gegangen“, so Herzog. „Aber wir beurteilen politische Entwicklungen mittlerweile gänzlich anders.“
Der 53-jährige Herzog war vor seiner Zeit im BSW als Unternehmer tätig. Der Erfurter war etwa von 2020 bis 2024 Geschäftsführer des Basketball-Klubs XXL Baskets Erfurt.
Das BSW streitet derzeit heftig über seinen Kurs. Der Bundesvorstand um Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sowie Parteigründerin Sahra Wagenknecht drängen die Thüringer Landtagsfraktion um BSW-Landeschefin und Vize-Ministerpräsidentin Katja Wolf zu einem Bruch der „Brombeer“-Koalition mit CDU und SPD. Wolf spricht hingegen vom „Thüringer Weg“.
Erst vergangenen Freitag jedoch bekannte sich das Landes-BSW zu Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) anlässlich eines Misstrauensvotums der AfD. Die Koalition verfügt über keine eigene Mehrheit und ist auf Zusammenarbeit mit der oppositionellen Linken angewiesen.
Insbesondere die zunehmende Annäherung Wagenknechts an die AfD stößt vielen Thüringer Parteifreunden auf. So signalisierte die BSW‑Bundesspitze, in Sachsen-Anhalt dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gegebenenfalls den Weg ins Amt des Ministerpräsidenten zu ermöglichen. Wolf sagte, Wagenknecht habe damit „eine Grenze überschritten“. Die Parteispitze in Sachsen-Anhalt wiederum forderte am Freitag in WELT von Wolf, ihr Mandat niederzulegen.
Herzog betont, grundsätzlich einen anderen Umgang mit der AfD zu befürworten. „Ich werde einen Antrag nicht per se für falsch erklären, nur weil er von der AfD kommt. Wir orientieren uns nach Sachfragen“, sagt er. Das gelte so auch in seiner Thüringer Landtagsfraktion. „Aber eine politische Zusammenarbeit ist etwas anderes und für mich nicht tragbar. Wenn wir in Sachsen-Anhalt bewusst dazu beitragen, dass die AfD in Regierungsverantwortung kommt, ist für mich eine Grenze überschritten“, so Herzog zu WELT.
Sein Landtagsmandat wolle er behalten und auch weiterhin Teil der BSW-Landtagsfraktion bleiben. An der „Brombeer“-Koalition solle sich nichts ändern. „Ich stehe zur Regierungskoalition und Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit mit CDU und SPD“, so Herzog. Daran werde sich auch durch seinen Austritt nichts ändern. „Unseren ‚Thüringer Weg‘ verteidige ich.“
Politikredakteur Kevin Culina berichtet für WELT über die Linkspartei und das Bündnis Sahra Wagenknecht.
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