Die Khadija-Moschee in Berlin-Pankow wird bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September erneut als Wahllokal genutzt. In einem Konferenzraum auf dem Gelände der Moschee sollen Wahlberechtigte ihre Stimmen abgeben. Bereits bei der Europawahl 2024 war dort ein Wahllokal eingerichtet worden.
Die Moschee gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat, die nach eigener Darstellung für einen friedlichen Islam und den interreligiösen Dialog eintritt. Imam Scharjil Khalid sagte am Wochenende bei einer Pressebegegnung, die Moschee sei seines Wissens die einzige Moschee in Berlin, die bei der Wahl als Wahllokal dient.
Khalid rief die Parteien dazu auf, die mehr als 400.000 Muslime in Berlin als Wählergruppe ernst zu nehmen und um ihre Stimmen zu werben. „Die Politik muss Muslime als Verbündete betrachten, nicht als Gegner“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Imam. Der Kampf gegen Islamismus könne nur gemeinsam mit Moscheegemeinden und muslimischen Verbänden erfolgreich geführt werden.
Muslimische Wahlberechtigte in Berlin seien häufig jung und parteipolitisch nicht festgelegt, sagte Khalid. Nach einer von ihm angeführten Umfrage des Instituts Insa liegen SPD, Linke und CDU in dieser Wählergruppe mit jeweils mehr als 20 Prozent vorn. Die AfD erreicht demnach elf Prozent und damit etwas mehr als die Grünen (8 Prozent). Nähere Angaben zur Zahl der Befragten und zur statistischen Fehlertoleranz wurden nicht genannt.
Dass Muslime die AfD wählen oder dies erwägen, ist für Khalid kein Randphänomen mehr. So kenne „jeder Muslim einen anderen, der die AfD wählt oder sich zumindest mit dem Gedanken trägt, dies zu tun“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Die historische Bindung muslimischer Wähler an Parteien links der Mitte werde schwächer, ihr Wahlverhalten volatiler.
Khalid erklärte den Zuspruch zur AfD damit, dass die Partei zwischen in Deutschland lebenden Migranten und neu Zugewanderten unterscheide. Dadurch werde manchen Menschen eine Abgrenzung ermöglicht: Sie sähen sich selbst nicht als Ziel der politischen Angriffe, sondern bezögen diese auf andere Gruppen. Khalid bezeichnete diese Strategie als „perfide und zynisch“.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ist mit deutschlandweit rund 53.000 Mitgliedern eine der kleinsten muslimischen Organisationen.
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