BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat eigene Fehler in der Anfangszeit des Bündnis Sahra Wagenknecht eingeräumt. „Wer eine neue Partei auf den Weg bringt, macht Fehler“, sagte sie im Interview mit dem Nachrichtenportal t-online. Sie nannte dabei die sehr restriktive Mitgliederaufnahme sowie die Regierungsbeteiligungen.

„Wir hatten die Vorstellung, dass wir so vermeiden können, was jungen Parteien immer wieder passiert: dass Glücksritter und Karrieristen, die nur an Geld und Mandaten interessiert sind, eine Partei überrennen, und dass es dann schnell zu Streitereien und Machtkämpfen kommt“, erklärte sie. Doch zu glauben, man könnte das völlig verhindern, sei eine Illusion gewesen. „Wir haben stattdessen vielen ehrlichen Unterstützern viel zu lange die Mitgliedschaft verweigert.“

Als einen weiteren Fehler bewertet sie, dass das BSW zu schnell in Regierungen gegangen sei. „Wir hätten damals wissen müssen, dass eine so junge Partei nicht in eine Regierung gehen sollte“, sagte sie. „Einer so jungen Partei fehlt die Erfahrung, sie kann daher von den anderen im Haifischbecken der Politik verspeist werden.“

Wagenknecht schloss zudem aus, dass das BSW nach der Wahl in Sachsen-Anhalt selbst Minister stellen würde, wenn sie in den Landtag gewählt wird. Die Frage, ob sich das BSW in einem möglichen dritten Wahlgang enthalten und damit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund mit einfacher Mehrheit ins Amt des Ministerpräsidenten verhelfen könnte, bezeichnete Wagenknecht als „Phantomdebatte“. Siegmund habe angekündigt, dass er nur mit absoluter Mehrheit regieren wolle. Da dies aber „sehr unwahrscheinlich“ sei, würde das bedeuten, dass die CDU im Amt bliebe. „Das wäre eine Verhöhnung der Wählerinnen und Wähler“, so Wagenknecht. „Nur wenn das BSW einzieht, wird es Mehrheiten jenseits der Altparteien geben.“

Wagenknecht bezeichnet Kommunikation mit Thüringer BSW als „oft einseitig“

Der Darstellung der Thüringer BSW-Chefin Katja Wolf, es habe seit anderthalb Jahren keinen Kontakt und keine Kontaktversuche zwischen den beiden gegeben, widerspricht Wagenknecht hingegen. „Das stimmt nicht“, sagte Wagenknecht dem Online-Portal. „Leider war die Kommunikation oft einseitig.“ Sie habe in den „letzten Jahren und auch aktuell immer wieder versucht“, mit Wolf zu sprechen.

Sie wünsche sich, dass das BSW Thüringen dem CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt die Unterstützung entziehe. Der sei durch eine KI-Affäre und Plagiate diskreditiert. „Herrn Voigt wurde der Doktortitel aberkannt. Das war früher auch in der CDU ein Rücktrittsgrund“, so Wagenknecht.

Katja Wolf hatte bei „Markus Lanz“ gesagt, das letzte persönliche Gespräch zwischen den beiden habe vor rund eineinhalb Jahren stattgefunden. Würde Wagenknecht sie anrufen, würde sie aber rangehen – und andersherum hoffentlich auch, so Wolf.

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