Die Kölner Staatsanwaltschaft stuft den Vorfall an einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen als Anschlag ein und ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Zudem werde ein Zusammenhang mit einem ähnlichen Vorfall in Brandenburg vom Dienstag geprüft, teilten die Behörden am Mittwoch in Köln mit.

Man nehme den Vorfall „äußerst ernst“, da durch die Abschaltung von Kraftwerksblöcken die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung bedroht gewesen sei, sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer. Man ermittle wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage und der Störung öffentlicher Betriebe. „Wir stufen die Tat als Anschlag auf die kritische Infrastruktur ein“, sagte Michael Esser vom Polizeipräsidium Köln. „Natürlich prüfen wir auch die Zusammenhänge zu den jüngsten Taten in Brandenburg.“

Nach Angaben der Polizei hatten Unbekannte am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr in einem Umspannwerk im Ortsteil Rheydt einen Kurzschluss verursacht. Dazu sei vermutlich ein Draht über eine Hochspannungsleitung geworfen und an einem Zaun befestigt worden, was zu einer Erdung führte. „Der Draht, der vermutlich darüber gezogen worden ist, ist verglüht und hat auch den Zaun beschädigt“, erläuterte Esser. In der Folge wurden die Kraftwerke in Niederaußem und Neurath technisch abgeschaltet. Die Energieversorgung sei jedoch sicher und die Netze stabil geblieben, sagte Esser. Es habe keine nennenswerten Stromausfälle gegeben.

Im Zuge der Ermittlungen in NRW fanden die Beamten in einem angrenzenden Maisfeld sechs Abschussvorrichtungen. „Es ist davon auszugehen, dass die Vorrichtungen so gebaut waren, dass pyrotechnische Gegenstände vermutlich einen Draht in die Höhe transportieren konnten“, erklärte Esser.

In Brandenburg am Kraftwerk Jänschwalde hatte es am Dienstagmorgen einen ähnlichen Anschlag gegeben. Nach ersten Ermittlungen gebe es in beiden Fällen vergleichbare Hinweise, sagte Kriminaldirektor Esser. So seien in beiden Fällen offenbar pyrotechnische Gegenstände gefunden worden. Da es denkbar sei, dass sie bereits vor längerer Zeit unbemerkt auf das Feld gebracht worden seien, hoffe man nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Ein Video in den sozialen Medien zeigt den Kurzschluss am Dienstagabend

Den Ermittlern zufolge sollen Abschussvorrichtungen auch auf mögliche DNA-Spuren hin ausgewertet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine konkreten Täterhinweise, so Esser.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) fand deutliche Worte für den Angriff auf die Oberleitungen. „Wer da ran geht, greift unser Land an“, sagte er. Reul zufolge ⁠könne es sich bei der Tat um „fremdstaatliche Sabotage“ oder das Werk von Linksextremisten handeln. Beides sei nicht auszuschließen, sagte Reul am Mittwoch in Düsseldorf. „Jetzt muss ermittelt werden“, betonte er. „Das war Absicht, das war eine Straftat“, ⁠sagte Reul ​weiter.

Amprion: Stromversorgung nicht betroffen

Die Polizei war dem Sprecher zufolge am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk gerufen worden. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen. Zu einem Ausfall der allgemeinen Stromversorgung kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden. Sehen Sie hier dazu ein Statement von Mariella Raulf, der Sprecherin des Netzbetreibers „Amprion“.

Das Werk gehört zum Energieversorger Amprion, der den Vorfall bestätigte. „Im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen im Rheinland ist es am Dienstagabend zu einem Vorfall gekommen, der Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen hatte“, hieß es am frühen Morgen. In der Folge sei es zu Anlagenausfällen bei der RWE Power gekommen.

Das Unternehmen mit Sitz in Dortmund betonte: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.“ Experten von Amprion arbeiteten mit den zuständigen Sicherheitsbehörden daran, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären und die Auswirkungen zu bewerten.

In den vergangenen Monaten gab es weitere Vorfälle an der Strominfrastruktur. So zündeten im Januar mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an.

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