Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) fordert eine internationale Aufsicht für besonders leistungsfähige KI-Systeme nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Zugleich spricht er sich für mehr KI-Bildung an Schulen aus und kritisiert eine aus seiner Sicht überbordende Detailregulierung der Wirtschaft durch die Europäische Union. Das sagte Wildberger im Interview mit dem Pro-Newsletter „Technologie & KI“ des Nachrichtenmagazins „Politico“ (gehört wie WELT zur Axel Springer SE).

Mit Blick auf die rasanten Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und jüngste Vorfälle mit autonomen KI-Agenten sieht Wildberger wachsenden Handlungsbedarf. Zuletzt hatten in mehreren Fällen autonome KI‑Agenten bei der Suche nach Software-Schwachstellen ihre Testumgebung verlassen und eigenmächtig Cyberangriffe durchgeführt. Die Risiken seien „real“, sagte der Minister. Deshalb brauche es eine internationale Zusammenarbeit, um immer autonomere Systeme sicher zu machen.

Als Vorbild nennt Wildberger die Internationale Atomenergiebehörde. Eine künftige KI-Aufsicht müsse zwar anders organisiert sein, da sich KI-Modelle deutlich schneller weiterentwickelten als Nukleartechnologien. Das Grundprinzip einer internationalen Kontrollinstanz sei aber ein „hervorragender Startpunkt“. Dauerhaft lasse sich die Entwicklung leistungsfähiger KI nur gemeinsam mit den USA und China kontrollieren.

Daneben fordert Wildberger verpflichtende Meldepflichten für sicherheitsrelevante KI-Vorfälle. Es dürfe nicht allein den Unternehmen überlassen bleiben, ob entsprechende Ereignisse öffentlich werden. Hintergrund ist die Debatte darüber, wie Zwischenfälle mit autonomen KI-Agenten regulatorisch erfasst werden sollen. Noch könne die Entwicklung beherrscht werden, betonte der Minister: „Die gute Nachricht ist: Wir sind noch in der Kontrolle.“

Lob für KI-Unterricht an Schulen

Neben der Regulierung sieht Wildberger die Bildung als entscheidenden Baustein für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Er begrüßte deshalb die Pläne Hessens, ein eigenes Schulfach zu KI und digitaler Welt einzuführen. Junge Menschen müssten frühzeitig lernen, mit neuen Technologien, sozialen Medien und KI-Anwendungen umzugehen, sagte der Minister. Das Vorhaben sei „ein ganz wichtiger Weg“.

Zugleich warnte Wildberger vor einer übermäßigen Abhängigkeit von KI-Anwendungen. Wer die Technologie so häufig nutze, „dass ich es ohne doch nicht mehr mache“, gebe einen Teil seiner Eigenständigkeit auf. „Das ist ein schleichender Prozess“, sagte der Minister. Deshalb komme es nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern auch auf einen bewussten und angemessenen Umgang mit der Technologie an. „Wie alles im Leben, ist das auch eine Frage der Dosierung.“

Kritik an Brüsseler Detailvorgaben

Scharfe Kritik übte Wildberger an Teilen der europäischen Regulierungspolitik. Die EU konzentriere sich zu häufig auf detaillierte Vorgaben für Unternehmen, statt lediglich die grundlegenden Rahmenbedingungen festzulegen. „Die Realität ist, dass wir auf der EU-Ebene zu viele Dinge regulieren, wo man sich eher nur den Rahmen setzt und sich im Detail heraushält“, sagte der Minister.

Als Beispiel nannte Wildberger die neue europäische Verpackungsverordnung. Das Ziel, Verpackungsmüll zu reduzieren, stelle er nicht infrage. „Natürlich müssen wir Müll vermeiden, doch wenn ich 80 Prozent der Unternehmen, die gerade einmal für drei Prozent des Verpackungsmülls stehen, bis ins kleinste Detail vorschreiben will, wie sie zu arbeiten haben, hissen die Betriebe die weiße Fahne“, so Wildberger. „Dann können sie aufgrund der vielen Auflagen nicht mehr mit europäischen Ländern handeln. So etwas funktioniert in der operativen Praxis schlichtweg nicht“, sagte er. Zentral ist aus Sicht des Ministers, ob sich die Vorgaben in der Praxis umsetzen lassen: „Das ist hier die entscheidende Frage.“

Die Wettbewerbsfähigkeit Europas werde zwar auch in Brüssel inzwischen stärker diskutiert. „Ich würde mir wünschen, dass sich das noch viel stärker auswirkt. Hören wir doch mal auf das Handwerk, hören wir mal auf die Unternehmen, wo Arbeitsplätze entstehen. Hören wir doch mal den Menschen zu im Land, die sagen: Ich komme da nicht mehr mit.“

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