In wenigen Tagen endet Annalena Baerbocks Amtszeit als Präsidentin der UN‑Generalversammlung. Die frühere deutsche Außenministerin plant, sich danach aus der Politik zurückzuziehen und ein neues Kapitel in New York zu beginnen. „Es ist für mich wirklich auch so ein bisschen: So, und jetzt bin ich ein Privatmensch“, sagte die Grünen-Politikerin in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Künftig wird die 45-Jährige an der Columbia University lehren. „Ich bin jetzt ganz froh, auch mal eine Auszeit zu nehmen“, sagte sie.

Zum Abschluss ihres Mandats zog Baerbock die Bilanz eines von Krisen und geopolitischen Spannungen geprägten Jahres. „Die Vereinten Nationen und das internationale Recht werden regelrecht angegriffen. Und damit war das ein sehr turbulentes Jahr“, sagte sie. Gleichzeitig warnte sie vor einer schleichenden Schwächung bestehender Strukturen: „Große Systeme wie die UN, die sterben nicht mit einem lauten Knall, sondern die zerfallen leise in sich zusammen.“

Trotz der Konflikte zeigte sich Baerbock gelassen. Wer Verantwortung in solchen Zeiten übernehme, müsse Widerstände aushalten können. „Man darf keine Angst vor Gegenwind haben, sonst sind in solch stürmischen Zeiten diese Ämter nichts für einen“, sagte sie.

Zuvor hatte Baerbock auch in einem Interview mit der „Zeit“ Bilanz gezogen. Dabei äußerte sich die Grünen-Politikerin auch zu den Anfeindungen, die sie während ihrer politischen Laufbahn erlebt hat. „In diesen durch Social Media getriebenen Zeiten hat nicht nur jeder sofort zu allem eine Meinung, Algorithmen sind auch so programmiert, dass Hass und Hetze deutlich besser klicken“, sagte sie der „Zeit“. Das treffe Männer und Frauen gleichermaßen. „Aber die Kombi prominent, meinungsstark und feminin triggert offensichtlich manche ganz besonders – egal in welchem Bereich.“

Dennoch bezeichnete Baerbock ihre Zeit an der Spitze des Auswärtigen Amts als wertvolle Vorbereitung: Das Ministeramt sei die „beste Vorbereitung für das UN-Amt“ gewesen, sagte die Grünen-Politikerin der dpa.

In ihrer Zeit als Kanzlerkandidatin „hat es sich mal so angefühlt wie durch die Hölle zu gehen“, sagt sie heute. Baerbock sah sich damals Anfeindungen ausgesetzt, machte aber unter anderem auch mit Korrekturen am eigenen Lebenslauf und einem Buch wegen Textähnlichkeiten zu anderen Werken Negativ-Schlagzeilen.

Mit Blick auf internationale Verhandlungen und Machtpolitik fügte sie hinzu: „Ich glaube, ich verstehe ziemlich gut diese maskulinen Powergames.“

Während ihrer Amtszeit geriet Baerbock mehrfach mit den Vetomächten Russland und USA aneinander. Beide Staaten kritisierten unter anderem ihre Bemühungen um mehr Offenheit bei der Suche nach einem künftigen UN‑Generalsekretär. Die Grünen-Politikerin hatte dazu wiederholt erklärt, sich für ein „transparentes, inklusives, strukturiertes, rechtzeitiges und glaubwürdiges“ Auswahlverfahren einzusetzen.

Belastend war für sie nach eigenen Worten auch das Scheitern der deutschen Kandidatur für einen Sitz im UN‑Sicherheitsrat. „Natürlich hat das geschmerzt“, sagte Baerbock der dpa. Zugleich warnte sie davor, Deutschlands Rolle in internationalen Organisationen zu schwächen. „Unser Markenkern war lange unsere wirtschaftliche Stärke, Exzellenz à la Made in Germany, aber auch unser finanzielles Einbringen in internationale Organisationen und Entwicklungszusammenarbeit. Und wenn wir damit aufhören, dann sind wir sehr bald nur noch einer von vielen.“

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