Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst, wie aus den auf der Webseite der Landeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kommt auf 43,8 Prozent der Stimmen vor den Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent.

Dennoch: Die AfD kann ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl verdoppeln (2021: 20,8 Prozent). Es ist zudem das beste Ergebnis, das die Partei je bei einer Landtagswahl erzielt hat. Die bisherige Bestmarke hatte sie 2024 in Thüringen mit 32,8 Prozent aufgestellt.

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Die CDU halbiert ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl – 2021 hatte sie noch 37,1 Prozent geholt. Mit dem nun eingefahrenen Ergebnis unterbietet die CDU noch einmal das historisch schlechteste Wahlergebnis der Partei bei einer Landtagswahl in diesem Bundesland. 1998 kam die CDU dort auf 22,0 Prozent.

Die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (r.), in der Mitte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt auch die Linke Stimmen ein, die SPD bleibt einstellig. Die Grünen fahren ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde – Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste lange zittern, zieht aber nun erstmals in den Landtag in Magdeburg ein.

Die Linke verliert demnach leicht und kommt auf 8,6 Prozent (11 Prozent). Die SPD kann sich mit 9,3 Prozent (8,4 Prozent) auf niedrigem Niveau verbessern. Die Grünen klettern auf 8,9 Prozent (5,9 Prozent). Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis für ihre Partei. Die Zahlen seien ​für die Grünen „toll, aber auch besorgniserregend“.

Die FDP fliegt mit 2,6 Prozent (6,4) aus dem Parlament – sie war zuletzt bundesweit noch in sechs der 16 Landesparlamente vertreten. Das BSW hingegen bekommt 5,3 Prozent und schafft knapp den Einzug in den Landtag.

Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent (2021: 60,3) – der höchste Wert in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Knapp 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte in der ARD: „Wir haben das geschafft, was wir schaffen wollten. Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben. Es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen eine politische Wende. Das Ergebnis spricht eine tolle Sprache.“

Schulze sagte auf der Wahlparty der CDU in Magdeburg sichtlich betroffen: „Ich hätte mir in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht.“ Er gratulierte dem Wahlsieger AfD und fügte hinzu: „Wir werden als CDU mit dem Ergebnis umgehen müssen.“ Des Weiteren zeigte er sich abgekämpft: „So einen Wahlkampf, wie wir ihn hier erlebt haben, gab es vorher noch nicht.“

Weil die AfD die absolute Mehrheit knapp verpasst hat, wäre sie auf einen koalitionswilligen Partner angewiesen – das BSW hat bereits Bereitschaft signalisiert. Siegmund sagte in der ARD aber: „Was wir in der Politik brauchen, ist Vertrauen. Ich werde allen Kräften die Hand reichen, die einen Politikwechsel erreichen wollen.“ Es werde keine „Verbiegerei“ geben. Die Hand bleibe immer ausgestreckt bei den Themen, etwa Migration und innere Sicherheit.

Parteichefin Alice Weidel sprach im ZDF von einem „klaren Regierungsauftrag“. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde – „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“.

Die Wahl galt weit über Sachsen-Anhalt hinaus als Test für die Bundesregierung. In zwei Wochen wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich am Vortag selbstkritisch gezeigt. „Ich gebe zu, angesichts der Umfrageergebnisse und der zu befürchtenden Wahlergebnisse hat das, was wir bisher getan haben, nicht ausgereicht“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung. Mit Blick auf die AfD sagte er: „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen.“

Der neue Landtag muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten, also am 6. Oktober. Mit diesem Tag enden die Amtszeiten von Schulze und seinen Ministern; die Verfassung verpflichtet sie, die Geschäfte weiterzuführen, bis Nachfolger übernehmen. Eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten gibt es nicht – wohl aber Fristen für weitere Wahlgänge, sollte der erste scheitern.

Alles zur Landtagswahl lesen Sie hier:

  • Alle Ergebnisse und Grafiken der Landtagswahl im Überblick
  • So falsch lagen die Umfrageinstitute bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl
  • „Sachsen-Anhalt ist überall“: Kommentar von WELT-Kolumnist Harald Martenstein
  • Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt auch ein paar Medien ab: Don Alphonso zur Landtagswahl

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