Sie stand im Wahlkreisbüro, sorgte im Wahlkampf für Aufsehen – und soll nun Geld bringen: Hans-Thomas Tillschneider versteigert eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift „Russische Armee“ bei Ebay. Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion bietet das Stück auf seinem Account „raritaetenhans“ an.

Auf X bewirbt Tillschneider die Auktion mit einem Foto von der AfD-Wahlparty in Sachsen-Anhalt, auf dem neben ihm und dem Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah auch die Tasse zu sehen ist. Sein Kommentar: „Die gefährlichste Tasse Deutschlands wird versteigert!“ Das Höchstgebot liegt bislang bei mehr als 150 Euro, die Auktion läuft noch neun Tage.

Tillschneider hatte die Tasse nach eigenen Angaben 2023 oder 2024 von einer Russland-Reise mitgebracht. „Bild“-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer entdeckte sie bei einem Besuch in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt und fragte ihn, warum dort eine Tasse der russischen Armee stehe. Tillschneiders Antwort: „Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollt’ sie jetzt nicht wegtun.“

Auf den Hinweis, dass es sich um das Symbol der Armee handelt, die die Ukraine überfallen hat und gegen die Deutschland sich wegen hybride Einflussnahme zur Wehr setzt, blieb Tillschneider demonstrativ gelassen. „Ich verbinde damit nichts Besonderes. Es ist eine Tasse, die mir hier geschenkt wurde, die hier rumsteht“, sagte er. Und: „Es ist nicht unser Krieg.“

Die Russlandnähe der AfD sorgt weiterhin für Sorgen in der Bundespolitik. Am Montag sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt: „2500 Kilometer von hier im Osten gibt es besonders große Freude über das Wahlergebnis – und das ist keine Überraschung. Insofern wissen wir, mit wem wir es hier zu tun haben.“ Er lasse sich aber nicht von seiner Grundüberzeugung abbringen, „dass wir unsere Freiheit gerade jetzt auch gegen Russland verteidigen müssen“. Tillschneider gilt als möglicher Kandidat für ein Kabinett von AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD versucht, Kritik in Aufmerksamkeit umzuwandeln. Eine „Spiegel“-Ausgabe mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf dem Titel wurde zum beliebten Mitbringsel auf AfD‑Wahlkampfveranstaltungen. Viele Anhänger ließen sich eine Ausgabe des Hamburger Magazins von Siegmund signieren. Diese Ausgaben werden bei Ebay für teilweise deutlich mehr als 100 Euro angeboten.

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