Der Bundeskanzler hat ihn angezählt – doch Sepp Müller geht in die Offensive: Unions-Fraktionsvize Müller will nach der Wahlschlappe seiner Partei bei der Landtagswahl CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden und dabei eine klare Linie der Abgrenzung gegen rechts und links verfolgen. „Ich kandidiere als Landesvorsitzender“, sagte Müller nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Magdeburg. Der 37-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

„Glaubwürdigkeit beginnt dort, wo Prinzipientreue anfängt“, sagte er. Man werde die Demokratie in der Mitte verteidigen, sagte Müller. „Es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Linken geben, und es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten geben“, betonte er. „Wer zu allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.“

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Die CDU müsse Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, betonte er. Müller möchte die Partei breiter aufstellen. Er wolle mehr Frauen, mehr kommunale Vertreter, mehr „Wir“ in der CDU. „Es muss alles neu.“ Man werde alles daransetzen, nach dieser schweren Niederlage wieder Wähler mit Glaubwürdigkeit zu überzeugen, „weil wir unsere Heimat lieben, weil wir unser Vaterland lieben“.

„Deswegen bin ich Sven Schulze und dem Landesvorstand dankbar, dass er sich auf den Weg gemacht hat, einen Neuanfang für unsere Landespartei zu ermöglichen“, sagte er.

Zuvor hatte Ministerpräsident und Noch-CDU-Landeschef Sven Schulze angekündigt, dass es im Herbst eine Neuwahl des Landesvorstands geben wird. Diese solle Ende November oder Anfang Dezember erfolgen, so Schulze. Auf Nachfragen von Journalisten, ob er erneut für den Vorsitz kandidieren wolle, sagte Schulze: „Es ist im Moment nicht mein Plan.“

Der 47-Jährige hatte die Christdemokraten als Spitzenkandidat in die Landtagswahl geführt. Seine Partei stürzte bei der Wahl von 37,1 Prozent im Jahr 2021 auf 17,2 Prozent ab. Die CDU-Landtagsfraktion schrumpfte von 40 auf 15 Abgeordnete.

„In den Rücken gefallen“ – Merz kritisiert Müller

Nur wenige Stunden vor seiner Ankündigung, für den Landesvorsitz zu kandidieren, war Müller von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) öffentlich gerügt worden. Ohne Müller namentlich zu nennen, sagte Merz bei einer Pressekonferenz in Berlin, er habe in den Parteigremien darauf hingewiesen, „dass es niemand von uns verstanden hat, dass wenige Tage vor dem Wahltermin ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt, wie das drei Tage vor der Wahl bis zum gestrigen Tag anhaltend geschehen ist“.

Müller hatte wenige Tage vor der Wahl im „Berlin Playbook“-Podcast von „Politico“ gesagt, sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann habe AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund einen Regierungsbildungsauftrag. Das sahen zwar einige ähnlich bei den Christdemokraten, empfanden viele in der Hochphase des Wahlkampfs jedoch als Störfeuer.

Außerdem warnte Müller in der Vergangenheit immer wieder eindringlich vor einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei.

Müller weist Merz-Kritik zurück

Auf die Nachfrage von Journalisten, was er zur Kritik von Merz sage, betonte Müller: „Ich teile die Äußerung unseres Bundesvorsitzenden nicht, und vor allem teilt es die breite Mehrheit unserer Landespartei nicht.“ Zugleich betonte Müller, dass er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag seinen Beitrag bei den anstehenden Reformen leisten wolle, „und hier hat Friedrich Merz meine volle Unterstützung“.

Schulze bestätigte auf Nachfrage, dass Müllers Äußerung vor der Wahl auch in der Sitzung des Landesvorstands thematisiert worden sei. Man könne unterschiedlicher Meinung sein, aber man müsse die Themen intern lösen, sagte Schulze. Näher wollte er nicht darauf eingehen.

Schulze ist seit 2021 Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt und war zuletzt im November 2025 auf einem Landesparteitag wiedergewählt worden. Nachdem sich der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Januar 2026 zurückgezogen hatte, übernahm der bisherige Wirtschaftsminister Schulze als Regierungschef.

Müller und die Linkspartei

Sepp Müller gehört dem Bundestag seit 2017 an. Auch vier Jahre später hatte er das Direktmandat im Wahlkreis Dessau-Wittenberg geholt. 34,3 Prozent der Wähler stimmten damals für den gelernten Bankkaufmann aus Gräfenhainichen – das war das beste Erststimmenergebnis der CDU im Osten. Danach stieg er zum Fraktionsvize der Union auf.

Müller und Schulze gelten in der CDU nicht als besonders gute Parteifreunde. Über den Vorstoß Müllers vor der Wahl waren viele in der CDU verstimmt. Sich kurz vor der Wahl so zu äußern, gehe gar nicht, hieß es. Doch Müller treibt die Sorge um, was mit der CDU geschieht, wenn sie weiter nach links rückt.

Sepp Müller hat die DDR nicht mehr bewusst erlebt. Doch er blickt sehr kritisch auf die Linkspartei, die aus der SED hervorging. Bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags 2025, die Alterspräsident Gregor Gysi (Linke) leitete, hielt er demonstrativ das Buch „Die Täter sind unter uns“ während dessen Rede nach oben.

Müller liest in „Die Täter sind unter uns“ von Historiker Hubertus Knabe

Müller zeigte sich im Sommer 2025 unzufrieden mit der eigenen Arbeit in der schwarz-roten Regierungskoalition. Er verwies etwa auf die schwierige Lage im Osten. „Die Einsicht, dass wir als bürgerliche Mitte auseinanderfallen, wenn wir weitermachen wie bisher – diese Erkenntnis ist im Osten schon fünf Jahre weiter.“

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