Die Spitzenkandidierenden der Berliner Parteien haben sich vor der Abgeordnetenhauswahl in der Hauptstadt unterschiedlich zum Religionsunterricht an Schulen positioniert. Während sich die Kandidaten der CDU und SPD am Dienstagabend auf einer von den Kirchen veranstalteten Podiumsdiskussion für eine Stärkung des Religionsunterrichts aussprachen, hielten Grüne und Linke am bisherigen Berliner Modell eines rein freiwilligen Religionsunterrichts fest.
Zu dem ökumenischen Forum hatten der evangelische Bischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch eingeladen. Es stand unter dem Titel „Berlin wählt! Die Kirchen laden ein“.
Der CDU-Kandidat, Finanz- und Kultursenator Stefan Evers, sagte, er bevorzuge das brandenburgische Modell. Dort wird das sogenannte Fach L-E-R (Lebensgestaltung-Ethik-Religion) unterrichtet. Davon können Schüler sich aber abmelden, wenn sie dafür an einem Religionsunterricht teilnehmen. In Berlin ist Religion kein ordentliches Unterrichtsfach, ab der 7. Klasse ist Ethik Pflicht. Evers sagte, er begrüße auch einen islamischen Religionsunterricht.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklärte, Religion könne einen wichtigen Beitrag für Dialog leisten. Er zeigte sich offen dafür, den Religionsunterricht wieder zu stärken. „In der Situation, in der wir uns befinden, brauchen wir starke Kirchen“, sagte er.
Werner Graf (Grüne) argumentierte, es sei nicht der Zeitpunkt, eine „komplette Debatte“ über Religionsunterricht zu führen. Er sprach sich dafür aus, den freiwilligen Unterricht zu stärken, etwa, dass dieser nicht zu Randzeiten stattfinde. Auch Linken-Kandidatin Elif Eralp verlangte verbesserte Bedingungen für die bisherige Form des Unterrichts.
AfD wird nicht auf Kirchenpodium eingeladen
Die AfD wurde Angaben der Veranstalter zufolge nicht eingeladen, da sie Werte der Kirche wie Nächstenliebe und ein demokratisches, kooperatives Miteinander nicht vertrete. In Berlin wird am 20. September gewählt.
Dem aktuellen „Berlin Trend“ des Instituts Infratest Dimap im Auftrag des RBB zufolge ist der Wahlausgang offen wie noch nie: Gleich vier Parteien könnten stärkste Kraft werden. Die CDU kommt in der Umfrage auf 21 Prozent, gefolgt von der Linkspartei mit 19 Prozent. Die AfD und die Grünen liegen jeweils bei 18 Prozent. Die SPD steht bei 11 Prozent, das BSW und die FDP liegen unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.
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