Der Scheich kommt – und Berlin macht dicht: Anwohner müssen in der deutschen Hauptstadt wegen eines Staatsbesuchs noch bis zum Freitag mit Einschränkungen und Absperrungen rechnen. Denn Mohammed Bin Zayed, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, hat die höchste Sicherheitsstufe. Wie lokale Medien („Berliner Zeitung“, „B.Z.“) schreiben, mussten dafür sogar die Obdachlosen im Regierungsviertel weichen. Unter einer Brücke campierten zahlreiche Wohnungslose, teils in Zelten und anderen Behausungen. Seit dieser Woche sind sie verschwunden.

Wörtlich heißt es dazu in der „B.Z.“ (gehört wie WELT zu Axel Springer): „Matratzen, Zelte und verstreute Kleidung prägten bislang das Bild unter der Brücke am Spreebogen. Seit Juli wohnt (Bundespräsident Frank-Walter) Steinmeier während der Sanierung von Schloss Bellevue in einem Neubau nahe des Kanzleramts. Weil dort kein Park für offizielle Zeremonien zur Verfügung steht, finden Empfänge mit militärischen Ehren nun auf einer angrenzenden Straße statt – mit direktem Blick auf das Lager der Obdachlosen.“ Kurz vor dem Empfang des Scheichs durch den Bundespräsidenten (am heutigen Donnerstag) habe die Polizei den Bereich geräumt, anschließend kam dem Medienbericht zufolge auch die Stadtreinigung.

Mohammed Bin Zayed (r.) beim offiziellen Empfang durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundesregierung hofft auf Investitionen in Milliardenhöhe

Allerdings, so wird von Behördenseite betont, habe es zuvor keine dementsprechende Anweisung gegeben. Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne) wird in der Zeitung mit den Worten zitiert: „Die Räumung war kein protokollarischer Wunsch des Bundespräsidialamtes.“ Im Fokus stehe allein die Sicherheit, schreibt die „B.Z.“ weiter: „Das Camp galt als unübersichtlich, mögliche Verstecke für Waffen oder Sprengsätze seien nicht auszuschließen.“

Auf Anfrage hin äußerte sich auch das Büro des Bundespräsidenten und bestätigte: „Sobald wir eine Sicherheitszone, zum Beispiel wegen eines Staatsbanketts oder militärischer Ehren, haben, setzt sich die Polizei mit der Liegenschaft auseinander und guckt, ob irgendwelche Gefahrenherde je nach Gefahrenstufe bestehen“.

Die höchste Gefahrenstufe dürfte bei dem 65‑Jährigen – sein Privatvermögen wird auf umgerechnet 30 Milliarden Euro geschätzt – gegeben sein. Es ist zudem der erste Staatsbesuch eines Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Deutschland überhaupt. Einquartiert ist Bin Zayed in einem Charlottenburger Nobel-Hotel, auch dort müssen die Anwohner in den kommenden Tagen mit Straßensperrungen rechnen.

Neben dem deutschen Bundespräsidenten wird der Präsident während seines mehrtägigen Besuchs auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundeskanzler Friedrich Merz treffen. Für den Donnerstagabend ist ein Staatsbankett vorgesehen, am Freitag reist der prominente Gast weiter nach München.

Besprochen werden sollen bei dem Staatsbesuch wirtschafts-, außen- und sicherheitspolitische Themen. Dazu kommen Pläne für ein umfassendes Kooperationsabkommen, das auch den Ausbau von Rechenzentren einschließen würde. Die Bundesregierung hofft auf Investitionen in Milliardenhöhe für die deutsche Wirtschaft.

Die Staatsministerin im Außenministerium der VAE, Lana Nusseibeh, hatte im Gespräch mit WELT bereits angekündigt, während des Staatsbesuchs würden „voraussichtlich 40 bis 45 Vereinbarungen zwischen Regierungen und Unternehmen unterzeichnet – mit Investitionen in Milliardenhöhe in die deutsche Wirtschaft und umgekehrt Chancen für deutsche Unternehmen in den Emiraten“.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.