Vor der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 20. September sieht eine ZDF-Umfrage derzeit die Linke auf Platz eins, knapp vor der CDU. Die Partei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp kommt in der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf 23 Prozent, die Christdemokraten mit ihrem Frontmann Stefan Evers stehen zwei Prozentpunkte dahinter bei 21 Prozent.

Drittstärkste Kraft wäre die AfD mit 17 Prozent, dicht gefolgt von den Grünen mit 16 Prozent. Die Sozialdemokraten stehen bei 10 Prozent. Allerdings wurden die Daten von Montag bis Donnerstag erhoben – also teils vor Bekanntwerden der Ermittlungen gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach am Mittwoch.

Das BSW liegt in der Umfrage mit drei Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die übrigen Parteien kommen zusammen auf 10 Prozent, wobei jede von ihnen unter drei Prozent liegt.

Umfrage im Überblick

  • Linke: 23 Prozent
  • CDU: 21 Prozent
  • AfD: 17 Prozent
  • Grüne: 16 Prozent
  • SPD: 10 Prozent
  • BSW: 3 Prozent
  • Sonstige: 10 Prozent

Bei einem solchen Ergebnis hätte der amtierende schwarz-rote Senat keine Mehrheit mehr. Rechnerisch möglich wäre aber etwa ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD oder eines aus CDU, Grünen und SPD.

Inhaltlich wirkt eine Koalition aus Linkspartei, Grünen und SPD auf den ersten Blick wahrscheinlicher. Doch bei mindestens zwei Themen könnte eine Einigung schwierig werden.

Zum einen gibt es weiterhin eine emotional geführte Diskussion über das Thema Enteignungen. Die Linke will große Immobilienkonzerne vergesellschaften, wie sie es nennt, und verweist dabei auf einen entsprechenden erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021. Während die Grünen, die in den Umfragen bei Werten zwischen 15 und 18 Prozent liegen, das ähnlich sehen, lehnt die SPD derart drastische Maßnahmen ab.

Zum anderen polarisiert das Thema Antisemitismus, das in Berlin vor allem seit dem Überfall der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Militäroffensive Israels im Gazastreifen die Gemüter erhitzt. Vor allem der Linken-Bezirksverband Neukölln fiel diesbezüglich immer wieder auf – zuletzt mit einem Konzert bei einem Wahlkampftermin, bei dem auf der Bühne zu Gewalt gegen Israel aufgerufen wurde.

Sowohl die Grünen als auch die SPD reagierten hier wie schon zuvor mit heftiger Kritik – und stellten die Regierungseignung der Linken infrage. Zumindest in der SPD gibt es mittlerweile Politiker, die sich nach Vorfällen wie diesen öffentlich für eine Koalition mit der CDU aussprechen – etwa Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Anders ist die Lage bei den Grünen. Dort steht Spitzenkandidat Werner Graf einem Bündnis mit der Linken aufgeschlossen gegenüber, schließt eine Koalition mit der CDU aber ausdrücklich nicht aus.

Enges Rennen zeichnet sich seit Monaten ab

In Umfragen zur Berlin-Wahl liegen seit Monaten die drei bis vier stärksten Parteien vergleichsweise nah beieinander. Eine am Donnerstag veröffentlichte Infratest-dimap-Umfrage für die ARD sieht die Linke mit 21 Prozent knapp vor der CDU mit 20 Prozent, die AfD steht bei 18 Prozent, die Grünen liegen bei 16 Prozent. Das Institut Insa sah vor einer Woche dagegen die CDU knapp vorn mit 20 Prozent vor der Linken (19 Prozent) und der AfD (18 Prozent), Grüne und SPD standen dort beide bei 15 Prozent.

Bei der Frage, welchen der drei Spitzenkandidaten von CDU, Linke und Grünen die Wähler am liebsten im Roten Rathaus sähen, gibt es ebenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen. CDU-Mann Stefan Evers kommt in der ZDF-Umfrage auf 25 Prozent, die Linke Elif Eralp auf 23 Prozent. Nur neun Prozent sprechen sich für Werner Graf von den Grünen aus.

Eralp profitiert dabei einerseits von einem bundesweiten Hoch der Linken, andererseits spricht sie verschiedene Berliner Wählergruppen an – als Frau, Mietenaktivistin und Migrantin. Vor allem ihre türkischen Wurzeln und die Fluchterfahrung ihrer Familie thematisiert Eralp im Wahlkampf immer wieder. 

Die CDU geht mit Finanz- und Kultursenator Stefan Evers an der Spitze in die Wahl. Der 46-Jährige übernahm erst zehn Wochen vor der Wahl die Spitzenkandidatur, nachdem der Regierende Bürgermeister Wegner angekündigt hatte, wegen einer Affäre um falsche Angaben zur Krisenkommunikation nach einem großen Stromausfall im Januar nicht erneut zu kandidieren.

Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

Die Forschungsgruppe Wahlen hatte für die Umfrage 1100 Menschen befragt. Sie gibt die Fehlertoleranz bei einem Anteilswert von 40 Prozent mit plus/minus drei Prozentpunkten an, bei einem Anteilswert von zehn Prozent sind es plus/minus zwei Punkte. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ.

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