Die jemenitische Huthi-Miliz hat nach Angaben eines örtlichen Regierungsvertreters eine Insel in der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen und damit die Kontrolle über die wichtige Schifffahrtsstraße übernommen. Boote mit bewaffneten Huthi-Kämpfern hätten die auch unter dem Namen Perim bekannte Insel Mayyun erreicht, erklärte der Regierungsvertreter am Freitag. Am Vortag hatten sich demnach Regierungstruppen von dort zurückgezogen.

Ein Augenzeuge berichtete, bewaffnete Männer würden „entlang der Küste von Bab al-Mandab Posten beziehen und mit Militärfahrzeugen umherfahren“.

Die Meerenge von Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch Teheran im Zuge des Iran-Kriegs hat Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Die Insel Perim teilt die Meerenge in zwei Schifffahrtsrouten.

Der Nationale Verteidigungsrat der jemenitischen Regierung verurteilte außerdem die Angriffe der Miliz auf Saudi-Arabien. Auf Bedrohungen werde es eine Reaktion geben, teilte der Verteidigungsrat in einer Stellungnahme mit, die am Freitag veröffentlicht wurde, aber auf Donnerstag datiert war. Eine Militäroperation der jemenitischen Streitkräfte werde sich nicht auf eine einzelne Front beschränken.

Saudi-Arabien führt eine Militärkoalition an, die die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Huthi unterstützt. Das Königreich setzt seit Jahren eine Luft- und Seeblockade der von den Huthi kontrollierten Teile des Jemens durch. Der Konflikt zwischen den beiden Kriegsparteien ist zuletzt wieder aufgeflammt. Auch innerhalb des Jemens gibt es Gefechte. Der seit 2022 geltenden, ohnehin fragilen Waffenruhe droht der Zusammenbruch.

Eine Rückkehr zu umfassenden Kämpfen hätte weitreichende Folgen für die rund 40 Millionen Menschen im Jemen, dem ärmsten Land der arabischen Welt. In dem Konflikt wurden nach Einschätzung der Vereinten Nationen rund 150.000 Menschen getötet, viele weitere gerieten an den Rand einer Hungersnot.

Der Bürgerkrieg im Jemen begann 2014 mit der Einnahme Sanaas und großer Teile des Nordens durch die Huthi. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition griff im folgenden Jahr zugunsten der international anerkannten Regierung in den Krieg ein.

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