Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen die Berliner Unternehmerin Ilona W. erhoben. Über mehrere Jahre soll die Deutsch-Ukrainerin als Informantin für den russischen Geheimdienst in Berlin aktiv gewesen sein, heißt es in einer Mitteilung. Die heute 57-Jährige galt als bestens vernetzt und hatte Zugang zu zahlreichen Spitzenpolitikern.
Wie die Behörde am Montag mitteilte, wurde die Anklage bereits am 7. September vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin erhoben. Ilona W. sei „hinreichend verdächtig, für einen Geheimdienst einer fremden Macht tätig gewesen zu sein“.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft betrieb Ilona W. in Berlin eine Marketingagentur und war Vorsitzende eines Lobbyvereins. Dadurch besaß sie in politischen, diplomatischen und militärischen Kreisen zahlreiche Kontakte. Ilona W. wurde am 21. Januar 2026 vom Bundeskriminalamt festgenommen und befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.
Spätestens seit Oktober 2023 habe sie Kontakt zu einem hauptamtlichen Geheimdienstmitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin unterhalten, heißt es weiter. Diesen soll sie über Jahre hinweg mit Informationen über hochrangige Veranstaltungen versorgt und ihm teilweise unter falschem Namen Zugang zu entsprechenden Treffen ermöglicht haben. Ziel sei es gewesen, dem Geheimdienstmitarbeiter zu ermöglichen, „für nachrichtendienstliche Zwecke ein eigenes Netzwerk aufzubauen“.
Nach Recherchen des „Spiegel“ soll es sich bei diesem Kontaktmann um einen als Vizeattaché getarnten Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU handeln.
Als Beleg für die Nähe von Ilona W. zu Spitzenpolitikern berichtete die „Bild“-Zeitung unter anderem, wie die Unternehmerin beim Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im Dezember 2025 nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj saß. Ein Foto zeigt die Frau mit auffällig rot gefärbtem Kurzhaarschnitt und grellgrünem Blazer. Nach Angaben der „Bild“ beobachtete die deutsche Spionageabwehr die Frau allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits.
Der Sicherheitsexperte Peter Neumann wertete die Szene zudem als Beleg dafür, „wie weit sie in die Berliner Blase vorgedrungen ist und wie einfach es für sie war, Teil des engsten Kreises der Berliner Politik zu sein“, wird er von der „Bild-Zeitung“ zitiert. Ilona W. soll bei dieser Veranstaltung auch Aufnahmen angefertigt haben. Dass sie hinter Merz gesessen habe, bedeute allerdings nicht, dass sie mit ihm gesprochen oder ihn beeinflusst habe.
Die Bundesanwaltschaft wirft Ilona W. darüber hinaus vor, selbst Veranstaltungen besucht zu haben, um Kontakte und mögliche Zielpersonen für den russischen Agenten zu identifizieren. Außerdem habe sie versucht, Personen aus dem Bundesministerium der Verteidigung sowie aus der Rüstungsindustrie für die Zwecke ihres Kontaktmannes zu gewinnen. Zudem habe sie sich „im Auftrag ihres Kontaktmannes“ um Informationen zur deutschen Verteidigungspolitik und Rüstungsindustrie bemüht.
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