Der Islam-Experte und Psychologe Ahmad Mansour warnt vor einer Regierung unter Führung der Linken in Berlin. Im Gespräch mit Bild-Vize Paul Ronzheimer bezeichnete er die Spitzenkandidatin Elif Eralp als „wütend“ und „kompromisslos“.
„Ich habe sie persönlich als sehr wütend erlebt, als kompromisslos. Als jemand, die keinem Konflikt aus dem Weg geht, sondern versucht, ihre Haltung, ihre Ideologie durchzusetzen“, sagte er im Podcast „Ronzheimer“.
Mansour bezog sich mit dieser Aussage auf die gemeinsame Zeit in der Berliner Enquete-Kommission zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Linken-Politikerin Eralp habe, so seine Einschätzung, stets versucht, ihre Haltung und Ideologie „irgendwie durchzusetzen“. Dies habe er ein Jahr lang beobachtet – bis die Kommission dann im Juni 2026 daran gescheitert sei, dass zwischen CDU und den anderen Parteien kein Kompromiss gefunden worden sei, wie Mansour berichtete. Ziel seien Konzepte gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit gewesen.
Formal endete die Arbeit der Kommission mit einem Bericht. CDU, SPD, Grüne und „Linke“ konnten sich nicht auf gemeinsame Forderungen oder politische Empfehlungen einigen. Der Abschlussbericht enthält getrennte Stellungnahmen der Fraktionen.
Seiner Ansicht nach habe Eralp damals eine „identitätspolitische Ideologie, eine sehr linke Ideologie“ verfolgt, die Politikerin sei insbesondere in Richtung CDU nicht zu Kompromissen bereit gewesen. Daran sei letztlich auch die Kommission gescheitert. „Ich habe sie als Politikerin erlebt, die sehr emotional und wütend ist und auch so argumentiert“, erinnert sich Mansour. Antisemitismus in Äußerungen oder Statements habe er bei ihr jedoch nicht bemerkt.
Allerdings habe Eralp die Definition von Antisemitismus der „International Holocaust Remembrance Alliance“ (IHRA) abgelehnt. (Anmerkung d. Red.: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“)
Eralp argumentiere aus „postkolonialer Sichtweise“, habe Antisemitismus und Rassismus gleichgestellt und sei wenig bereit gewesen, „die Argumente von jüdischen Mitgliedern irgendwie zuzulassen, als sie ihrer Partei vorwarfen, dass sie Antisemitismus duldet oder vor allem israelbezogenen Antisemitismus verbreitet“, berichtete Mansour weiter.
Mansour sagte, er verstehe auf die Partei „Die Linke“ bezogen nicht, warum überhaupt noch darüber diskutiert werde, ob diese ein Antisemitismus-Problem habe: „Es handelt sich nicht mehr um Einzelpersonen, sondern um ein strukturelles Problem, vor allem für neue Kräfte, die diese Partei, meiner Meinung nach, unterwandert haben.“ Einmal von „migrantischen Personen, die mit einer antiisraelischen, aber vor allem antisemitischen Haltung“ in der Partei eingetreten seien. Dies habe sich auf Bundesebene bei Beschlüssen gezeigt, aber auch bei Diskussionen auf Parteitagen. Zum anderen hätten sich „Identitätspolitik und postkoloniales Gedankengut“ in der Partei breitgemacht: „Deshalb ist das Problem enorm groß.“
„Das macht mir Angst“
Die Nähe zwischen „Linken“-Politikern und dem Clan-Milieu, deren Vertreter bei der Wahlparty auftraten, sei kein Zufall. „Das macht mir Angst, dass Bundestagsabgeordnete keine Distanz zu kriminellen Clans pflegen, sondern im Gegenteil, zusammenarbeiten.“
Schon während früherer Regierungsbeteiligungen der „Linken“ seien Debatten über Clankriminalität oft als Angriff auf die migrantische Community verstanden worden, kritisiert Mansour.
Viele Clanmitglieder hätten sich bei pro-palästinensischen Demonstrationen engagiert, was eine Zusammenarbeit im Wahlkampf ermöglicht habe. Kontakte zwischen Angehörigen des Remmo-Clans und Politikern der „Linken“ seien nach seiner Darstellung „kein Einzelfall“, bestünden „nicht seit gestern Abend, sondern schon etwas länger“.
Bei Issa Remmo handle es sich um einen Clan-Chef, der in Verdacht stehe, mit illegalen Mitteln sein Geld zu verdienen, genauso wie seine Familie: „Dieser Drang wird irgendwann sein, die Macht, die er hat, auch politisch zu nutzen.“ Dies sei überall zu beobachten, etwa bei der Mafia. Er sehe in der Linken „wahrscheinlich mutmaßlich eine Partei, die ihm irgendwie hilft, seine Geschäfte weitermachen zu können oder ihn zu schützen“, sagte Mansour, und eine, die seiner politischen Haltung zum Nahen Osten Ausdruck verleihe. Mit einer Distanzierung, wie sie Eralp es nach Auftreten von Remmo formuliert hatte, sei das Problem nicht aus der Welt.
Auf der Wahlparty der Linken in Berlin sorgt die Anwesenheit umstrittener Gäste für Kritik. Neben dem Berliner Clan-Chef Issa Remmo war auch der pro-palästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim auf der Veranstaltung.Auf die Frage Ronzheimers
Mansour befürchtet, dass mit einer Regierung der „Linken“ Maßnahmen gegen Clan-kriminalität häufiger als rassistische Angriffe auf migrantische Milieus bewertet werden könnten: „Sie werden Angriffe auf die Clans nicht als rechtsstaatliche Maßnahmen bewerten, sondern als rassistische Angriffe auf migrantische Milieus“, warnte er. Er habe mit vielen Polizisten gesprochen, die Angst hätten, in einer solchen Regierung ihre Arbeit zu machen, „weil sie sehr schnell als rassistisch diffamiert werden“, sagte er weiter.
Die Debatte über Antisemitismus und mögliche Verbindungen ins Clan-Milieu begleitet den Berliner Wahlsieg der Linken seit dem Wahlabend. Auslöser waren Berichte der WELT über die Anwesenheit des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo auf einer Wahlparty der „Linken“ in Neukölln sowie über die Teilnahme des pro-palästinensischen Aktivisten Ibrahim Ibrahim, dem Verbindungen zur Terrororganisation PFLP nachgesagt werden. Die Linke distanzierte sich von dem Remmo-Besuch und erklärte, der Clan-Chef sei nicht eingeladen gewesen.
Hinzu kamen später veröffentlichte Chatnachrichten zwischen dem inzwischen zurückgetretenen „Linken“-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und Firas Remmo. Der Sohn von Clan-Chef Issa Remmo hatte die Screenshots veröffentlicht. Nach heftiger Kritik legte Koçak seine Parlamentsfunktionen nieder. „Ferat Koçak hat uns mitgeteilt, dass er sich bis auf Weiteres, bis volle Transparenz hergestellt ist, zurückziehen wird“, sagte Linken-Ko-Fraktionschef Sören Pellmann am Dienstag.
Auf die Frage Ronzheimers, warum Firas Remmo solche Screenshots veröffentliche – denn dies könne kaum im Sinne Koçaks sein – stellte Mansour eine Vermutung an: „Ich glaube, dass sie jetzt das Gefühl haben, ihre Ziele erreicht zu haben. Der Sohn wollte einfach zeigen: ‚Eure Distanzierung ist mir egal. Ich zeige euch jetzt, wie viel ich für Euch getan habe. Und ich erwarte von euch, respektvoll mit mir umzugehen.’“ Für den Linken-Abgeordneten (Koçak) sei dies ein Supergau, zeige aber die Realität: „Diese Realität sollten wir ernst nehmen, wenn es darum geht, die Linke zu bewerten.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.