Rund neun Monate, nachdem er mit der Annexion Grönlands drohte, sogar einen Militäreinsatz ins Spiel brachte und die Nato vor eine Zerreißprobe stellte, gibt sich Donald Trump versöhnlich: „Das ist wunderbar für Europa und für die Vereinigten Staaten, für alle und für Grönland“, sagte der US-Präsident in New York bei der Unterzeichnung des Deals über die Zukunft der Arktisinsel.

„Die Menschen in Dänemark waren fantastisch, und deshalb bin ich mir sicher, dass dies eine langfristige, fantastische Beziehung werden wird“, ergänzte Trump in Richtung von Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen. Und dann fügte er noch hinzu: Über „viele Jahrzehnte“ hätten andere US-Präsidenten über Grönland gesprochen und solch einen Deal machen wollen, es aber nicht geschafft.

Der letzte Satz verdeutlicht, worum es Trump vor allem geht: Ein innenpolitisches Manöver vor den Midterm-Wahlen Anfang November. Angesichts seines historisch schlechten Beliebtheitswertes und seinem ungelösten Krieg gegen den Iran, der die Spritpreise weiter hochtreibt, braucht der Präsident dringend eine Erfolgsmeldung. Auch wenn sich hinter dem Deal in Wahrheit viel Symbolpolitik verbirgt.

In New York wurden die Dokumente unterschrieben

So gibt es nicht nur im großen politischen Rahmen keine Änderung — Grönland bleibt selbstverwalteter Bestandteil des Königreichs Dänemark und wird nicht, wie ursprünglich von Trump gefordert, US-amerikanisch — sondern auch im Kleingedruckten ändert sich wenig: Seit 1951 besteht bereits ein Verteidigungsabkommen, das den USA eine weitreichende und dauerhafte militärische Präsenz auf Grönland zusichert. Während der Präsident nun feiert, dass die USA dank des Deals „zwei sehr große Militärstützpunkte“ auf der Arktisinsel errichten würden, dürfte es sich in Wirklichkeit vielmehr um die Reaktivierung alter Basen handeln, welche zuvor geschlossen worden waren. Während des Kalten Kriegs waren die USA mit 17 Stützpunkten auf der Insel vertreten, zuletzt war es nur noch eine.

Trump spricht dennoch von einem großen Erfolg. Das Abkommen gewähre „den Vereinigten Staaten die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange auf diesem Gebiet“, sagte er, kurz vor der Unterzeichnung, während seiner Rede vor der UN-Generalversammlung. „Wir werden uneingeschränkt in der Lage sein, alles Notwendige zu tun, um den amerikanischen Kontinent, aber auch Europa und andere Regionen zu verteidigen“, fügte Trump hinzu.

Ohne Genehmigung der USA dürften Gegner der USA keine militärische Präsenz auf Grönland aufbauen und keine „sensiblen Investitionen“ tätigen – auch dies galt schon zuvor als praktisch ausgeschlossen. Über die Nato und das bilaterale Verteidigungsabkommen haben die USA bereits großen Einfluss auf die militärische Nutzung der Insel, und auch wirtschaftliche Investitionen aus Ländern wie China hat die grönländische Regierung in der Vergangenheit auf Druck der USA mehrfach verhindert.

Erleichterung in Europa

Auf der europäischen Seite herrscht somit nach der Unterzeichnung vor allem Erleichterung. Trumps Annexionspläne hatten in Dänemark höchste Alarmstufe ausgelöst; zu Jahresbeginn entsandte Kopenhagen sogar Truppen nach Grönland, um es im Ernstfall militärisch gegen eine US-Invasion zu verteidigen. Nachdem die USA Anfang Januar überraschend in Venezuela eingefallen waren und Präsident Nicolás Maduro gestürzt hatten, fürchtete man in hohen europäischen Politik- und Militär-Kreisen, dass sich Trump zu einer weiteren solchen Hauruckaktion entschließen könnte. Damit wäre auch das für die Abschreckung Russlands so wichtige Nato-Verteidigungsbündnis im Handumdrehen zerschlagen.

Auch im Kanzleramt reagiert man dementsprechend mit großem Aufatmen: „Dass die Verhandlungen der letzten Monate zu einer einvernehmlichen Lösung in Einklang mit internationalem Recht geführt haben, ist eine gute Nachricht“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem Statement. „Es stärkt unsere transatlantische Partnerschaft in der Nato und trägt zur Sicherheit im Hohen Norden bei.“

Der neue Vertrag ist, anders als sein Vorgänger, auf unbegrenzte Zeit angelegt. Doch für die Europäer dürfte vor allem die Hoffnung zählen, dass man Trump nun auch längerfristig von seinen Annexionsfantasien abgebracht hat und die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten auf andere drängende Themen wie die Schaffung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine lenken kann.

„Vor 75 Jahren haben wir ein Abkommen über die Verteidigung Grönlands geschlossen“, sagte Dänemarks Frederiksen bei der Vertragszeremonie bei den Vereinten Nationen. „Heute unterzeichnen wir ein noch umfassenderes und besseres Abkommen – ein Abkommen, das für immer Bestand haben kann.“

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