Während eines mehr als neunmonatigen Einsatzes des US-Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“ haben acht Soldaten der US-Marine versucht, sich das Leben zu nehmen. Das geht aus einem Schreiben des amtierenden Marine-Staatssekretärs Hung Cao an die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand hervor.

„Während dieses Einsatzes hat es an Bord keine Suizide gegeben“, schrieb Cao in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorlag und über das zuvor der Sender CNN berichtet hatte.

Die acht – dann eingeräumten – Suizidversuche betrafen den Angaben zufolge die gesamte Flugzeugträgertruppe mit rund 6000 Soldaten, darunter die Besatzung des Flugzeugträgers, Begleitpersonal, Besatzungen von Zerstörern und Soldaten der eingeschifften Fliegerstaffeln. Die Truppe war mehr als 260 Tage ununterbrochen auf See und unterstützte den US-Einsatz im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran.

Marine verweist auf psychologische Betreuung

Cao reagierte mit seinem Schreiben auf Fragen Gillibrands zu den Lebensbedingungen an Bord. Demnach waren ein Psychologe, ein klinischer Sozialarbeiter, ein Berater, drei Fachkräfte für psychische Gesundheit und ein Therapiehund mit dem Flugzeugträger im Einsatz.

Cao zufolge gab es ausreichend Lebensmittel. Wegen eingeschränkter Nachschubmöglichkeiten sei die Auswahl der Mahlzeiten zeitweise reduziert worden, täglich seien jedoch vier ausgewogene Mahlzeiten ausgegeben worden. Zudem habe es Verzögerungen bei Nachschublieferungen und zeitweise Probleme mit Rohrleitungen und Entsalzungsanlagen gegeben.

Senatorin Gillibrand kritisierte die Regierung und erklärte, die von Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth als „Fake News“ abgetanen Berichte über die Bedingungen hätten sich als ernsthafte und sich verschlechternde Zustände erwiesen.

Experten zufolge sind acht Versuche in einer Gruppe von 6000 Marinesoldaten über einen Zeitraum von zehn Monaten tatsächlich eine niedrige Zahl. Die Marine meldete 2024 insgesamt 356 Suizidversuche in ihren Reihen, während es unter allen aktiven Soldaten in diesem Jahr mehr als 1500 Versuche gab, wie aus dem jüngsten Jahresbericht hervorgeht.

Harold Kudler, ehemaliger nationaler Leiter für psychiatrische Dienste im US-Veteranenministerium und pensionierter Psychiater des Ministeriums, ordnete die Zahlen ebenfalls kritisch ein. Die gemeldeten Versuche seien kein besonders guter Maßstab für die Bedingungen auf der „Lincoln“ und den sie unterstützenden Zerstörern, insbesondere da keine weiteren Einzelheiten vorlägen.

„Irgendetwas ist passiert, das diese Familien beunruhigt hat. Irgendetwas ist passiert, das Sorgen um die Gesundheit und das Wohlergehen dieser Soldaten ausgelöst hat“, sagte Kudler mit Bezug auf Medienberichte, in denen Soldaten und ihre Familien zu Wort kamen. „Das hat im gesamten Militär Widerhall gefunden und im ganzen Land für Aufsehen gesorgt. Deshalb müssen wir verstehen, was das war.“ So etwas dürfe nicht noch einmal vorkommen, sagte Kudler.

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