Die Trump-Regierung schließt mehrere wichtige Verbündete von einem Treffen der Nato-Mitglieder im kommenden Monat aus. Bei dem geplanten Treffen in Polen, das von Staatssekretär Elbridge Colby federführend organisiert wird, handelt es sich laut sechs mit den Planungen vertrauten Diplomaten im Wesentlichen um eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der Nato. Colby ist im US‑Kriegsministerium für politische Planung verantwortlich und berät Kriegsminister Pete Hegseth.

Einige der Länder, die keine Einladung erhalten haben – wie Großbritannien, Frankreich und die baltischen Staaten –, investieren viel Geld in die Verteidigung und spielen eine Schlüsselrolle in der Allianz, weshalb sich ihre Diplomaten wundern, warum sie außen vor gelassen werden. Sie werfen die Frage auf, ob die US-Regierung hier eine Günstlingswirtschaft betreibt, die das Bündnis weiter spalten könnte, das ohnehin schon mit der zunehmenden russischen Aggression und erschöpften Waffenbeständen zu kämpfen hat.

„Wir tun alles, was von uns verlangt wird“, sagte ein Vertreter eines nicht eingeladenen Verbündeten. „Wir versuchen zu verstehen, was die Kriterien sind und welchen Zweck diese Treffen erfüllen sollen. Bisher ist uns dazu nicht viel mitgeteilt worden.“ Das Weiße Haus reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme, das Pentagon lehnte eine Kommentierung ab.

Präsident Donald Trump und seine engsten Mitarbeiter haben seit ihrer Rückkehr an die Macht die Nato unaufhörlich kritisiert – angefangen bei der Weigerung einzelner Mitglieder, den Iran-Krieg zu unterstützen, bis zum Versäumnis mancher Länder, fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.

„Ich habe die Nato, für die wir jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar ausgeben, um genau diese Länder zu schützen, schon immer als Einbahnstraße betrachtet – wir beschützen sie, aber sie tun nichts für uns, insbesondere nicht in Zeiten der Not“, wetterte Trump dieses Jahr in einem Beitrag auf Truth Social.

Im vergangenen Monat verprellte er mit Südkorea einen weiteren Verbündeten, indem er ein geplantes gemeinsames Militärmanöver abrupt zusammenstrich und sich gleichzeitig darüber beschwerte, dass Seoul sich nicht am Krieg gegen den Iran beteiligen wolle.

Im April stellte das Weiße Haus – wie „Politico“, das wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört, zuerst berichtete – eine Art Positiv- und Negativliste zusammen, als nach Wegen gesucht wurde, Verbündete zu bestrafen, die sich nicht an Trumps Wünsche hielten. Kriegsminister Hegseth hat diese Vision aufgegriffen. Er hat „Musterverbündete“ gelobt und gewarnt, dass jene, die die Interessen der USA nicht unterstützen, mit Konsequenzen rechnen müssen.

Auch wenn die Details zur neuen Nato-Arbeitsgruppe noch vage sind, folgt sie dem Muster, einige Bündnispartner auf Kosten anderer zu belohnen. Colby hat bereits zwei ähnliche Treffen mit den eingeladenen Staaten Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Deutschland und den Niederlanden abgehalten.

„Nato-Verbündete, die ihre Zusage zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben rasch umsetzen, über die nötige Kapazität für Beiträge verfügen und bereit sind, sich auf das praktische Geschäft zu konzentrieren“, schrieb Colby nach dem Treffen in den sozialen Medien. Diesen Monat merkte er auf einer Konferenz in Washington an, dass „die Idee darin besteht, das gesamte Bündnis mitzuziehen“.

Er fügte hinzu, dass dies zu einer „besseren, stärkeren und nachhaltigeren Nato“ führen werde, die Europa mehr militärische Eigenständigkeit verleihe. Die an den Treffen beteiligten Länder – bekannt als Bergen-Format – betonen, dass damit keine Spaltung der Allianz bezweckt werde, sagte ein Diplomat eines der eingeladenen Staaten. Stattdessen wolle die Gruppe Ideen entwickeln, die sie anschließend ins Gesamtbündnis einbringen könne, um sie dort weiter zu prüfen.

„Das kann ein Motor für den Wandel der gesamten Allianz sein“, sagte der Diplomat, der wie andere anonym bleiben wollte, um interne Beratungen zu besprechen. Er räumte jedoch ein, dass einige Verbündete über den Ausschluss frustriert seien – insbesondere, weil viele von ihnen die von der Trump-Regierung geforderten Ausgabenziele erreicht oder sogar übertroffen haben.

Als Nächstes könnten die USA Dänemark in diesen exklusiven Kreis aufnehmen, nachdem sich beide Länder auf eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz in Grönland geeinigt haben. Das verlautete aus einer weiteren mit den Planungen vertrauten Quelle.

Colby interessiert sich schon lange für Gespräche im kleineren Kreis zwischen Nato-Staaten. In den vergangenen Jahren konzentrierte er sich darauf, Deutschland als Militärmacht zur Eindämmung Russlands wiederzubeleben und US-Truppen für den Umgang mit dem Aufstieg Chinas bereitzustellen.

Doch selbst eingeladene Verbündete hinterfragen, warum Colby und andere Vertreter des Kriegsministeriums die Teilnehmer auswählen und einige der größten Militärmächte des Kontinents wie Großbritannien außen vor lassen. „Wenn sie versuchen, die Nato in die ‚Guten‘ und die ‚Schlechten‘ zu unterteilen, ist das gefährlich für die USA“, sagte ein anderer der sechs Diplomaten. „Für Europa aber ist das existenziell.“

Dieser Text erschien zuerst bei der WELT-Partnerpublikation „Politico“. Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Lara Jäkel.

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