Die bekannte Salafistin und frühere Profiboxerin Hanna Hansen ist am Montag in Köln in einen Konflikt mit der Polizei geraten. Nach Informationen von WELT entstand die Auseinandersetzung am Abend gegen 19 Uhr, nachdem ein Passant die Polizei wegen einer Flagge gerufen hatte, die an dem Mercedes befestigt war, in dem Hansen unterwegs war.
Bei der Flagge handelte es sich nach Angaben der islamistischen Influencerin um eine weiße Fahne mit schwarzer Schrift und dem islamischen Glaubensbekenntnis: „La ilaha illa Allah, Muhammad rasulullah“ (sinngemäß: „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Allahs“). Sie war auf der Beifahrerseite außen am Fahrzeug befestigt. Das bestätigte auch ein Augenzeuge. Eine Person habe die Flagge als verdächtig gemeldet, teilte das Polizeipräsidium Köln auf Anfrage mit.
Die Polizei hielt Hansen ausweislich eines Fotos der Szene mit zwei Mannschaftswagen zu einer Kontrolle an. Dabei zückte Hansen offenbar ihr Handy, um die polizeiliche Maßnahme aufzuzeichnen. Die Polizei teilte auf Anfrage von WELT mit, es sei „eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ erfasst worden. Der Hintergrund: Hansen versuchte offenbar, den Polizeieinsatz aufzunehmen.
Ein Foto des Einsatzes in KölnDie Influencerin erklärte auf Anfrage: „Am Montag wurde ich in Köln von mehreren Polizeibeamten kontrolliert. Dabei wurde mir ohne mein Einverständnis mein Mobiltelefon abgenommen. Ein richterlicher Beschluss wurde mir dabei ebenfalls nicht vorgelegt. Ich dokumentiere Polizeimaßnahmen, die mich betreffen, um ihren Ablauf später nachvollziehen und rechtlich prüfen lassen zu können.“
Von der Strafanzeige wegen des Verdachts der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes wisse sie bislang nicht. „Eine schriftliche Mitteilung zum konkreten Vorwurf liegt mir bislang nicht vor. Zu Einzelheiten der Aufnahme und zu einem möglichen Ermittlungsverfahren äußere ich mich deshalb derzeit nicht“, so Hansen.
Laut Angaben der Polizei wurde die Anzeige der Kriminalinspektion Staatsschutz zugeleitet. Die Einbindung der Staatsanwaltschaft Köln sei bereits erfolgt. Die Ermittlungen dauern demnach an.
Hansen, die früher als Model und dann als Boxerin Bekanntheit erlangte, macht seit einigen Jahren Schlagzeilen mit islamistischen Videos im Internet. Laut Medienberichten ist sie mit der salafistischen Szenegröße Sven Lau liiert. In Verfassungsschutzberichten wird sie als einflussreiche Influencerin beschrieben, die Ansichten verbreite, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung unvereinbar seien.
Laut dem aktuellen Jahresbericht des Landesverfassungsschutzes NRW ist Hansen die reichweitenstärkste salafistische Influencerin in Deutschland. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liege in der „Online-Da’wa“, der Missionierung in den sozialen Medien. In ihren Beiträgen baue sie klare Feindbilder auf: darunter allgemein die „westliche Welt“, emanzipatorische Ansätze, der „liberale Islam“ sowie sufistische Strömungen im Islam.
Erst im Juli kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Hansen. Es gehe um den Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, erklärte damals NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Hansen wurde vorgeworfen, im April auf einer Social-Media-Plattform ein Symbol der als Terrororganisation eingestuften Hamas verbreitet zu haben.
Ein weiteres Verfahren wurde laut Hansens Angaben mittlerweile eingestellt. Auf ihrem Instagram-Profil präsentierte sie ein entsprechendes Schreiben der Kölner Staatsanwaltschaft. Dabei ging es um eine mutmaßliche Straftat nach dem Waffengesetz, für die sich kein hinreichender Verdacht erhärtete.
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