Vor zwei Wochen hat Berlin gewählt – und könnte künftig von Rot-Grün-Rot regiert werden. Die Gespräche zwischen Linken, Grünen und Sozialdemokraten laufen. Antisemitismus und Verbindungen zur organisierten Kriminalität von Mitgliedern der Berliner Linken machen diese Konstellation jedoch hochbrisant, auch über die Grenzen der deutschen Hauptstadt hinaus. Wegen seiner Kontakte zu Mitgliedern des berüchtigten Remmo-Clans steht der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak (47) aus Neukölln besonders im Fokus.
Während die Partei und der Politiker eine offensichtliche Nähe zu der berüchtigten Großfamilie seit Tagen herunterspielen, zeigen „Bild“-Recherchen, wie eng die Verbindung zwischen Koçak und dem Clan tatsächlich ist. Demnach belegen Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Berlin: Familienmitglieder des Linken-Politikers waren Mieter in einer Remmo-Immobilie.
Die Spur führt zu einem Haus in der Wildenbruchstraße in Berlin-Neukölln. Im Dezember 2019 werden dort ein Burger-Laden, ein Spätkauf und der Hauseingang mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Koçak vermutet einen gezielten Angriff aus der rechten Szene auf ihn und seine Familie. Denn: Seine Tante und seine Cousins würden in dem Haus Geschäfte betreiben, erklärte der Politiker damals öffentlich. Zudem wohnten dort auch Angehörige von Koçak.
„Bild“ liegen nun Ermittlungsakten der Berliner Staatsanwaltschaft vor. Daraus geht hervor: Bei der Immobilie in Neukölln handelt es sich um ein zentrales Haus des Remmo-Clans, das mittlerweile vom Land Berlin beschlagnahmt wurde.
Koçaks Verwandte und die Remmos lebten jahrelang Tür an Tür
Ab 2011 erwarb der Clan nach und nach das gesamte Mehrfamilienhaus in Neukölln (30 Wohnungen, 2 Gewerbeeinheiten). In einem Sachverständigengutachten wurde der Wert damals auf 930.000 Euro taxiert.
Laut Ermittlungsakten traten bei dem Immobiliengeschäft die Ehefrauen zweier Clan-Mitglieder als Eigentümerin und Bevollmächtigte auf. Nur vorgeschoben, so die Staatsanwaltschaft. Als „mutmaßlich wirtschaftlich Berechtigter“ wird Walid Remo in einem Bericht festgehalten. Er soll eine zentrale Figur bei den dubiosen Finanzgeschäften des Clans sein.
Brisant: Der Sohn des angeblichen Hausherrn wurde für den spektakulären Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden verurteilt. Zudem ist Walid Remo ein Cousin von Intensivtäter Firas Remmo, dem Sohn von Clan-Boss Issa Remmo.
Firas machte kürzlich seine persönlichen Chat-Nachrichten mit Koçak publik und löste damit die bundesweite Diskussion über die Nähe der Linken zur organisierten Kriminalität aus. Koçak entschuldigte sich, erklärte, er habe zunächst nicht gewusst, mit wem er geschrieben habe. Aufgrund der Kritik gab er seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf.
Die Führung der Linksfraktion stellte sich hinter Koçak: Heidi Reichinnek und Sören Pellmann erklären, man glaube Koçaks Aussagen, solange nichts anderes bekannt werde. Zugleich betonte die Partei ihre Distanz zu organisierter Kriminalität.
Fakt ist: Nur wenige Jahre, nachdem die Remmos die gesamte Immobilie in Neukölln erworben hatten, zogen Verwandte von Koçak ein. Nach „Bild“-Recherchen betrieben sie ab 2016 eine Gastronomie in dem Haus.
Zwei Jahre später schlugen die Ermittler zu. Das Amtsgericht Tiergarten ordnete 2018 die Beschlagnahme von 77 Remmo-Immobilien an – darunter das Haus in Neukölln. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: Für die Käufe soll die Großfamilie Gelder aus Straftaten genutzt haben. Die beiden Strohfrauen bestreiten das, behaupten, ihr Vermögen stamme unter anderem aus dem Libanon. Der Rechtsstreit dauert bis heute an.
„Bild“ konfrontierte Koçak mit der Recherche. Was wusste er über das Remmo-Haus, in dem seine Verwandten Mieter waren? Keine Reaktion. Laut Gewerbeunterlagen gaben die Familienmitglieder des Linken-Politikers den Burgerladen einige Monate nach den Hakenkreuz-Schmierereien auf, zogen 2020 offenbar wieder aus.
In den Folgejahren geriet das Remmo-Haus aber weiter in die Schlagzeilen. So durchsuchten 2021 Beamte bei einer Großrazzia (Drogen- und Waffenhandel) auch das Objekt in Neukölln, und nahmen dabei ein Clan-Mitglied fest.
Bis heute steht der Name der vermeintlichen Eigentümerin des Remmo-Hauses auf dem Klingelschild: „Zeinab R.“.
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