Der Bot-Traffic aus dem Netzwerk des russischen Internetkonzerns Yandex ist nach Drohnenangriffen auf dessen Rechenzentren zeitweise fast vollständig eingebrochen. Das zeigen Daten des US-Webdienstleisters Cloudflare.
Rund ein Viertel aller Websites nutzen das Netzwerk von Cloudflare, aus dessen Datenverkehr das Unternehmen öffentlich einsehbare Statistiken erstellt. Bot-Traffic ist Datenverkehr, den automatisierte Programme und nicht Menschen erzeugen. Am Sonntag fiel dieser Verkehr zwischenzeitlich auf rund 0,4 Prozent. Normalerweise schwebt dieser Wert bei rund 80 Prozent.
Yandex hatte am Sonntag sein Rechenzentrum in Wladimir, 170 Kilometer östlich von Moskau, nach eigenen Angaben komplett abschalten müssen. Grund sei ein Drohnenangriff, teilte das Unternehmen mit, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Dabei wurde niemand verletzt.
Yandex wird oft „Russlands Google“ genannt. Neben einer Suchmaschine betreibt der Konzern unter anderem Taxi- und Essenslieferdienste, Navigation und Streaming. Nach Angaben der „Kyiv Post“ waren am Sonntag der Sprachassistent Alice, Yandex Music und der Videokonferenzdienst Telemost außer Betrieb. Nutzer beklagten demnach Probleme mit Banking- und Fahrdienst-Apps.
Drittes Yandex-Rechenzentrum binnen weniger Tage ausgefallen
Bereits am Freitag hatten nach Yandex-Angaben ukrainische Drohnen das Rechenzentrum in der Region Kaluga südwestlich von Moskau getroffen und teilweise außer Betrieb gesetzt. Einen Tag zuvor legte ein ukrainischer Angriff demnach den Standort in Sasowo südöstlich von Moskau still. Dort stehen zwei der drei Supercomputer, mit denen Yandex sein KI-Modell entwickelt. Ob die Supercomputer beschädigt wurden, ist nicht bekannt.
Das ukrainische Verteidigungsministerium äußerte sich bis Montagnachmittag nicht zu den Angriffen.
Rauch steigt aus dem Yandex-Rechenzentrum in Sasovo auf. Das Gebäude wurde am 8. Oktober von einer ukrainischen Drohne angegriffen.Bot-Traffic: Viele Dienste laufen über die Yandex-Cloud
Viele Dienste anderer Unternehmen laufen auf der Cloudinfrastruktur von Yandex. Dass diese gestört ist, erklärt den Einbruch des Bot-Traffics. Wie stark die Cloud betroffen war, zeigen auch Daten der Organisation NetBlocks. Am Montagnachmittag funktionierten demnach bei den Servern von Yandex rund 80 Prozent der Verbindungen, bei den Cloud-Servern nur rund 30 Prozent.
Ein Mastodon-Beitrag von NetBlocks zeigt, wie stark der Bot-Traffic bei Yandex zurückging.Russland greift seit Wochen Rechenzentren in der Ukraine an
Russland hatte seinerseits Ende September Rechenzentren in der Ukraine angegriffen und den Hauptsitz von Kyivstar getroffen, dem größten Mobilfunkanbieter des Landes. Bei einem Angriff auf ein Rechenzentrum in Kyjiw wurden laut Präsident Wolodymyr Selenskyj zwei Kinder und ein Erwachsener verletzt.
Am Sonntagmorgen teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, unter anderem ein Rechenzentrum in der ukrainischen Hafenstadt Odessa attackiert zu haben, berichtete die dpa. Die ukrainischen Streitkräfte würden es zur Verarbeitung, Übertragung und Speicherung von Informationen nutzen, hieß es zur Begründung.
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