Nichtdeutsche Personen werden laut einer aktuellen Datenauswertung häufiger straffällig als deutsche. Der Unterschied ziehe sich in unterschiedlicher Ausprägung durch alle Deliktarten und sei bei Gewalttaten besonders deutlich, erläuterte die Kriminologin Susann Prätor von der Polizeiakademie Niedersachsen, eine der Autorinnen der Studie.
Demnach wurden 0,2 Prozent aller Deutschen und 0,6 Prozent aller Nichtdeutschen im Jahr 2025 aufgrund einer schweren Gewalttat in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) registriert.
In der Zusammenschau mit einer Dunkelfeld-Studie, dem Niedersachsen-Survey, fielen die Unterschiede zwischen Deutschen und Nichtdeutschen zwar geringer aus. Die Tendenz bleibe aber bestehen, betonte Prätor.
Für den Niedersachsen-Survey befragt das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen seit 2013 alle zwei bis drei Jahre Jugendliche zur Kriminalität. Prätor und zwei weitere Forscher haben die Auswertung „Ausländerkriminalität – Eine Datenanalyse“ im Auftrag des in Berlin ansässigen Mediendienstes Integration vorgenommen.
Unterschiedliche Anzeigebereitschaft
Die Auswertung der Daten ergebe zwei bedeutsame Faktoren für die erhöhte Kriminalitätsrate unter Ausländern, sagte Prätor. Zum einen sei unter allen Menschen in Deutschland die Bereitschaft, nichtdeutsche Personen anzuzeigen, etwa doppelt so hoch wie deutsche. Zudem hätten nichtdeutsche Jugendliche fast doppelt so häufig eine positive Einstellung zur Gewalt wie deutsche Heranwachsende.
Dies könne allerdings nicht, wie häufig behauptet, auf einen „kulturellen Faktor“ zurückgeführt werden, betonte die Professorin. Denn nur knapp zehn Prozent der ausländischen Jugendlichen hätten eine positive Einstellung zur Gewalt. „Bei einem kulturellen Merkmal müsste ein deutlich höherer Anteil der Angehörigen einer kulturellen Gruppe die Einstellung teilen.“
Weitere Gründe seien zudem Alter und Geschlecht: Es gibt unter Ausländern mehr junge Männer, die in allen Gesellschaften am stärksten zu Kriminalität neigen. Auch die sozio-ökonomische Situation spiele eine Rolle.
Die Forschenden betonten allerdings, dass insgesamt weniger als ein Prozent unter den Deutschen wie auch unter den Ausländern überhaupt mit Gewaltkriminalität in Erscheinung getreten sind. In beiden Bevölkerungsgruppen begingen somit über 99 Prozent keine Gewaltstraftat.
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