Die Botschaft scheint ihm wichtig zu sein. Denn er wiederholt sie ganze elfmal. Das fällt auch dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Siegmund auf, der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts werden möchte. „Sie haben sich jetzt oft wiederholt“, sagt er in der MDR-Gesprächsrunde „Fakt ist“ in Magdeburg zum Bundestagsabgeordneten Sepp Müller, der CDU-Landeschef werden will.
Dabei hört Siegmund zunächst gespannt zu, als Müller ihn der Unanständigkeit bezichtigt. „Unanständig? Jetzt wird’s spannend“, lehnt er sich amüsiert zurück. Müller wirft ihm vor, bei seinem Sprechen über die Ukraine mit keiner Silbe den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands zu erwähnen. Außerdem unterstelle Siegmund den Unterstützern der Ukraine, keinen Frieden zu wollen. „Das ist hochgradig unanständig, was Sie hier machen, hochgradig unanständig!“ Für „unanständig“ hält Müller im Verlauf der Sendung noch weitere Aussagen und Suggestionen Siegmunds, wirft ihm „Nebelkerzen“ und „Luftnummern“ vor und schmunzelt, da Siegmund „jetzt in der Realität angekommen“ sei.
Zuvor hatte Siegmund seine Freude über den Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt betont, dabei aber auch angemerkt, dass ihm eine absolute Mehrheit lieber gewesen wäre: „Am 6.9. wurde Geschichte geschrieben. Die Sachsen-Anhalter haben so klar wie nie zuvor den politischen Wandel gewählt.“ „Die Probleme in diesem Land“, urteilt der AfD-Politiker weiter, „resultieren aus Fehlentscheidungen“ etwa hinsichtlich der Unterstützung der Ukraine. Die dafür aufgewendeten Milliarden fehlten dann im eigenen Land, etwa beim Sanieren von Schulen oder Investitionen in Kindergärten. Er erbe „ein Bundesland der vorherigen CDU-Regierung, was faktisch pleite ist, was hoch verschuldet ist, und wo die Wirtschaft vor gigantischen Problemen steht. Damit muss ich umgehen.“
„Mehr Kindergarten geht nicht“
Immer wieder signalisiert Siegmund seine Gesprächsbereitschaft und dass er die Abgrenzungsstrategien der anderen Parteien für „Kindergarten“ halte. „Sie reden ja nicht mal mehr mit uns! Wir müssen doch miteinander reden!“, klagt er in Richtung CDU. Die Probleme im Land müsse man gemeinsam lösen, wofür man sich an einen Tisch setzen müsse.
„Mehr Kindergarten geht ja gar nicht“, kommentiert er das CDU-Vorhaben, den Saal während der Ministerpräsidentenwahl als Fraktion geschlossen zu verlassen. „Sie haben die Hosen voll, kann das sein? Vor der Demokratie!“, wettert er. Und: „Wenn man so ein Unternehmen führen würde, wie man dieses Land geführt hat, würde man das Insolvenzverschleppung nennen.“
Die AfD bräuchte mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen für eine Mehrheit. „Herr Siegmund, das BSW will sich enthalten, die CDU will den Saal verlassen. Wer soll Sie wählen?“, fragt Moderatorin Susann Reichenbach. Bei der Beantwortung der Frage, woher diese Stimmen kommen sollen, bleibt Siegmund vage. Er verweist lediglich darauf, dass die politische Lage „in zwei Monaten eine andere“ sein könne.
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