Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der US-Regierung eine verzögerte Lieferung bezahlter Abfangraketen vorgeworfen. Die Raketen seien von europäischer Seite im Rahmen des Purl-Programms „bereits bezahlt“ worden, sagte Selenskyj vor US-Senatoren. Über den sogenannten Purl-Mechanismus können die Nato-Länder und ihre Verbündeten Waffenpakete für die Ukraine in den USA kaufen. Für eine Lieferung stehe noch die Unterschrift von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth aus, sagte Selenskyj.

Zudem warteten europäische Staaten, die bereit seien, Patriot-Abfangraketen aus ihren Beständen an die Ukraine zu liefern, auf eine Genehmigung seitens der USA, sagte Selenskyj. „Die Raketen sind einsatzbereit. Sie könnten bereits in der Ukraine sein. (...) Aber leider ist die Genehmigung noch immer nicht erteilt worden“, sagte Selenskyj nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts. „Dies alles legt nahe, dass eine politische Entscheidung getroffen wurde, um die Unterstützung für uns zu verlangsamen“, führte Selenskyj weiter aus.

Am Sonntag hatte Selenskyj mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Lieferung von Patriot-Luftverteidigungssystemen gesprochen. Die Ukraine hat zunehmend Schwierigkeiten, russische Raketen abzuwehren und wird seit Tagen an empfindlichen Infrastrukturpunkten getroffen.

Selenskyj hatte beklagt, die ukrainische Armee habe „drei Tage lang“ während russischer Angriffe mit ballistischen Raketen keinen Zugriff auf US-Geheimdienstinformationen gehabt, was sein Land geschwächt habe. US-Außenminister Marco Rubio wies diese Vorwürfe zurück.

Nun beklagte Selenskyj, der für die Armee wichtige Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink funktioniere an mehreren Frontabschnitten nur mit gedrosselter Geschwindigkeit. In der vergangenen Woche hatte die Ukraine den USA vorgeworfen, die Geschwindigkeit des Dienstes des Tech-Unternehmers Elon Musk absichtlich gedrosselt zu haben, nachdem US-Präsident Donald Trump sich verärgert über ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien gezeigt hatte.

„Alle Begrenzungen bei der Geschwindigkeit werden vom US-Militär entschieden“

Die US-Regierung bestritt, dass der Präsident die Drosselung angeordnet habe. Musk hatte allerdings die Trump-Regierung verantwortlich gemacht. „Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom Potus, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, entschieden“, erklärte er.

Kritiker werfen Trump seit längerem vor, im Ukraine-Krieg einen russlandfreundlichen Kurs zu fahren. Der US-Präsident hatte am Freitag bereits beschlossene Sanktionen gegen Russland kurz vor deren Inkrafttreten ausgesetzt. Die Kehrtwende erfolgte nur eine Woche, nachdem er ein umstrittenes Abkommen mit Putin über die Lieferung von russischem Diesel geschlossen hatte – und gut zwei Wochen vor den Kongresswahlen in den USA. Bei den sogenannten Midterms am 3. November stehen Trumps Republikaner wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten und insbesondere der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck.

Kushner, und Witkoff sollen Insidern zufolge in dieser Woche zu einer ⁠neuen Verhandlungsrunde über ein Kriegsende nach Norwegen reisen. Erwartet wird auch die Teilnahme Selenskyjs. Immerhin warf Trump ‌Selenskyj zuletzt vor, ⁠Friedensgespräche mit ‌Russland grundsätzlich ​zu verweigern. Der ⁠ukrainische Staatschef ​solle vielleicht „jemand anderen verhandeln lassen“, sagte Trump am ‌Montag.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.