In Großbritannien drängen propalästinensische Gruppen weiter offen zur Ausgrenzung jüdischer und israelischer Studenten von Universitäten. Über den jüngsten Fall berichtet der britische „Telegraph“, der wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört.
An der Universität von Glasgow sollen Uni-Gruppen wie Sport- oder Debattierclubs jüdische oder israelische Studenten von der Mitgliedschaft ausschließen können, indem sie Zionismus in ihren Mitgliedschaftsregeln als rassistisch einstufen. Entsprechende Handreichungen verteilte eine propalästinensische Gruppe auf einer Messe für Erstsemester.
Die Gruppe „Glasgow University Justice for Palestine Society“ schlägt vor, dass Hochschulgruppen folgende Formulierung in ihre Gleichstellungsgrundsätze aufnehmen: „[Name der Hochschulgruppe] wird Chancengleichheit gewährleisten und fördern. Rassismus, Zionismus, Sexismus, Homophobie, Behindertenfeindlichkeit und religiöse Diskriminierung werden nicht toleriert und ihnen wird entgegengetreten.“
Und weiter: „Schließt euch der Kampagne für einen Campus ohne Zionisten an, indem ihr eure Satzung ändert. Die Aufnahme einer antizionistischen Klausel in eure Satzung kann ein zionistenfreies Umfeld schaffen und die palästinensischen und propalästinensischen Mitglieder eurer Hochschulgruppe schützen. Der Zionismus ist eine rassistische Ideologie, die auf unserem Campus nicht geduldet wird.“
Zionismus bezeichnet das Eintreten für einen eigenständigen jüdischen Staat – benannt nach dem Berg Zion in Israel. Als Hauptbegründer des politischen Zionismus gilt der Wiener Journalist Theodor Herzl (u. a. mit seinem Buch „Der Judenstaat“ 1896). Mit Gründung Israels 1948 auf dem britischen Mandatsgebiet Palästina gilt das Hauptziel der Bewegung als erreicht. Zwar sind nicht alle Juden und Israelis Zionisten – Ultraorthodoxe etwa lehnen die Bewegung aus religiösen Gründen ab –, zionistische Einstellungen sind aber weitverbreitet.
Der Verband jüdischer Studierender (Union of Jewish Students) bezeichnete die Kampagne daher auch als „antisemitisch“ und „diskriminierend“ und forderte die Universität auf, gegen beteiligte Studenten vorzugehen. „Es ist entsetzlich, dass die Glasgow University Justice for Palestine Society öffentlich dazu aufgerufen hat, ein ‚zionistenfreies Umfeld‘ in studentischen Hochschulgruppen zu schaffen“, erklärte Raphi Leon, Präsident des Verbandes.
Er fordert: „Wir erwarten von der Universität und der Studierendenvertretung (SRC), dass sie verhindern, dass Hochschulgruppen diese Klausel in ihre Satzungen aufnehmen, und gegen alle Studenten vorgehen, die sich an diesem Vorhaben beteiligen. Jüdische und israelische Studenten müssen auf dem Campus geschützt werden und überall dazugehören können.“
Ein Sprecher der Universität Glasgow erklärte, dass die Hochschule einen Ausschluss zionistischer Studenten aus Hochschulgruppen nicht akzeptieren werde. „Dies wäre ein Verstoß gegen die Gleichstellungsgesetze“, erklärte ein Sprecher. „Die Universität verteidigt die Grundsätze der Gedanken- und Meinungsfreiheit auf dem Campus. Wir rufen alle Mitglieder der Universitätsgemeinschaft dazu auf, einander mit Respekt und Toleranz zu begegnen.“
Die Glasgow University Justice for Palestine Society reagierte nicht auf eine „Telegraph“-Anfrage.
Grüne Partei in Großbritannien erklärt Zionismus zum Rassismus
Der Vorfall in Glasgow erinnert an einen Beschluss der Grünen Partei von England und Wales auf ihrem Parteitag Anfang Oktober mit dem Titel „Zionismus ist Rassismus“. Darin wird der Zionismus als „ethnonationalistisches, siedlerkoloniales Projekt“ definiert und zu einer politischen Ideologie erklärt, die mit Antirassismus unvereinbar sei.
Kritiker des Beschlusses argumentieren, dass damit faktisch auch jüdische Parteimitglieder ausgeschlossen werden könnten, die einer Synagoge in Großbritannien angehören. Denn die meisten jüdischen Gotteshäuser würden nach dieser Definition als zionistisch gelten.
Die Labour-Partei kündigte an, Koalitionsvereinbarungen auf kommunaler Ebene mit den Grünen aufzukündigen, sofern diese den Beschluss unterstützen.
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