Nach dem mutmaßlichen Betrug mit Scheinehen im Kölner Ausländeramt hat die Stadt Aufenthaltstitel zurückgenommen. Die Fälle einer früheren Sachbearbeiterin des Ausländeramts in Köln-Ehrenfeld seien umfassend auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft, rechtswidrig erteilte Titel bereits aufgehoben worden, teilte die Stadt „Bild“ mit. Es ist ihre erste Stellungnahme zu dem Fall.
Die 37-jährige Subha L. soll einer Schleuserbande angehört haben. Dem Bericht nach soll die Gruppe auf Zypern Scheinehen zwischen Indern und Bulgarinnen arrangiert haben. Die anschließenden Anträge auf Aufenthaltserlaubnis soll L. in Köln selbst bearbeitet und genehmigt haben. Sie und ihr Mann sollen dafür insgesamt rund 76.000 Euro erhalten haben. Nach Angaben eines Verteidigers, der eines der vier mutmaßlichen Bandenmitglieder vertritt, gegenüber dem WDR geht es um mehr als 20 Männer aus Indien.
L. und ihr Mann waren Anfang Dezember 2025 festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat gegen vier Beschuldigte Anklage erhoben. Nach eigenen Angaben ergriff die Stadt Köln sofort „personal- und disziplinarrechtliche Maßnahmen“, L. arbeitet nicht mehr für sie. Interne Änderungen sollen auffällige Fallhäufungen künftig schneller sichtbar machen.
CDU-Politiker fordert Überprüfung der Ausländerbehörde
Der CDU-Obmann im Innenausschuss des Bundestages, Detlef Seif, fordert unterdessen, die Kölner Ausländerbehörde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kontrollieren zu lassen. „Wir haben es mit einem wachsenden Kontrollverlust in einem Amt zu tun, das sich als Willkommensbehörde versteht“, sagte Seif dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Behörde nutzt nicht die Möglichkeiten der Qualitätssicherung, die dringend erforderlich sind. Die Stadt Köln versagt als Dienstherr.“ Der Kölner CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau hatte zuvor im WDR von einem „Skandal“ gesprochen.
Seif verwies zudem auf die sogenannte Coesfelder Liste. Köln hatte 2024 die Hilfe des Landes bei der Abschiebung von 471 ausreisepflichtigen Menschen aus Westbalkanstaaten abgelehnt, unter anderem mit Verweis auf ein städtisches Bleiberechtsprogramm. Von dessen 153 Teilnehmern waren laut NRW-Flüchtlingsministerin Verena Schäffer (Grüne) in diesem Jahr 76 polizeilich in Erscheinung getreten.
Bereits 2023 war eine andere Mitarbeiterin des Kölner Ausländeramts zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil sie Bescheinigungen für syrische Flüchtlinge gefälscht hatte.
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