Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den neuen Verhandlungen mit Russland massive Angriffe auf die Hauptstadt Kiew und andere Regionen beklagt. „Seit dem Abend haben die russischen ‚Menschenfreunde‘ drei Wellen ballistischer Angriffe auf Kiew abgefeuert“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er sprach von einem demonstrativen Schlag Moskaus nach den Verhandlungen vom Vortag.
US-Unterhändler Steve Witkoff hatte in St. Petersburg Kremlchef Wladimir Putin zu Gesprächen über den russischen Angriffskrieg getroffen. Er nannte Putin, den Selenskyj als Terroristen bezeichnet, einen „Menschenfreund“, weil Russland einen inhaftierten US-Bürger freigelassen hat. Nach dem Treffen Putins mit Witkoff stellte der Kreml neue Dreier-Verhandlungen mit Vertretern Moskaus, Kiews und Washingtons für Mitte November in Aussicht.
Selenskyj: Treffer, Schäden und Opfer im Land
Nach Darstellung Selenskyjs setzte Russland 21 Raketen ein – vor allem auf Kiew. „Leider gab es in der Stadt zahlreiche Treffer und Schäden: Wohnhäuser, die Energieversorgung, die Infrastruktur eines Bahnhofs und der Metro, Einkaufszentren sowie Unternehmen“, sagte Selenskyj. Insgesamt seien zwölf Regionen im Land in der Nacht Ziel russischer Angriffe gewesen. 34 Menschen seien verletzt worden, darunter fünf Kinder. Es gebe zwei Tote.
Ein zerstörtes Haus in Kiew am DonnertagDer Angriff zeige, dass Russland seine Haltung nicht ändere. „Doch wenn russische Raketen die Antwort auf Verhandlungen sind, muss echter Druck auf Russland ausgeübt werden“, sagte Selenskyj. Es brauche eine Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr und „die rasche Lieferung von Raketen, die Fähigkeit, Abschussrampen für ballistische Raketen zu zerstören, Sanktionen wegen des Krieges“. Die Ukraine verdiene Unterstützung, der Aggressor eine angemessene Behandlung, betonte er.
„Sind so nah dran wie noch nie“, sagt Trump über Friedensabkommen
US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Mittwoch (Ortszeit) hingegen zuversichtlich über ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs. „Vielleicht sind wir jetzt so nah dran wie noch nie“, sagte er. Jedenfalls sei eine Einigung seiner Einschätzung nach nähergerückt: „Wenn man kurz vor einer Einigung steht und sehr heikle Verhandlungen führt, verhängt man keine Sanktionen.“
Trump verteidigte damit seine Entscheidung, ein weitreichendes neues Sanktionspaket gegen Russland vorerst nicht umzusetzen. Die nach dem im Juli gestorbenen US-Senator Lindsey Graham benannte Gesetzesvorlage sieht verschärfte Sanktionen vor. Graham hatte sich für das Paket eingesetzt. Kritik an Trumps Entscheidung komme von „Leuten, die nicht wissen, wie das Leben funktioniert“, sagte der Präsident.
Der Verzicht auf die Sanktionen habe dazu beigetragen, die Freilassung des US-Amerikaners Stephen Hubbard zu ermöglichen, argumentierte Trump. Hubbard war am Mittwoch freigekommen, nachdem er mehr als vier Jahre in Russland inhaftiert gewesen war. Russland warf ihm vor, als Söldner in der Ukraine gekämpft zu haben. Die Anwälte Hubbards bestreiten das.
„Wenn man diese Sanktionen verhängt hätte oder wie auch immer man sie nennen will, hätte man ihn vergessen können“, sagte Trump über Hubbard. „Man hätte ihn nie wiedergesehen. Er wäre für 25 Jahre wieder im Gefängnis gewesen.“
Witkoff hatte sein Gespräch mit Putin als „konstruktiv“ bezeichnet. Es gebe aber „noch wichtige Arbeit zu erledigen“, sagte er weiter. Nach eigenen Angaben überbrachte er Putin „Ideen“ und „einige Dokumente“ für ein Ende des inzwischen fast fünf Jahre andauernden Krieges.
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