Die USA und Israel haben einem Bericht der „New York Times“ zufolge konkrete Pläne für neue Militärschläge gegen den Iran nach den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November ausgearbeitet. Vorgesehen sei eine kurze, intensive Operation gegen mögliche Ziele wie die Energieinfrastruktur, Atomanlagen sowie Raketen- und Drohnenbestände. Ob US-Präsident Donald Trump die Angriffe genehmigt, ist offen.

Die Zeitung beruft sich auf amerikanische Regierungsvertreter und weitere Personen, die über die Beratungen informiert seien. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth habe bei einem Besuch in Israel in dieser Woche mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über neue Angriffe gesprochen. Beide Streitkräfte hätten zudem ihre Übungen verstärkt und über dem Irak Angriffsmanöver trainiert.

Einige amerikanische Planer setzen dem Bericht zufolge darauf, mit einer intensiven dreitägigen Angriffswelle so großen wirtschaftlichen Schaden anzurichten, dass Teheran diplomatische Zugeständnisse macht. Die Verhandlungen laufen parallel zu den militärischen Vorbereitungen weiter. Streitpunkte sind insbesondere das iranische Atomprogramm und die Kontrolle über die Straße von Hormus.

Zweifel an Wirkung der „Mutter aller Bomben“

Zu den möglichen Zielen gehört laut „New York Times“ die tief unter einem Berg gelegene Anlage Kuh-e Kolang, auch „Pickaxe Mountain“ genannt, die mit dem iranischen Atomprogramm in Verbindung gebracht wird. Trump erklärte in der vergangenen Woche in einem Interview mit Newsmax, einen Einsatz der Bombe GBU-43/B gegen die Anlage zu erwägen. Die als MOAB bekannte Waffe trägt den Spitznamen „Mutter aller Bomben“.

Die von der Zeitung befragten Waffenspezialisten bezweifeln jedoch, dass sie die unter Granitgestein geschützte Anlage zerstören könnte. Die MOAB ist zwar die sprengkraftstärkste konventionelle Fliegerbombe im Arsenal des US-Militärs, aber keine tiefeindringende, bunkerbrechende Waffe wie etwa die GBU-57 A/B Massive Ordnance Penetrator, die bislang gegen die Atomanlagen bei Fordo und Natans eingesetzt worden sein sollen.

Die MOAB explodiert oberhalb des Bodens und entfaltet eine großflächige Druckwirkung, statt tief in den Untergrund einzudringen. Militärvertreter warnten zudem, dass das für den Abwurf benötigte langsame Transportflugzeug durch die iranische Flugabwehr gefährdet wäre.

Eine GBU-43/B wird 2003 auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Eglin in Florida für einen Test vorbereitet. Erstmals eingesetzt wurde sie 2017 gegen den IS in Afghanistan (Archivfoto)

Dass der Einsatz der Bombe beschlossen wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor. Auch die Zielauswahl ist offenbar nicht abgeschlossen: Während Energieanlagen grundsätzlich als mögliche Ziele genannt werden, wollen einige Verantwortliche Raffinerien und Ölinfrastruktur aussparen, um weitere Preissteigerungen zu vermeiden.

„Pickaxe Mountain“ befindet sich in der Provinz Isfahan, ganz in der Nähe der Atomanlage Natans.

Trump soll Angriff bereits kurzfristig gestoppt haben

Bereits Anfang dieses Monats standen die USA und Israel laut dem Bericht kurz vor erneuten Angriffen. Beide Streitkräfte hätten umfangreiche Vorbereitungen getroffen und ihre Luftstreitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Trump habe die Operation jedoch kurz vor Beginn verschoben. Auch zuvor habe er in diesem Jahr mehrfach eine Rückkehr zu größeren Kampfhandlungen abgelehnt.

Die vollständige Zusammenziehung der vorgesehenen amerikanischen Kräfte werde erst Anfang November abgeschlossen sein. Dazu zählten drei Flugzeugträger, Tausende Marineinfanteristen, Kampfflugzeuge und Spezialkräfte. Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte der Zeitung, die Regierung kommentiere keine Militärpläne, „die möglicherweise existieren oder auch nicht“. Trump halte alle Optionen offen, um eine iranische Atomwaffe zu verhindern.

Iran droht mit ausgeweiteten Gegenangriffen

Iranische Vertreter kündigten dem Bericht zufolge in sozialen Medien an, bei neuen Angriffen weitere Ziele ins Visier zu nehmen. Neben Handelsschiffen und Energieanlagen könnten auch Rechenzentren und Untersee-Internetkabel betroffen sein. Die Vorstellung, eine weitere Angriffswelle werde nach 72 Stunden beendet sein, bezeichnete ein hochrangiger Berater der iranischen Verhandlungsführung als „Fantasie“.

Zweifel an der amerikanisch-israelischen Strategie äußerte auch die frühere Pentagon-Verantwortliche für Nahostpolitik, Dana Stroul. Die bisherigen Angriffe, Sanktionen und die amerikanische Seeblockade hätten die iranische Führung nicht zu substanziellen Verhandlungen bewegt. Weder Trump noch Netanjahu hätten überzeugend erklärt, warum weitere Kriegshandlungen daran etwas ändern würden.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.