Ein vermeintliches US-Meinungsforschungsinstitut hat zugegeben, einen Großteil seiner Ergebnisse erfunden zu haben. Die Zahlen waren zuvor von Wahlkampfteams und renommierten Medien verbreitet worden. Es ist bereits der zweite vergleichbare Vorfall, der wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November für Aufsehen sorgt. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur AFP.
Bekannt wurde der Fall rund um Wedgewood Polls Anfang der Woche. Der US-Dienst „FiftyPlusOne“, der Umfrageergebnisse verschiedener Institute zusammenführt und auswertet, hatte Wedgewood Polls zu seinen Erhebungen befragt. Daraufhin gab das Institut auf dem inzwischen gelöschten X-Account zu, dass „die meisten“ seiner Daten erfunden gewesen seien.
Wedgewood Polls erklärte, man habe testen wollen, wie leicht es einer vollständig erfundenen Meinungsforschungsorganisation gelingen könne, Aufmerksamkeit zu erregen und als seriös zu gelten. Der Versuch war offenbar erfolgreich.
Die Empörung in den USA ist groß. Mallory McMorrow, eine Politikerin der US-Demokraten aus Michigan, die in der Vorwahl um einen Senatssitz gegen Abdul El-Sayed unterlag, äußerte deutliche Kritik. Eine von Wedgewood Polls veröffentlichte Umfrage hatte Ende Juni den Eindruck erweckt, dass sie nur auf einen einstelligen Prozentwert kam. Nach Angaben McMorrows brachen daraufhin die Spendeneinnahmen ein. Freiwillige Wahlkampfhelfer seien am Boden zerstört gewesen, während Journalisten sie mit Anrufen bedrängt hätten, ihre Kandidatur aufzugeben. „Es hat uns das Genick gebrochen“, schrieb McMorrow auf X.
Der Account von Wedgewood Polls veröffentlichte zudem eine Umfrage, die die demokratische Sozialistin Francesca Hong bei der Vorwahl zur Gouverneurskandidatur in Wisconsin vorn sah. Da damals kaum öffentlich zugängliche Umfragen vorlagen, trug dies zu dem Eindruck bei, Hong liege im Rennen in Führung. Tatsächlich verlor sie die Vorwahl.
„Diese Leute sind absolute Dreckskerle“
Scharf äußerte sich der demokratische Stratege und frühere Berater von Kamala Harris, Mike Nellis, gegenüber Fox News. „Diese Leute sind absolute Dreckskerle“, sagte er. Sie könnten versuchen, moralische Überlegenheit für sich zu beanspruchen, hätten aber über ihre Umfragedaten gelogen und seien dabei ertappt worden. Nellis warf ihnen Betrug vor. Demokraten, Republikaner und Medien müssten zudem darüber nachdenken, wie Umfragen überprüft würden, sagte Nellis. Vermutlich gebe es weitere Personen, die ähnlich vorgingen.
Die Meinungsforscherin Charlotte Swasey von der den Demokraten nahestehenden Organisation Searchlight warnte bei „Politico“ vor einer „Verschmutzung der Informationslandschaft“. Gemeint seien Inhalte, die gezielt Prognosemärkte beeinflussen sollten, aber auch schlicht kursierende Falschinformationen. Gerade bei Vorwahlen sei es schwierig, Menschen zu vermitteln, dass die vermeintlichen Informationen über ihren bevorzugten Kandidaten nicht echt seien.
„New York Times“ entfernt Zahlen
Die gefälschten Zahlen betrafen umkämpfte Wahlrennen in mehreren Bundesstaaten. Sie fanden nicht nur in politischen Kreisen Beachtung, sondern wurden auch von großen Medien und Diensten aufgegriffen, die Umfrageergebnisse sammeln und vergleichen. Dazu gehörte die „New York Times“.
Die Zeitung teilte in einer redaktionellen Anmerkung mit, dass ihre Datenbank zwischen Juni und Oktober insgesamt 15 Umfragen von Wedgewood Polls enthalten habe. Alle seien inzwischen entfernt worden.
Zweiter Fall innerhalb weniger Monate
Auch Brendan Carr, der Vorsitzende der US-Kommunikationsaufsicht FCC, warnte vor einer Zunahme gefälschter Umfragen. Es gebe einen deutlichen Anstieg vollständig erfundener Erhebungen sowie von Umfragen, die gezielt darauf ausgerichtet seien, Wähler zu beeinflussen oder die Wahlchancen bestimmter Kandidaten zu verschlechtern.
Bereits im August hatte eine weitere angebliche Meinungsforschungsorganisation namens Median Strategies zugegeben, Umfrageergebnisse erfunden zu haben. Nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ bezeichnete sie sich als kurzfristiges soziales Experiment.
Nun geriet ein weiterer Anbieter unter Verdacht. Am Donnerstag kündigte „FiftyPlusOne“ in einem Blogbeitrag an, künftig keine Umfragedaten von „SoCal Strategies“ mehr zu berücksichtigen. Eine Untersuchung habe Zweifel an der Echtheit der Erhebungen geweckt. Eine Stellungnahme des Unternehmens gibt es bislang nicht. Seine Website sowie seine Auftritte auf X und der Veröffentlichungsplattform Substack schienen nicht mehr online zu sein.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.