Eigentlich geht es an der Radrennbahn in Bielefeld gemächlich zu. Doch nachdem die dort ansässige Panda-Apotheke bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, standen sich am Donnerstag AfD-Politiker samt Sympathisanten und Hunderte Gegendemonstranten gegenüber. Unter die Protestteilnehmer mischten sich auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann und Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD), wie in Live-Streams zu sehen war.

Vorausgegangen war ein Streit zwischen der Inhaberin der Panda-Apotheke und der AfD. Elisabeth Kutter bezeichnete in Videos in den sozialen Medien AfD-Anhänger als „Vollpfosten“ und rief sie dazu auf, ihre Apotheke zu meiden. „Jeder, der mit der AfD sympathisiert, sie unterstützt, sie wählt: Bitte meide meine Apotheke, meide mein Team, meide mein Umfeld“, sagte die 60-Jährige unter anderem in einem Instagram-Beitrag.

Die Äußerungen lösten zahlreiche Reaktionen aus. Nutzer warfen der Apothekerin vor, Menschen aufgrund ihrer politischen Haltung auszugrenzen. Kutter wiederum berichtet von Beleidigungen und Drohungen. In der Sendung RTL WEST sagte sie, AfD-Sympathisanten würden den ganzen Tag in ihrer Apotheke anrufen und sie beschimpfen. Zudem sei ihre Apotheke im Internet in „Hitler-Apotheke“ umbenannt worden. Kutter schaltete die Polizei ein.

In einem neueren Beitrag stellte die Apothekerin klar, dass auch AfD-Anhänger weiterhin Medikamente erhalten würden: „Natürlich bekommt ihr eure Medikamente, und ihr bekommt den gleichen hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten. Aber mögen tue ich euch trotzdem nicht. Ihr seid halt einfach nicht willkommen.“

Für die AfD war die Sache damit noch nicht abgehakt – sie lud für Donnerstagnachmittag zu einem Infostand auf den öffentlichen Platz vor der Apotheke. Dagegen formierte sich Widerstand: Unter dem Motto „Der 5. Kanton ist bunt und vielfältig!“ rief das Bielefelder Bündnis gegen Rechts mit dutzenden lokalen Akteuren zu einer Gegendemo auf.

Als 5. Kanton wird der entsprechende Stadtbezirk in Bielefeld bezeichnet. Hunderte Teilnehmer folgten dem Aufruf, darunter Vertreter von SPD, Linken und Grünen sowie des Bündnisses „Widersetzen“ und der Antifa.

Ein Großaufgebot der Polizei trennte die mitunter aufgebrachten Demonstranten vom Stand der AfD. Die beiden AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner und Maximilian Kneller hielten Reden. Mehrere Dutzend Bürger und AfD-Sympathisanten hatten sich an dem Stand eingefunden, als die Gegendemo begann.

Neben Apothekerin Kutter hielt die Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann eine Rede. „Die Panda-Apotheke ist zum Symbol des Widerstands gegen die Nazis von der AfD geworden“, sagte die SPD-Politikerin.

„Es ist ganz alltäglich, sich dem zu widersetzen, was an Gedankengut von dieser AfD kommt“, betonte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann. „Und wenn ihr sie seht, denkt immer daran, wie erbärmlich sie sind.“ Sie forderte die Demonstranten dazu auf, „stabil und aufrecht“ zu bleiben. „Dieses Gift darf sich nicht in die Gesellschaft einschleichen. Setzt dem eure Freundlichkeit entgegen.“ Weiter rief Haßelmann den Demonstranten zu: „Lasst euch nicht diesen ganzen Dreck erzählen, der von denen kommt, die dieses Land kaputtreden.“

Die AfD-Redebeiträge am Infostand wiederum wurden lautstark von den Demonstranten gestört. Unter anderem „Nazis Raus“, „Ob Süden oder Nord, Nazis jagen ist ein Sport“ und „Ganz Bielefeld hasst die AfD“ ist in Videos von der Veranstaltung zu hören.

AfD macht Bielefelder Apothekerin Gesprächsangebot

Die letzte Parole griff der Bielefelder AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Kneller in seiner Rede auf. „Ganz Bielefeld kann uns nicht hassen, weil sonst säße ich nicht im Deutschen Bundestag“, rief er den Gegendemonstranten durchs Megafon zu und betonte: „Wir bedrohen hier niemanden.“

In Richtung von Apothekerin Kutter sagte der AfD-Politiker, dass er jederzeit bereit sei, sich mit ihr auf einen Kaffee zu treffen und ihr zu erklären, für welche Politik die AfD stehe. „Wir machen nämlich unter anderem auch Politik für mittelständische Apotheker“, sagte er und erklärte, dass es den Apothekern unter einer AfD-Regierung besser gehen würde. „Es ist wohlfeil, sich in einem Viertel, wo wir 40 Prozent haben, hinzustellen und zu sagen: Die Leute will ich eigentlich nicht bedienen. Das ist eine Frechheit und das geht so einfach nicht.“

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner sprach von „einer sehr randständigen Gruppe, die hier heute herangekarrt wurde. SPD, die Linke und die Grünen haben heute alles aufgeboten.“ Den Gegendemonstranten hielt Brandner vor, sich in den vergangenen zehn Jahren „von den Altparteien verarschen und missbrauchen“ haben zu lassen. „Ihr habt mit dafür gesorgt, dass es in Deutschland nicht besser, sondern schlechter wird.“

Brandner riet den AfD-Gegnern, dies in einem ruhigen Moment einmal zu reflektieren, und fragte in deren Richtung: „Was ist denn in den letzten zehn, zwölf Jahren in Deutschland besser geworden, außer die Wahlergebnisse der Alternative für Deutschland?“

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