Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor Spaltungsversuchen der Bevölkerung durch „populistische Parteien“. Das Versprechen eines Lebens in Freiheit stehe unter Druck, sagte Merkel im Leipziger Gewandhaus bei der Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises.
Nach ihren Worten versuchten populistische Parteien, die Würde des Menschen aufzuteilen. „Da gibt es das Volk und dann gibt es die Eliten und dann gibt es die, die sind erst ganz kurz Staatsbürger, und dann gibt es die, die sind schon ein bisschen länger Staatsbürger, und man versucht abzuschichten, man versucht, Hass zu schüren, man versucht, zu unterscheiden und damit Neid hervorzurufen“, sagte Merkel.
„Alle deutschen Staatsbürger sind das Volk“
In Deutschland gehe alle Macht vom Volke aus – „aber das Volk sind alle deutschen Staatsbürger“, betonte Merkel. „Und da wird nicht gefragt: ‚Bist du erst aus der DDR später dazugekommen, oder bist du vielleicht als Syrer erst vor drei Jahren dazugekommen?’ Alle deutschen Staatsbürger sind das Volk.“
Merkel mahnte bei der Verleihung zudem eine starke, selbstbewusste Europäische Union an. Das vereinigte Europa müsse in der globalen Welt entschiedener und klarer werden. Zudem müsse Europa das Wohlstandsversprechen einlösen. Andernfalls werde der Nationalismus gestärkt.
Merkel wurde am Sonntag mit dem Mendelssohn-Preis 2026 in der Kategorie Europa geehrt. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte: Merkel habe sich stets von der humanistischen Idee leiten lassen und als frühere Bundeskanzlerin höchste Verantwortung übernommen.
Die ehemalige Bundeskanzlerin betonte: Europa sei immer „ein Mehrwert für uns“. Es komme dabei auch darauf an, „sich in den Anderen hineinzuversetzen“ und nicht zu denken, alles schon zu wissen. „Andere haben auch beachtliche Argumente“, sagte Merkel. Die Altkanzlerin sprach zudem über Sorgen junger Menschen. Auf die aktuellen Proteste der Bewegung „Gen Z regelt“ ging sie nicht ein.
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