Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Stopp ukrainischer Angriffe auf russische Ölanlagen gegenüber den USA an Bedingungen geknüpft. „Wenn ihr wollt, dass wir keine russischen Raffinerien mehr angreifen, dann darf Russland auch unser Energiesystem nicht mehr angreifen“, sagte Selenskyj am Sonntag dem US-Sender Fox News. „Eine andere Möglichkeit wäre: Gebt uns Patriot-Raketen.“

Selenskyj äußerte sich gegenüber dem US-Sender, nachdem er nach eigenen Angaben „mehrere verschiedene“ Gespräche mit US-Präsident Donald Trump und dessen Stab zu diesem Thema geführt habe. „Wir haben klargestellt, dass wir nicht untätig bleiben können, nachdem Russland unsere Energieinfrastruktur angegriffen, unsere Menschen getötet und unsere Strom- und Gasversorgung sowie unsere Raffinerien – kurz: alles – attackiert hat“, sagte der ukrainische Staatschef in dem Interview.

Hinsichtlich seiner Forderung zur Lieferung von Luftabwehrraketen vom Typ Patriot fügte Selenskyj hinzu: „Die Finanzierung dafür werden wir sicherstellen, es geht nicht nur um Hilfsgelder.“

Konkret bot Selenskyj der US-Regierung demnach an, dass Kiew die Angriffe auf russische Raffinerien für einen Monat aussetzen würde, falls Washington für diesen Zeitraum die entsprechenden Raketensysteme bereitstelle. Die Frage, ob er befürchte, dies könne als Versuch ausgelegt werden, Trump unter Druck zu setzen, verneinte Selenskyj. „Ich habe keinerlei Bedenken, wenn ich unter Partnern die Wahrheit ausspreche“, sagte er.

Zuletzt hatte die US-Regierung am Freitag den Verkauf von 500 Patriot-Abfangraketen an die Ukraine genehmigt. Bis die Waffen tatsächlich dort eintreffen, könnten aber noch Jahre vergehen. Selenskyj hatte die Entscheidung zwar begrüßt, forderte angesichts der langen Lieferzeit aber eine Übergangslösung. Er schlug vor, dass die USA und europäische Verbündete zunächst Raketen aus ihren Beständen an die Ukraine abgeben und diese später durch die neu bestellten Waffen ersetzen.

Seit Trumps Amtsantritt Anfang 2025 haben die USA ihre direkten Militärhilfen für die Ukraine eingestellt. Über den sogenannten Purl-Mechanismus können Verbündete jedoch Waffenpakete in den USA für Kiew kaufen. Deutschland beteiligte sich bereits an drei solchen Paketen und sagte im Juni weitere 200 Millionen Dollar (180 Millionen Euro) für ein Waffenpaket sowie zusätzlich 200 Millionen Dollar für Patriot-Abfangraketen zu. Zuletzt hatte Selenskyj den USA allerdings vorgeworfen, die Lieferung von Raketen im Rahmen des Purl-Programms zu verzögern.

Trump hatte Kiew scharf für die Angriffe auf russische Ölanlagen kritisiert, weil er sie für die steigenden Energiepreise verantwortlich macht. Zuletzt hatten sich Washington und Moskau auf ein Dieselabkommen geeinigt, das in der Ukraine Empörung hervorrief. Das von Trump vereinbarte Geschäft war durch Lockerungen der US-Sanktionen ermöglicht worden. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten hatten es kritisiert.

Selenskyj zu Treffen mit Putin in der Türkei bereit

In einem weiteren Interview erklärte sich der ukrainische Präsident zu einem direkten Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in der Türkei bereit. Nach seinen Worten sei auch über die Möglichkeit eines Treffens auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs im Dreierformat gesprochen worden, sagte Selenskyj im Sender CNN Türk. Wenn die Türkei dies ermöglichen könne, würde die Ukraine es akzeptieren und sich darüber freuen.

Später im Interview sagt er auf die Frage, ob er bereit sei, Putin in der Türkei zu treffen: „Ja, wir sind zu einem solchen Treffen bereit.“ Selenskyj hat bereits mehrfach seine Bereitschaft zu einem direkten Treffen mit Putin bekundet. Putin hatte wiederum stets angeboten, sich mit Selenskyj in Moskau zu treffen. Dies jedoch lehnt der ukrainische Staatschef kategorisch ab.

App für Notfall-Warnungen in Ukraine und Russland gehackt

In der Ukraine und in Russland sind die offiziellen Notfall-Apps nach Behördenangaben gehackt worden. Zunächst wurde am späten Sonntagabend in der ukrainischen App unter anderem fälschlicherweise vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kiew gewarnt. Die App „Air Alert“ sei möglicherweise vom Feind kompromittiert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Es bestehe keine Gefahr durch Strahlung.

In der Nacht zum Montag meldete dann Russland einen massiven Cyberangriff auf seine Warn-App, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Zivilschutzministerium berichtete. Es sei den Angreifern gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden, hieß es weiter. Die russische Behörde machte keine Angaben dazu, wen sie hinter dem Angriff vermutete. Die Webseite des Ministeriums für Warnungen war in der Nacht zeitweise nicht erreichbar.

War es ein ukrainischer Gegenangriff auf das russische System?

Die zeitliche Abfolge der Ereignisse lässt die Vermutung zu, dass es sich nach der Attacke auf das ukrainische System um einen Gegenangriff Kiews gehandelt haben könnte. Russland greift das kleinere Nachbarland Ukraine seit viereinhalb Jahren massiv aus der Luft, am Boden und auf hoher See an. Es kommt dabei auch zu Cyberangriffen, die allerdings deutlich seltener Schlagzeilen machen.

Luftangriffe – und die nötigen regionalen Warnungen davor – sind für die Menschen in der Ukraine längst Alltag. Bei größeren Angriffen auf Kiew suchen Menschen häufig in den Stationen der U-Bahn Schutz.

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