Kurz vor den US-Kongresswahlen werden die oppositionellen Demokraten im wichtigen Bundesstaat Michigan von internen Kämpfen erschüttert. Die demokratische Abgeordnete Haley Stevens, die ihrem linksgerichteten Parteikollegen Abdul El-Sayed in einer Senats-Vorwahl unterlegen war, stellte sich am Sonntag hinter den Senatskandidaten der Republikaner von Präsident Donald Trump.
„Wir alle wissen, dass das eine sehr enge Wahl ist“, sagte Stevens zu Journalisten. „Aber Abdul hat sehr deutlich gemacht, dass ich in seinem Wahlkampf nicht willkommen bin.“ Die Abgeordnete sprach stattdessen dem republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers ihre Unterstützung aus.
El-Sayed zeigte sich unbeeindruckt von der Entscheidung der abtrünnigen Parteikollegin. „Letztlich denke ich nicht an Haley Stevens“, sagte er vor Journalisten. „Ich denke an die 9,999998 Millionen Menschen, die nicht die beiden sind“, fügte er mit Blick auf Stevens und Rogers hinzu.
Abdul El-Sayed könnte der erste muslimische US-Senator werdenDer Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, fand härtere Worte für Stevens: Er warf ihr einen „verachtenswerten Verrat“ vor. Trump, der El-Sayed als „Dschihadisten“ beschimpft hat, sagte dagegen, Stevens habe „Mut“.
US-Präsident Donald Trump lobte Stevens nach ihrer Wahlempfehlung für Rogers. Stevens habe Mut und große, nahezu beispiellose Loyalität gegenüber den Menschen in Michigan bewiesen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Wenn El-Sayed gewinnt, wäre der frühere Chef des Gesundheitsamts von Detroit der erste muslimische US-Senator. Der Ex-FBI-Agent Rogers vertrat Michigan bereits bis 2015 im US-Repräsentantenhaus und will nun den Fokus unter anderem auf die nationale Sicherheit legen.
Der Senat gilt als besonders umkämpft
Hunderte Abgeordnete, 35 Senatoren und zahlreiche Gouverneure werden bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag neu bestimmt. Doch wie der Abend für die Republikaner und die oppositionellen Demokraten ausgeht, entscheidet sich voraussichtlich in einer deutlich kleineren Zahl besonders umkämpfter Rennen.
Im Senat haben die Republikaner derzeit 53 der insgesamt 100 Sitze. Die Demokraten halten 45 Sitze und können sich auf die Unterstützung von zwei Parteilosen verlassen. Bei den Midterms werden 35 Sitze neu vergeben.
Würden die Demokraten den Republikanern netto vier Sitze abnehmen, hätte Trumps Partei keine Mehrheit mehr. Laut Wahlanalytikern der Plattform „Cook Political Report“ zeichnet sich bei sieben Sitzen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab – die Mehrheit davon ist aktuell republikanisch besetzt.
Das sind neben Michigan die wichtigsten Senatswahlen:
Texas: Der Bundesstaat galt in den vergangenen Jahrzehnten als republikanische Hochburg. Entsprechend verheerend wäre es für Trumps Partei, wenn sie dort einen Senatssitz verlieren würde. Für die Demokraten wäre es dagegen ihr erster Sieg bei einem Senatsrennen in dem südlichen Bundesstaat seit fast 40 Jahren. Ihr Kandidat, der frühere Lehrer James Talarico, tritt gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Dieser gilt als Unterstützer Trumps und ist umstritten. So musste er sich etwa einem Amtsenthebungsverfahren wegen Vorwürfen von Korruption und Amtsmissbrauch stellen. Talarico stellte sich im Wahlkampf als Politiker dar, der in Washington für ein bezahlbares Leben kämpfen will. Immer wieder machte er auch seinen christlichen Glauben zum Thema.
Alaska: Wird eine Namensgleichheit dem republikanischen Amtsinhaber Dan S. Sullivan Stimmen kosten – und damit seinen Senatssitz? Diese Sorge hat zumindest die Trump-Regierung geschürt. Gegen den Amtsinhaber treten der politische Neuling Dan J. Sullivan und die Demokratin Mary Peltola an. Republikaner verdächtigen die Demokraten schon länger, den Namensvetter aus taktischem Kalkül zur Kandidatur bewogen zu haben und auf eine Verwechslungsgefahr zu setzen. Ein Medienbericht hat ihre Darstellung jüngst untermauert. Das Rennen war zeitweise Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung, in die auch das US-Justizministerium involviert ist. Mittlerweile wurde die Klage abgewiesen.
Gouverneure nicht ignorieren: Chefs der Bundesstaaten
Zwar nehmen sie auf Bundesebene eine vergleichsweise kleinere Rolle ein – in ihren Bundesstaaten haben die Gouverneurinnen und Gouverneure allerdings das mächtigste Amt. Sollten die Demokraten mindestens zwei zusätzliche Gouverneure stellen, gäbe es erstmals seit 2010 wieder mehr demokratische als republikanische Bundesstaatenchefs. Im Fokus stehen etwa:
Die demokratische Kandidatin Amy Acton tritt in Ohio gegen den Unternehmer Vivek Ramaswamy anOhio: Mit einem umstrittenen Werbevideo hatte der republikanische Unternehmer Vivek Ramaswamy Stimmung gegen seine demokratische Kontrahentin Amy Acton gemacht. In dem Video rief die Mutter der Ärztin die Wähler auf, nicht für ihre Tochter zu stimmen – obwohl beide seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander haben. Acton hatte den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen, nachdem sie nach eigenen Angaben sexuell von ihrem Stiefvater missbraucht worden war. Ramaswamys Kampagne hatte parteiübergreifend für Kritik gesorgt – selbst der scheidende republikanische Amtsinhaber äußerte Unmut.
Wisconsin: In dem Bundesstaat entscheidet sich, ob sich der moderate Demokrat David Crowley gegen den Republikaner Tom Tiffany durchsetzen kann. Der Swing State wurde zuletzt demokratisch regiert, doch in der Vergangenheit entschieden bei Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen oft nur wenige Tausend Stimmen. Crowley hatte sich parteiintern mit einem gemäßigteren Ansatz etwa beim Reizthema Gesundheitsvorsorge gegen die linke Kandidatin Francesca Hong durchgesetzt. Falls er den Ex-Kongressabgeordneten Tiffany schlägt, könnte das als positives Signal für moderate Kandidaten der Demokraten gewertet werden.
Gute Chancen für die Demokraten
Umfragen bescheinigen Demokraten gute Chancen, das Repräsentantenhaus zu gewinnen. Aktuell ist die Mehrheit der Republikaner dort äußerst knapp: 218 der 435 Sitze sind in republikanischer Hand, die Demokraten haben 214. Die anderen drei sind entweder vakant oder von einem Parteilosen besetzt.
Zwar stehen alle Sitze zur Wahl. Da eine ganze Reihe an Sitzen feste Hochburgen der einen oder anderen Partei sind, stehen aber auch hier vor allem die umkämpften Wahlkreise im Fokus: Gewinnt eine Partei hier überproportional viel, deutet das früh auf einen Gesamtsieg hin.
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