Ist der frühere ARD-Sportmoderator Waldemar Hartmann ein Rassist? So jedenfalls lauteten die Vorwürfe gegen den 78-Jährigen, der sich zuvor mit einer Äußerung über die Berliner Linke-Politikerin Elif Eralp bei X zu Wort gemeldet hatte.
Darin kritisierte er zunächst die politischen Vorstellungen der Berliner Linken und unterstellte der Partei eine „Abhängigkeit von kriminellen Clans und islamistischen Terrororganisationen“. Anschließend schrieb er: „Ich habe einfach ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt Berlin Elif Eralp heißt.“ Politiker von CDU, Grünen und Linkspartei warfen Hartmann daraufhin Rassismus vor.
Besonders deutlich reagierte die CDU-Politikerin Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Man könne Eralp und ihre Partei „heftig kritisieren“. Hartmanns Aussage sei jedoch „ohne Wenn und Aber blanker Rassismus“, erklärte sie.
Waldemar Hartmann selbst äußerte sich am Montag auf Nachfrage der „Bild“-Zeitung noch einmal zu seinem Posting. Die Rassismus-Anschuldigungen hätten ihn, so Hartmann, tief getroffen: „Ich bin jetzt 78 Jahre alt, kein Mensch kann mir auch nur ansatzweise irgendetwas vorlegen, das mit Rassismus zu tun hat. Ich war kein Rassist, ich bin keiner und ich werde auch keiner werden.“ Er habe nur, so der 78-Jährige weiter, die Berliner Linken kritisieren wollen, deren Politik er für „aberwitzig“ halte.
Kritik auch aus der CDU – das könne er nicht verstehen, so Hartmann
Trotz massiven Gegenwinds aus ganz Deutschland rückt in Berlin ein rot-grün-rotes Bündnis unter Führung der Linkspartei näher. Die Linke will mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp erstmals eine Regierende Bürgermeisterin in der Hauptstadt stellen. Die Juristin geriet wegen ihrer bis 2025 bestehenden Mitgliedschaft in der vom Verfassungsschutz dem Linksextremismus zugerechneten Roten Hilfe in die Kritik.
Weitere Vorwürfe beziehen sich auf Kontakte der Berliner Linken ins Clan-Milieu sowie auf ein Treffen Eralps mit einer Delegation, der Mitglieder einer von den Sicherheitsbehörden als PKK-Tarnorganisation eingestuften Gruppe angehört haben sollen; Eralp erklärte, davon nichts gewusst zu haben.
Am Wahlabend besuchten unter anderem Clan-Chef Issa Remmo und Terror-Unterstützer Ibrahim Ibrahim ihre Feier, während innerparteilich über den Umgang mit Israel und propalästinensischen Milieus gestritten wird. Zuletzt sorgte ein versehentlich übermittelter interner Vermerk für Aufsehen, aus dem hervorging, dass Eralp aus Sorge um ihre Familie eine deutliche öffentliche Stellungnahme zu Ibrahim Ibrahim vermeiden wollte.
Auf X hatten sich neben Güler auch noch zahlreiche andere Politiker über die Äußerung von Hartmann empört.
Unter ihnen war etwa der CDU-Politiker Dennis Radtke, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). „Wer Name und Herkunft mit Inhalt und Handeln auf eine Stufe stellt, ist einfach ein handelsüblicher Rassist“, schrieb er.
Auf die Äußerung des CDU-Politikers ging Hartmann in seiner Stellungnahme bei „Bild“ ebenfalls ein. Dass Linke und Grüne jetzt „die Rassismuskeule schwingen, damit kann ich leben. Die schwingen sie gegen jeden, der Klartext spricht“, zitiert die Zeitung der Sportjournalisten. Dass aber auch CDU-Politiker ihm Rassismus vorwerfen, „anstatt sich zu fragen, warum eine Frau Eralp gewinnen konnte, das ist an Heuchelei und Unterirdischem nicht zu überbieten“.
Was Ricarda Lang zu Waldemar Hartmann sagt
Kritik kam ebenfalls von der früheren Linken-Vorsitzenden Janine Wissler. Sie wandte sich insbesondere gegen Hartmanns Verweis auf Eralps Namen und die Herkunft ihrer Eltern.
Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang äußerte sich ebenfalls kritisch. Sie schrieb auf X: „You‘re not supposed to say the quiet part out loud.“ Mit der englischen Redewendung „to say the quiet part out loud“ ist gemeint, offen auszusprechen, was normalerweise unausgesprochen bleibt. Sie wird meist verwendet, wenn jemand seine eigentlichen Motive oder Absichten ungewöhnlich unverblümt erkennen lässt.
In die Debatte schaltete sich zudem Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, ein. Bei aller möglichen politischen Kritik an der Berliner Linken forderte er Solidarität mit Eralp: „So nicht“, erklärte er.
Königsberg verwies auf einen der bekanntesten Ausraster der deutschen Fernsehgeschichte: „Völler hat Recht“, schrieb er sinngemäß und erinnerte an den legendären Auftritt des damaligen DFB-Teamchefs Rudi Völler im Jahr 2003.
Nach einem 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Island hatte sich Völler damals live im Fernsehen mit Hartmann gestritten. „Ich kann diesen Käse nicht mehr hören“, sagte Völler und warf Hartmann vor, bequem auf seinem Stuhl zu sitzen und „drei Weizenbier“ getrunken zu haben.
Hartmann, der über Jahrzehnte als Sportjournalist und Moderator für die ARD arbeitete, wurde vor allem durch seine Fußballberichterstattung bekannt. Seit August 2023 ist er für das Portal „Nius“ tätig.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.