Nach einem schweren russischen Angriff auf Energieanlagen hat die ukrainische Hauptstadt Kiew mit massiven Problemen bei der Stromversorgung zu kämpfen. Auch die Versorgung mit Wasser und Fernwärme sei betroffen, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Samstagmorgen mit. Die Lage bei der Stromversorgung sei „extrem schwierig“.
Nach Klitschkos Angaben zielten die Angriffe unter anderem auf Energieanlagen im Umland der Hauptstadt und im benachbarten Gebiet Schytomyr. In der Gebietshauptstadt Tschernihiw nördlich von Kiew kam es ukrainischen Angaben zufolge zu einem vollständigen Stromausfall.
Bei den Angriffen wurden in Kiew laut Klitschko fünf Menschen verletzt, darunter ein 14-jähriges Kind. Zudem wurde die Kiewer Nordbrücke über den Dnipro beschädigt und vorläufig gesperrt. Auf einem von Klitschko veröffentlichten Video waren Schäden an der Fahrbahn und an Leitplanken zu sehen. Auch Stromleitungen für Oberleitungsbusse seien abgerissen worden. Mit Reparaturarbeiten wurde begonnen. Die Dreimillionenstadt wird durch den Dnipro geteilt. Ausfälle wichtiger Brücken beeinträchtigen daher den Verkehr zwischen den beiden Stadthälften erheblich.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Brücke sei angegriffen worden, weil sie auch ukrainischen Militärtransporten diene. Nach russischen Angaben wurden außerdem eine Fabrik für den ukrainischen Marschflugkörper Flamingo, das Kraftwerk Tripillja südlich von Kiew und ein Umspannwerk in der Region Schytomyr attackiert. Die ukrainische Flugabwehr fing nach Angaben des Militärs in der Nacht vier ballistische Raketen sowie 149 von 172 russischen Kampfdrohnen ab.
Erst am Freitag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor neuen russischen Angriffen auf Energieanlagen und andere Infrastruktur gewarnt. Geheimdienstinformationen deuteten auf bevorstehende Attacken „gegen den Energiesektor, gegen unsere Brücken über den Dnipro und gegen zivile Infrastruktur“ hin, sagte Selenskyj. Er forderte erneut Abfangraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem.
Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in Russland an. Nach Angaben der russischen Gebietsverwaltung wurde die Ölraffinerie in Saratow an der Wolga attackiert. Videos in sozialen Netzwerken zeigten Brände auf dem Raffineriegelände. Berichten zufolge wurde zudem eine Rüstungsfabrik in Orjol südwestlich von Moskau getroffen.
Die Angriffe erfolgen wenige Tage vor neuen Gesprächen über ein mögliches Ende des Krieges. Für Dienstag und Mittwoch sind Dreiergespräche zwischen Vertretern Russlands, der Ukraine und der USA in Abu Dhabi geplant. Vertreter der Europäischen Union sollen daran nicht teilnehmen.
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