Erst folgten Wochen des Streits, dann eine sechsstündige Diskussion – und am Ende soll beim Rentenpaket der Bundesregierung nun doch alles so bleiben, wie es vorgeschlagen wurde. Darauf habe man sich verständigt, so Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einer Pressekonferenz am Freitag.
Zuvor hatte die sogenannte „Junge Gruppe“ der Unionsfraktion sich gegen eine Formulierung gestellt, die laut ihren Berechnungen nach dem Jahr 2031 Mehrkosten über hundert Milliarden Euro zulasten der jüngeren Generation bringen könnte.
Doch für wie gerecht oder ungerecht halten die Deutschen den eingeschlagenen Weg? Über die Meinung der Bundesbürger gibt nun eine neue Insa-Telefonumfrage Aufschluss, die WELT und „Business Insider“ exklusiv vorliegt. Bemerkenswert: Gerade Ältere empfinden die Chance, dass junge Menschen künftig stärker belastet werden könnten, als ungerecht. 69 Prozent der Teilnehmer über 70 Jahren sagte das.
Unter allen Teilnehmern der Umfrage waren durchschnittlich 59 Prozent dieser Ansicht. Zurückhaltender sahen die jungen Leute selbst die Pläne der Bundesregierung: 34 Prozent der 18- bis 29-Jährigen fanden die Ideen von SPD und Union „gerecht“, 15 Prozent waren sich unschlüssig.
Die Aussagekraft hinsichtlich der tatsächlichen Zustimmung der Befragten zu dem Renten-Programm ist indes begrenzt – schließlich zielte die Frage lediglich auf das Gerechtigkeits-Empfinden der Teilnehmer ab.
„Die Mehrheit der Deutschen hält es für zutiefst ungerecht, junge Menschen noch stärker zu belasten“, sagt Thomas Hoppe, Bundesvorsitzender des Verbands „Die jungen Unternehmer“, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Aus Sicht des Verbands stehen damit ausgerechnet diejenigen, von denen sich die Politik den größten Zuspruch erhofft, deutlich stärker als angenommen gegen die Renten-Pläne. „Schwarz-Rot braucht keine Angst zu haben“, so Hoppe. „Die Wähler sind weniger egoistisch als die Politik befürchtet.“
Auffällig dabei: Auch die Aufschlüsselung nach Parteien unterstützt das Bild. Zwar zeigten gerade Teilnehmer, die angaben, CDU, CSU oder SPD zu wählen, eher eine Unterstützungsbereitschaft, jedoch sagten selbst SPD-Wähler zu 54 Prozent, dass sie die Renten-Vorhaben für ungerecht hielten.
Besonders skeptisch waren Unterstützer der Grünen und der Linken mit 70 und 69 Prozent, die die Pläne für unfair hielten. BSW-Wähler sagten das in 66 Prozent der Fälle, FDP-Befürworter zu 65 Prozent. Unter denen der AfD 62 Prozent. Besonders gerecht, so die Umfrage, fanden CDU-Wähler die Vorhaben, ausdrücklich gaben das 38 Prozent an, der höchste Wert im Parteienvergleich.
Zehn Milliarden Euro als Kompromissvorschlag
Schon jetzt sind die Kosten für die Rente in Deutschland enorm. 23 Prozent des Bundeshaushalts kommen dem Posten zugute. Das System bleibt also trotz des Machtworts des Bundeskanzlers vor dem Wochenende reformbedürftig.
Entlastung für die Wirtschaft sollte zum Beispiel die von der CDU bereits im Wahlkampf versprochene „Aktivrente“ bringen, also steuerbefreite Zuverdienstmöglichkeiten für alle im Rentenalter bis zu 2000 Euro im Monat.
Zumindest die Prüfung einer schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters ist ebenfalls vorgesehen. Im Zuge des neuerlichen Protests sprach Merz nun außerdem davon, ein Aktienpaket über zehn Milliarden Euro auflegen zu wollen, dessen Erträge zur Finanzierung der Rente genutzt werden sollen. Unter anderem könnte der Staat dafür in Aktien der Telekom oder Commerzbank investieren.
Laut der aktuellen Umfrageergebnisse könnte sich die Politik bei der Umsetzung noch Zeit lassen. 43 Prozent der Teilnehmer sagten, dass die Bundesregierung noch warten sollte, bis die Ergebnisse der Rentenkommission vorliegen. Vorgesehen ist das bis Juni 2026.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, Mittelstand und Immobilien.
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