An Winnetouch, Abahachi und Blutsbruder Ranger führte kein Weg vorbei. 5,05 Millionen Besucher sind 2025 in die deutschen Kinos geströmt, um die Abenteuer der drei Hauptcharaktere im Film „Das Kanu des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig zu sehen, meldet der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino).

Damit thront die Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ an der Spitze der Kino-Jahrescharts in Deutschland – und zwar mit weitem Abstand. Jedenfalls rangieren die Filme auf den Folgeplätzen jeweils zwischen drei und 3,5 Millionen Ticketverkäufen, sei es der Minecraft-Film, die Live-Action-Neuverfilmung des Zeichentrick-Klassikers Lilo & Stitch oder „Fire and Ash“, der dritte Teil der Avatar-Saga.

Die Avatar-Fortsetzung ist allerdings erst kurz vor Weihnachten gestartet und hat ihre drei Millionen Besucher damit in gerade einmal zwei Wochen eingesammelt. Ein Zuschauer-Boom, der auch in der ersten Januar-Hälfte anhält.

Experten schließen daher nicht aus, dass der Science-Fiction-Fantasy-Abenteuerfilm zum erfolgreichsten Blockbuster im Gesamtjahr 2026 wird – auch wenn noch große Filme wie „Avengers: Doomsday“ oder „Herr der Ringe: Gollum“ angekündigt sind. Die beiden Vorgänger „Avatar“ und „Avatar: The Way of Water“ stehen auf den Plätzen eins und drei der weltweit erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten.

Die Zahlen aus Deutschland spielen dabei eine gewichtige Rolle. Die Bundesrepublik ist der sechstgrößte Kinomarkt der Welt hinter den USA, China, Japan, Großbritannien und Frankreich. Vorläufigen Schätzungen des HDF Kino zufolge lag der Umsatz der gut 1200 deutschen Filmtheater mit ihren fast 4700 Leinwänden 2025 bei knapp 900 Millionen Euro.

Verkauft wurden rund 89,2 Millionen Tickets, meldet die zentrale Interessengemeinschaft der Kinobetreiber unter Berufung auf einen Branchenanalysedienst. Das sind 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „2025 war ein solides Jahr für die deutschen Kinos“, erklärte Christiane Berg, Vorstandschefin des HDF Kino. „Wir sehen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber noch lange nicht am Ziel.“

Tatsächlich waren Kinobesuche schon einmal wesentlich beliebter in Deutschland. 2001 zum Beispiel lag die Zahl der Ticketverkäufe laut der Filmförderungsanstalt (FFA) bei 178 Millionen und damit fast doppelt so hoch wie zuletzt. Allerdings kämpft sich die Branche derzeit noch immer aus dem Corona-Tief, als die Lichtspielhäuser in zwei Wellen für jeweils etliche Monate geschlossen bleiben mussten.

Hinzu kommt die allgemeine Konsumzurückhaltung hierzulande, die auch die Kinos trifft, zumal die Preise für ein Leinwand-Erlebnis stetig gestiegen sind – auf im Durchschnitt mittlerweile rund zehn Euro pro Eintrittskarte.

Vor allem aber gab es damals nicht die Vielzahl von Streaming-Diensten, die neue Filme immer schneller nach dem Kinostart auf ihrer Plattform zeigen und damit in die Wohnzimmer der Filmfans bringen. Netflix zum Beispiel hat angekündigt, nach der fast 83 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Warner Bros. Discovery die Exklusiv-Vermarktung von Filmen durch Kinos auf nur noch 17 Tage zu verkürzen.

Kinobetreiber schlagen dementsprechend Alarm, weil sie darin eine ernsthafte Bedrohung ihres Geschäftsmodells sehen. Zumal die Filmtheater in Deutschland überaltern. Rund 110 Millionen Euro sind laut HDF Kino nötig für die Modernisierung mit neuer Technik, komfortableren Sitzen und großzügigen Foyers.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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