Steffen Foster beginnt zu schwärmen, wenn er von den Möglichkeiten als Forscher und Unternehmer in den USA spricht. „Wo in Deutschland endlos diskutiert wird, probiert man es hier einfach aus. Man hat mir von Anfang an gesagt: mach es einfach. Setz das Forschungsprojekt einfach als Unternehmer fort“, sagt Foster.
Das machte der Deutsche und gründete in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah ein Biotech-Unternehmen. Das Unternehmen floriert. Doch Probleme bereitet dem Gründer ausgerechnet jener Mann, der Amerika in eine vermeintlich großartige Vergangenheit zurückführen will: US-Präsident Donald Trump und dessen Make-America-Great-Again-Bewegung (MAGA).
„Statt Chancen erleben wir derzeit Instabilität und Unvorhersehbarkeit. Vor allem die Zölle belasten uns, weil sie Vorprodukte verteuern“, sagt Foster, der seinen richtigen Namen und den seines Unternehmens lieber nicht veröffentlicht sehen will. Die erhöhten Kosten habe er bereits an Kunden weitergeben müssen.
Fast wöchentlich neue Drohungen
Fast wöchentlich droht US-Präsident Donald Trump Nationen rund um den Globus mit neuen Strafzöllen. Aktuell steht Kanada im Fokus von Trumps Zorn. Das Weiße Haus droht dem US-Nachbarland Einfuhrzuschläge in der Höhe von hundert Prozent an. Der Grund: Kanada versucht gerade, seine Kooperation mit China auszubauen.
Europa kann hingegen vorerst aufatmen. Noch vor wenigen Tagen wollte Trump Strafzölle von 10 Prozent auf sämtliche Produkte mehrerer EU-Länder verhängen, darunter Deutschland. Das angebliche Vergehen dieser Länder: Sie haben Dänemark beigestanden, als Trump Besitzansprüche auf Grönland anmeldete.
Doch auch wenn die zusätzlichen Zölle nun doch nicht kommen sollen, bleiben die Drohgebärden des US-Präsidenten nicht ohne Folgen. So will Trump durch das Damoklesschwert möglicher Strafzölle Unternehmen bewegen, mehr in die USA zu investieren und Produktion dorthin zu verlagern.
Doch bei deutschen Unternehmen scheint dieser Plan nicht aufzugehen. Deren Investitionspläne in den USA sind im Vergleich zu den Vorjahren stark zurückgegangen. Der Hauptgrund: Trumps Willkürzölle. So will VW-Chef Oliver Blume laut „Handelsblatt“ neue Investitionen in den USA von Entlastungen bei den Zöllen abhängig machen. Doch es gibt auch deutsche Unternehmen, die aus den Wirren der amerikanischen Wirtschaft Profit schlagen.
„Derzeit beobachten wir eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionen“, sagt Christoph Schemionek, Geschäftsführer der Auslandshandelskammer in Washington (AHK). „Die zunehmende Unberechenbarkeit der US-Handelspolitik erhöht die Planungsunsicherheit und wirkt investitionshemmend“, so Schemionek. Jüngste Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigen, dass die deutschen Direktinvestitionen deutscher Firmen in den USA von Februar bis November 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 45 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro zurückgegangen sind.
Die Gründe für den starken Rückgang der Investitionen deutscher Unternehmen in den USA zeigt eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) auf. Rund 3500 deutsche Unternehmen wurden für die Sonderauswertung des „World Business Outlooks“ der DIHK für die USA im vergangenen Herbst befragt. Das Ergebnis der Umfrage: Das Investitionsklima der deutschen Unternehmen in den USA war im Jahr 2025 mit Blick auf die USA unter dem Niveau der Vorjahre, zwischenzeitlich sogar auf Rekordtief.
Die Umfrage verdeutlicht, dass ausländische Unternehmen am Standort USA mit enormen Handelshemmnissen durch die neue US-Regierung zu kämpfen haben. So würden drei Viertel der in den USA tätigen deutschen Unternehmen die negativen Auswirkungen der US-Handelspolitik spüren. Das ist deutlich mehr als im globalen Durchschnitt, der bei 60 Prozent liegt. „Drei Viertel der Unternehmen nennen Zölle als den einflussreichsten Aspekt der US-Wirtschaftspolitik für ihr Geschäft“, heißt es in der Studie.
Nur vier Prozent sehen positive Auswirkungen
Zwar hat sich die Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen in den USA laut der Umfrage im Vergleich zu einer Erhebung aus dem Frühjahr 2025 leicht verbessert. „Dennoch liegen die Investitionspläne weiterhin deutlich unter dem globalen Durchschnitt und weit entfernt vom üblicherweise hohen Investitionsniveau deutscher Unternehmen in den USA“, heißt es in der DIHK-Studie. Auch die Beschäftigungspläne würden sich nur verhalten erholen und blieben deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt.
76 Prozent würden negative oder stark negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihr lokales Geschäft in den USA spüren. Der hohe Wert sei dabei insbesondere auf die direkten Auswirkungen auf die international vernetzten Lieferketten der Unternehmen zurückzuführen. „Nur vier Prozent berichten von positiven Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihr Geschäft“, heißt es in der Studie. Im Frühjahr 2025 lag dieser Wert noch bei sieben Prozent.
Auch für Gründer werden die USA als Standort offenbar zunehmend unattraktiv. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom) unter Gründern von deutschen Unicorns, also Start-ups, die mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet sind. Demnach würden sich nur sieben Prozent dieser Gründer für die USA entscheiden, wenn sie noch einmal gründen würden. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 24 Prozent – also dreimal so hoch.
Doch es gibt auch deutsche Unternehmen, die von der Wirtschaftsentwicklung in den USA profitieren. So teilte die Discounter-Handelskette Aldi vor wenigen Tagen mit, in den USA stark expandieren zu wollen. Allein in diesem Jahr will Aldi in dem Land 180 neue Filialen eröffnen. Bis 2028 will der Konzern 3200 Standorte in den USA unterhalten.
Die Expansion des Discounters aus Deutschland ist auch in US-Medien Thema. Die „Los Angeles Times“ sieht die Ausweitung der Aldi-Filialen in der US-Inflation begründet. „Aldi versucht, Marktanteile zu gewinnen, da immer mehr Familien auf günstigere Produkte umsteigen. Sie verlagern also Einkaufsorte, um Kosten zu sparen“, heißt es in der „Los Angeles Times“. Laut der Zeitung sei die Lebensmittelinflation in den USA seit Beginn der Pandemie um 25 Prozent gestiegen, auch wenn sie sich zuletzt verlangsamt habe.
Unternehmer Foster kann von den wirtschaftlichen Problemen der USA hingegen nicht profitieren. In seiner Branche sei der Druck sogar von mehreren Seiten gewachsen. „Es sind ja nicht nur die Zölle, die uns belasten. Auch die Forschungsförderung gerät unter Druck, wodurch die Finanzierung einiger unserer US-Kunden unsicherer wird“, sagt er. Foster hält es für möglich, dass sein Unternehmen deshalb schon bald global umdenken muss. „Statt aus den USA könnten bald mehr unserer Aufträge aus China oder Europa kommen“, so Foster. Das zunehmend schwierige US-Geschäft könnte er so ausgleichen. Für den Innovationsstandort USA wäre das freilich keine gute Nachricht.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.
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